Infusionen und Akupunktur

Weil nach über einer Woche noch keine Besserung zu erkennen ist und ich die Medikamente mit Kortison auch nicht länger als drei Wochen nehmen mag, müssen Alternativen her, die mich, meine Lunge und die Bronchien vielleicht retten. Der Heilpraktiker empfiehlt die Einnahme von Enzymen und Vitamin C-Infusionen. Da ich beides noch nie probiert habe, will ich beides probieren. Und weil gerade Zeit ist, bekomme ich direkt die erste von zehn Infusionen. Es fühlt sich kalt an der Einstichstelle an, sonst merke ich nichts weiter. Wenn es am Ende nichts bringt, dann richtet es, im Gegensatz zum Kortison, wenigstens keinen Schaden an. Und das Geld gebe ich so oder so jeden Monat vollständig aus, daher wird mich das auch nicht wirklich tangieren. Jede Woche gönne ich mir nun zwei dieser Infusionen und hoffe, dass ich danach wieder fit wie mit 25 bin.

Am Nachmittag besuche ich die chinesische Heilpraktikerin, um mir auch von ihr helfen zu lassen. Sie findet die Infusionen mit Vitamin C gut, sagt aber, dass ich auf keinen Fall mehr das Kortison nehmen soll. Vom Kortison ist meine Stimme längst völlig angegriffen und ich klinge sehr heiser. Dabei nehme ich noch nicht einmal die Höchstdosis. Die soll ich erst nehmen, wenn es bis zum nächsten Termin keine Fortschritte gibt. Ich bin da dummerweise ein sehr skeptischer Patient und hoffe, dass ich das ohne Chemie hinbekomme kann. Nach der Pulsuntersuchung werden die Nadeln für die Lunge und fürs Immunsystem gesetzt. Kurz danach schlafe ich ein. Später sagt die Heilpraktikerin, dass sie zunächst drei Behandlungen plant und ich dann Kräuter bekomme. Oder irgendwelche Pilze. Mit den Pilzen kann ich unendlich alt werden, sagt sie vergnügt. So lange ich mich in einem guten Zustand befinde und ansehnlich aussehe, ist das okay für mich. Sie klebt mir noch vier Akupunktur-Pflaster auf. Dreimal täglich soll ich für je eine Minute darauf drücken, dann macht mein Körper das schon. Das sollte ich hinkriegen.

Ich weiß nicht, ob es Zufall ist, aber als ich am nächsten Morgen mein Frühstück zu mir nehme, sind die Beschwerden geringer als sonst. Gelegentlich mache ich gefrorene Heidelbeeren in mein Müsli, die immer noch ziemlich kalt sind, wenn ich das Müsli verspeise. Dieses Frühstück sorgte zuletzt immer für deutliche Probleme und heute macht es mir fast gar nichts aus. Das kann Zufall sein oder durch die Einnahme der kortisonhaltigen Medikamente verursacht sein, aber letzteres erscheint mir unwahrscheinlich. Entweder ist es Zufall und hat nichts zu bedeuten, oder aber Infusion und Akupunktur bewirken doch etwas. Dabei ist es mir auch völlig egal, ob es die Kombination ist oder nur entweder Infusion oder Akupunktur verantwortlich sind. Hauptsache es tut sich was. Ich werde es beobachten und hoffe, dass es noch besser wird.
Vielleicht ist es unklug, unangebrachter Übermut oder eine unentschuldbare Fehlentscheidung, doch ich verzichte den Rest des Tages auf die weitere Einnahme des Kortisons. Dabei ist es durchaus möglich, dass es mir nur deshalb besser geht, weil ich seit Tagen Kortison nehme, mir aber die Vorstellung, dass die Vitamin C-Infusion und die Akupunktur verantwortlich sind, besser gefällt. Wie kann ich das richtige tun, wenn ich nicht weiß, was richtig ist? Den Tag über habe ich jedenfalls nur selten ganz minimale Probleme und merke, wie die Hoffnung in mir entsteht, dass alles wieder gut wird.

Am nächsten Tag sind die Probleme beim Frühstück wieder zurück. Allerdings nicht so stark, wie es vorher war. Dennoch fürchte ich, dass es keine clevere Idee war, das Kortison wegzulassen. Übermut tut selten gut. Unverzüglich beginne ich wieder mit der Einnahme des Nasensprays. Was die Kapsel zum Inhalieren angeht zögere ich noch, denn nachdem ich sie gestern nicht genommen habe, ist meine Stimme, die mit jedem Tag heiserer wurde, Hauptnebenwirkung von Miflonide Breezhaler, gestern fast wieder normal geworden. Ich stecke in einer unangenehmen Lage und weiß nicht, wie ich da wieder rauskomme, ohne alles falsch zu machen und meine Gesundheit weiter zu ruinieren. Aber es macht wenig Sinn, wenn ich mit Infusionen und Akupunktur mein Immunsystem stärken lasse und es mit Kortison gleichzeitig runterfahre.

Am Nachmittag gibt es die zweite Vitamin C-Infusion und auch der Heilpraktiker ist der Meinung, dass Infusion und Kortison nicht wirklich zusammenpassen. Also verzichte ich in den nächsten Tagen komplett auf die Medikamente, die der Lungenfacharzt mir aufgeschrieben hat. Weil ich es mir wert bin. Oder weil ich ein Idiot bin. Spätestens am 29.06. weiß ich mehr. Oder noch weniger.

8 Kommentare on "Infusionen und Akupunktur"


      1. What??? Die 1. Wahl??? Ich habe 15 Jahre Leben mit Schmerz hinter mir, nie hat einer auch nur an Cortison gedacht. Bis auf den aktuellen Hausarzt im Januar – und siehe da….
        Also dass es das Mittel der 1. Wahl ist, bezweifel ich – schon aufgrund der nicht unerheblichen und vor allem bekanntermaßen zu erwartenden Nebenwirkungen.
        Ob und was von dem wirkt, was man ausprobiert, kann man nur rausfinden, wenn man den Dingen ihre Zeit lässt 😉 Sagt Dir eine, die genug ausprobieren durfte 😉

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  1. Ich finde es erstaunlich, dass man mit Nadeln im Körper einschlafen kann. Für jemanden, der so unentspannt ist, bist du da erstaunlich entspannt. Vielleicht solltest du dir ein Nagelbett zutun. Was deine selbstverordneten Kuren angeht, frage ich mich, was der Arzt dazu sagen wird. Ich an seiner Stelle wäre etwas verwirrt. Aber ich kann mich auch täuschen, und er findet es ganz toll.

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    1. Ärzte sind immer verwirrt, wenn man nicht macht, was sie einem vorgeben.
      Vielleicht sage ich es ihm, vielleicht auch nicht. Das entscheide ich spontan.

      Möglicherweise wäre es gut, wenn ich ständig Nadeln in meinen Körper stecken hätte.

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