Erste 5-Tage-Woche 2021

Völlig überraschend und somit auch unerwartet werde ich am Freitag gefragt, ob ich am Montag nicht arbeiten kann, weil an einem anderen Standort, von dem wir mittlerweile auch Teilnehmer betreuen, mehrere Mitarbeiter aus unterschiedlichen Gründen ausfallen. Da ich erst eine Woche später wieder einen montäglichen Termin habe, erkläre ich mich bereit und frage, ob ich dafür dann am Freitag zuhause bleiben kann. Das geht leider nicht, weil in der nächsten Woche Mitarbeiter Knappheit herrscht. So bekomme ich dafür einen Tag Urlaub gutgeschrieben.

Montag
Der Montag verläuft wie erwartet. Da ich keine eigenen Teilnehmer habe, kümmere ich mich um die vier Teilnehmer aus der anderen Maßnahme, was bedeutet, dass ich mit ihnen telefoniere. Zumindest mit dreien von ihnen, denn eine geht erst gar nicht ans Telefon und ruft auch nicht zurück. Ehrlich gesagt, hätte Kollege Jens das auch mitmachen können, ohne dass es in Stress ausgeartet wäre. Zwei Stunden beschäftige ich mich noch mit einem TN aus der dritten Maßnahme, die wir hier noch betreuen. Aber auch das war ursprünglich für Dienstag geplant. Für zwei der drei Teilnehmer der Maßnahme des anderen Standortes schreibe ich noch ein paar Bewerbungen. Auch das hätte ich Dienstag, wie geplant erledigen können. So wirklich nötig war es letztlich also nicht, dass ich heute im Büro war. Es bringt nur meine ganzen Pläne durcheinander,

Dienstag
Am Dienstag erfährt Jens, dass sein Vertrag entfristet wird. Manchmal setzt sich Qualität doch durch. Den Rest des Tages rufe ich Teilnehmer an und erreiche die meisten auch, ohne dass wir am Ende etwas erreichen. Im Büro haben wir ab heute ein Zeiterfassungssystem. So müssen wir uns morgens brav anmelden und wenn wir gehen abmelden. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Vermutlich ist es mir egal.

Mittwoch
Am Mittwoch mag ich nicht aufstehen und merke immer mehr, dass mich das Leben derzeit zermürbt. Ich ziehe mich immer öfter in meine Welt zurück und distanziere mich von dem Wahnsinn um mich herum. Ob die Corona-Seuche allein verantwortlich ist, weiß ich nicht, halte es aber für wahrscheinlich. Meinen Jahresurlaub habe ich bisher nicht eingetragen, weil ich nicht weiß, wann es überhaupt sinnvoll ist Urlaub zu haben. Ich freue mich auch nicht drauf, weil ich nicht glaube, dass wir je wieder ohne Einschränkungen und frei Leben können. Ich frage mich, ob wir wenigstens einige Einschränkungen vor dem Herbst wieder aufheben oder ob wir nicht gleich das ganze Jahr damit leben werden. Und selbst wenn wir damit aufhören, wird es vermutlich nie mehr sein wie vor dem Corona-Irrsinn. Zumindest könnten wir eine neue Zweiklassengesellschaft Gründen. Geimpfte dürfen dann wieder alles, ungeimpfte sind die Geächteten, die Aussässigen, die weniger bis nichts dürfen. Wie in einem miserablen Science-Fiction-Film. Nur halt in echt. Dazu servieren uns die Nachrichten seit einem Jahr überwiegend grausige Nachrichten, wie furchtbar alles ist. Alle müssen verzichten, also theoretisch, praktisch sieht es natürlich anders aus. Auf was verzichten die führenden Politiker eigentlich wirklich? Auf Friseurbesuche scheinbar nicht, wenn man die so sieht. Aber darauf bin ich nicht neidisch, denn zum Friseur mag ich eh nicht wirklich. Ich frage mich allerdings schon gelegentlich, wieso einige Politiker, die immer strengere Regeln fordern und beschließen, von Talkshow zu Talkshow reisen als würde sie all das nichts angehen. Na gut, die leben in ihrer eigenen Welt, die dürfen das. Beeinflusst mein Leben eh nicht, was die den ganzen Tag unternehmen, außer sie beschließen wieder irgendwelche Einschränkungen. Vielleicht sehe ich das auch nur zu negativ, weil ich eh gerade etwas mies drauf bin. Dabei spare ich durch all die Maßnahmen echt Geld. Ich gehe nicht ins Fitnessstudio, gehe nicht zum Essen und fahre außer zur Arbeit nur einmal die Woche einkaufen, weshalb ich auch Benzin spare. Blöd ist allerdings, dass ich stattdessen immer irgendwelchen Kram im Internet bestelle und letztlich doch keinen Cent spare, aber dafür kann niemand etwas. Das ist eigene Dummheit und persönliches Pech. Manchmal komme ich mir wie eine verwelkende Blume, die irgendwo auf einem Tisch in einem Glas mit abgestandenem Wasser steht, vor. Ich glaube, ich verwelke und schrumpfe zusammen bis ich langsam zerfalle. Höchstwahrscheinlich habe ich einen Knall.

Die vier Teilnehmer, die ich aus einer anderen Maßnahme zu betreuen habe, empfinde ich als störend. Einer von ihnen hat vor fünf Jahren den Baggerführerschein gemacht, aber noch nie als Baggerfahrer gearbeitet. Er will aber nichts anderes machen. Einzige Alternative, wenn ihn keiner einstellt, wovon ich ausgehe, ist für ihn, dass man ihm den LKW-Führerschein bezahlt. Gut, der Mann ist 50, da sollte das machbar sein. Absagen bekommt er, weil er keine Erfahrung als Baggerfahrer hat und es fünf Jahre her ist, dass er den Baggerschein gemacht hat. Deshalb will er mit einem Praktikum seinen neuen Job, am liebsten irgendwo in Süddeutschland, beginnen. Ich weiß echt nicht, was ich für ihn tun kann. Vermutlich nichts. Eine andere Teilnehmerin sagt mir, dass sie den Teilnehmervertrag nicht unterschreibt und daher auch nicht an der Maßnahme teilnehmen muss. Sie hat keine Lust mehr, weil sie seit zwei Jahren nur an Maßnahmen teilnimmt, ihr aber niemand hilft einen Job zu finden. Ich verstehe ihr Leid, kann aber nicht helfen, daher versuche ich ihr zu erklären, dass es in dieser Maßnahme darum geht einen Job für sie zu finden und ich ihr helfen werde. Als ob ich das könnte. Aber das ist eine andere Geschichte. Aufgeklärt wurde sie natürlich nicht über die Maßnahme, weshalb sie nichts weiß. Vielleicht lügt sie mich auch an, dass kann man nie ausschließen. Ich sage ihr, sie möge bitte die Kollegen vor Ort anrufen, denn ich bin nur fürs Telefoncoaching und die Jobs zuständig. Zu meiner Freude wiederholt sie noch mehrfach, dass sie nicht an der Maßnahme teilnehmen will und auch nicht teilnehmen wird. Mir bleibt nichts weiter übrig als ihr zu erklären, dass sie das aber muss. Irgendwann sagt sie, dass sie mitmacht und den Anruf tätigen wird. Mir ist das allerdings total egal, denn ich will diese Teilnehmer einer anderen Maßnahme eh nicht. Und doch werde ich sie mindestens bis zum Ende, falls es tatsächlich eins gibt, des Lockdowns betreuen müssen. Vielleicht auch darüber hinaus, denn wenn im Mai hier die Lichter ausgehen, wonach es leider aussieht, werde ich Teil der anderen Maßnahme und das ist etwas, was ich tatsächlich nicht möchte. Gut, in drei Monaten kann viel passieren, aber derzeit spricht alles dafür. Ich glaube, ich bin deprimiert von der derzeitigen Gesamtsituation.

Donnerstag
Der Donnerstag ist gerade ein paar Minuten alt als ich während meines Schlafs durch Lärm gestört werde. Es dauert einen Moment bis ich mich orientiert habe und verstehe, was los ist. Meine Nachbarn, die ein paar Tage weder zuhören noch zu sehen waren, sind zurück. Ob sie sich unterhalten oder ob einer der beiden tatsächlich singt, kann ich nicht erkennen, weil ich zu müde bin. Ich will gerade nach meinen Ohrstöpseln greifen, als die beiden völlig überraschend Ruhe geben und ich wenig später das Bewusstsein verliere.

Im Büro bin ich irgendwie unmotiviert und die Teilnehmer beider Standorte sind es scheinbar ebenso, denn keiner ruft an und zu erreichen sind auch nicht alle. Die junge Frau, mit der ich gestern so lange telefoniert habe hat nicht an dem anderen Standort angerufen und sobald ich anrufe, höre ich die Ansage, dass sie nicht zu erreichen ist. Immerhin muss ich mich so nicht weiter sie kümmern, was mir durchaus Recht ist.
Spontan buche ich in der Mittagspause einen Kurzurlaub in Oberwesel. Ein Ort, von dem ich bis vor zwei Tagen noch nie etwas gehört habe. Am Dienstag meinte Agnes, es wäre ein Ort, wie für mich gemacht und nachdem ich mich kurz im Netz dazu erkundigt hatte, war klar, dass Agnes damit absolut richtig liegt. Und weil auch ich etwas brauche, um in diesen Zeiten nicht völlig zu verblassen, habe ich kurzerhand gebucht. Kostenlose Stornierung bis kurz vorher möglich. Ich glaube, das war eine gute Entscheidung.

Bei all dem Corona Wahnsinn haben die Menschen scheinbar vergessen, dass es auch noch die Grippe gibt, gegen die man sich früher immer impfen lassen sollte. Möglicherweise ist die Grippe auch einfach ausgestorben. Ärgerlich ist das lediglich für die Apotheker, die schon massig Grippeimpfstoff geordert haben und den in Kürze entsorgen müssen. Wenn es so kommt, entsorgen sie somit auch eine Menge Kohle, weil sie den Grippeimpfstoff schließlich bezahlen mussten. Da die Apotheker aber nicht dumm sind, haben sie vor, dafür eine Entschädigung zu beantragen, weil man ihnen wegen der ganzen Diskussionen um Corona-Impfstoffen das Geschäft mit dem Grippe-Impfstoff voll versaut hat. Es ist schon irgendwie tragisch, wenn man den Impftrend irgendwie verpasst hat und sich den falschen Stoff besorgt hat.

Freitag
Der Freitag hat kaum begonnen, da wird mein Schlaf gestört. Wie schon in der letzten Nacht sind es die Nachbarn, die sich viel zu erzählen haben und so dafür sorgen, dass ich wach werde. Ich bin echt froh, dass sie oft nicht zu Hause sind, stopfe die Ohrstöpsel in meine Ohren und schlafe weiter. Wenn doch nur etwas aus mir geworden wäre, dann hätte ich heute ein Haus und keine Nachbarn.

Von den Teilnehmern mit denen ich heute telefonieren müsste, kann ich nur zwei erreichen. So wird nie etwas aus denen. Was aus mir werden soll, weiß ich auch noch immer nicht. Was ich allerdings weiß, dass ich acht Schnitten Brot während der Arbeitszeit zu mir genommen und mich auf dem Weg nach Hause fühle als würde ich verhungern. Was hat das nur zu bedeuten?

Die Corona-Mutationen, so steht es geschrieben, sind gefährlicher als das Virus ohne Mutationen. Und da wir verpasst haben ordentlich gegen all das vorzugehen, wie ich irgendwo lese, hake ich den Februar jetzt schon mal komplett ab. Auch erscheint es mir unrealistisch, dass sich im März viel daran ändern wird. Vermutlich ist das Jahr komplett im Arsch und wir müssen jetzt auf 2022 hoffen. Das ist ja jetzt auch nicht mehr so weit weg. Die paar Monate halten wir auch noch durch und ich bin sicher, wir schaffen das.

Der abendliche Wocheneinkauf mir Petra verläuft zunächst normal. Zumindest bis wir mit unserem einen Einkaufswagen bei Lidl in Bork an der Kasse stehen, denn dort erklärt uns die Kassiererin, dass einer von uns sofort den Laden verlassen muss, weil wir zu zweit nur einen Einkaufswagen genommen haben. Ich gehe und überlasse Petra das bezahlen. Mir geht diese Regelung mit einem Einkaufswagen pro Person auf den Keks, vor allem, weil es in manchen Läden so ist und in anderen nicht. Einige Läden hatten das mal kurz so und dann war es wieder egal. Es sind diese Kleinigkeiten, die mich manchmal so Nerven, dass ich versuche Läden, die es so handhaben, zu meiden. Dieses ganze verfickte durcheinander reicht mir langsam. Aber vermutlich bin ich da zu unzivilisiert, kleinlich und aufmüpfig in dem Punkt. In mir steckt halt immer noch ein kleinliches Arschloch, welches manchmal raus will. Aber das war früher viel schlimmer und ist einer gewissen Altersmilde fast vollständig gewichen. Glaube ich. Also möglicherweise. Ich weiß es nicht.

Als ich nach dem einkaufen auf dem Weg zu meiner Wohnung bin, höre ich, als ich in der zweiten Etage ankomme, meine Nachbarn, wie sie ein emotionales Gespräch führen. Das ist beängstigend, weil wir in der vierten Etage wohnen. Unglaublich, wie emotional manche sein können. Glücklicherweise sind die Emotionen nur von kurzer Dauer und es wird bald wieder ruhiger. Ich beschließe das Wochenende einzuleiten und erkläre die Arbeitswoche für beendet.

Spätestens in drei Wochen folgt die nächste 5-Tage-Arbeitswoche, weil Jens am Montag einen Termin und somit Urlaub hat. Ob ich dafür dann am Freitag zu Hause bleiben darf oder wieder einen Tag Urlaub gutgeschrieben bekomme, weiß ich nicht. Es bleibt jedenfalls spannend und ich freue mich ab sofort auf meinen Urlaub. Ein bisschen Naivität sei mir in diesem Punkt gegönnt.

7 Kommentare

  1. Du kannst ja schonmal den Urlaubssong für Oberweser einüben: https://youtu.be/dtugJaaHJYA
    Siehe auch S. 208 von https://d-nb.info/969716451/34 , falls du mehr am wissenschaftlichen Aspekt von Oberweser interessiert sein solltest.
    Ich bin schon gespannt auf deinen Oberweserurlaubszeiterlebnisbericht.

  2. ok… vielleicht ein andermal? Ich hatte mich schon so gefreut. Als Kind hatte ich immer gemeint, dass Oberweserdampfschiffahrtsgesellschaftsrückfahrkartenermässigungstaxe das längste deutsche Wort ist und hoffte, du könntest das überprüfen 😉

    • Verstehe. Eine Art Mission für mich.
      Schauen wir mal, welche Orte ich in diesem Leben noch bereise.

      • Mit dem Auto bist du in gut zwei Stunden da. Kannst du nicht Oberwesel canceln und stattdessen in Oberweser buchen? Ich finde, Oberweser sieht sehr hübsch aus wie es da an der Weser liegt. Unterkünfte gibt es im angrenzenden Gewissenruh.

  3. Meinetwegen, dann halt v.l.n.r.
    Von Oberwese-l nach Oberwese-r
    Ha!

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