Oberwesel – Tag 4

Fast perfektes Wetter begrüßt mich am Mittwochmorgen. Ich bin zwar skeptisch, aber der Himmel ist fast Wolkenfrei und es scheint noch eine Weile so zu bleiben. Direkt nach dem Frühstück breche ich daher auf. Das Wetter ist wirklich wunderbar und es ist der erste Urlaubstag, der sich wie Urlaub anfühlt und auch so aussieht. Als ich am Kackstuhl ankomme, der 175 Meter über NN legt, habe ich plötzlich wieder Empfang und kann tatsächlich einen Cache suchen und finde ihn auch. Auf dem Rückweg sitze ich auf einer Bank in der Nähe vom Kackstuhl und schaue runter auf den Rhein. Wunderbare Aussicht, der Urlaub hat begonnen. Er wird allerdings kurz dadurch gestört, dass ich erfahre, dass mein Kollege einen Bericht, den ich fürs Jobcenter geschrieben habe, neu schreiben muss, weil der Bricht keinen Sinn ergibt. Der Bericht, dazu die ganzen Verträge, die ich in den letzten zwei Wochen komplett falsch abgeschlossen habe, lassen mich zweifeln, dass ich den Job noch lange in der Form machen will. Ich bin zu schlecht und es fällt nun auch auf. Vielleicht ist es an der Zeit nach einem Job Ausschau zu halten, den ich hinbekomme, ohne ständig Mist zu bauen. Ab einer Inzidenz von 50 haben wir wieder Teilnehmer vor Ort. Derzeit liegt der Wert bei 65. Ich denke, ich kann direkt nach meinem Urlaub an dem anderen Standort eingesetzt werden und mir anhören, wie Scheiße meine Berichte sind. Das wird toll. Bis es soweit ist, genieße ich die Sonne und nutze die Zeit nach meiner Rückkehr, um mir Gedanken über meine berufliche Zukunft zu machen. Obwohl es total schön in der Sonne ist, muss ich irgendwann zurück, weil ich nichts zu trinken dabei habe und auch bald was essen muss.

Nach dem Mittagessen, natürlich wieder Nudeln mit Paprika-Sauce, breche ich zu einem weiteren Spaziergang auf, doch dann ändert sich das Wetter, es wird kühler, der Wind frischt auf und ein paar Regentropfen fallen auf meinen Kopf. Hatte ich auf dem Weg nach oben noch die Jacke ausgezogen und war der Meinung, dass ich eindeutig zu warm angezogen bin, freue ich mich jetzt, dass ich warm angezogen bin. Später stehe ich nutzlos auf einer Brücke herum als eine junge, attraktive Frau vorbei kommt, lächelt und freundlich grüßt. Mehr kann ich wirklich nicht von so einem Tag verlangen.

Auch am Nachmittag scheint nochmal etwas Sonne gibt, aber es ist ungemütlich frisch und einfach irgendwo zu verweilen und in die Gegend zu starren macht so einfach keinen Spaß. Daher wandere ich ziellos umher, doch Freude kommt keine auf. Ich bin so genervt, dass ich mir aus meiner Unterkunft die zweite Jacke hole, denn irgendwie bin ich längst durchgefroren. Das Wetter passt wirklich hervorragend zu dem ganzen Corona-Irrsinn. Eine Kombination zum Wegwerfen. Vielleicht kann ich am Abend wenigstens nochmal ein Bad nehmen. In der Wanne ist sogar genug Platz für zwei. Das könnte romantisch und spritzig werden, wird es aber nicht, weil nur ich in der Badewanne liegen werde.

Später schickt mir der Kollege eine Mail, die er von er Chefin bekommen hat. Mein Bericht ist eine Katastrophe und hat betriebsschädigende Folgen, da ich, obwohl man mir alles erst kürzlich erklärt hat, fast alles falsch gemacht habe. Damit dürfte ich unten durch sein und sollte da eigentlich auch nicht mehr hingehen, weil das Leben dort in Zukunft eh nicht mehr schön sein wird. Ich habe mich nämlich als Vollpfosten geoutet. Immerhin habe ich es fast fünf Jahre verstecken können, dass ich eine Gurke bin. Vom Maßnahmeleiter zur Vollkatastrophe mit nur einem Bericht. Immerhin werde ich nie wieder irgendetwas dort leiten müssen. Ich sollte dringend nach einem anderen Job Ausschau halten. Oder mich zur Ruhe setzen. Wieder einmal bin ich meinen Ansprüchen an mich nicht gerecht geworden. Einmal Versager, immer Versager.

Eigentlich sollte der Urlaub auch dazu dienen, dass ich zwei Wochen nichts mit dem Job zu tun habe. Das kann ich nun vergessen, denn die Mail habe ich nun Mal gelesen und kriege das Thema vermutlich auch nicht mehr aus dem Kopf. Weil die Sonne spontan scheint und der Wind nachgelassen hat, setze ich mich an den Rhein und denke nach. Vielleicht ist das fünfte Jahr das Jahr in dem sich beruflich alles ändert. Und vielleicht auch ganz woanders. Ich beschließe, dass ich am Wochenende drei Bewerbungen schreibe und mal schaue, was dann passiert. Ein aktuelles Zeugnis werde ich zwar nicht bekommen, aber versuchen kann ich es dennoch. Dort wo ich jetzt bin, wird es kaum besser und ich werde leider auch nicht mehr besser. Ich kann zwar Veränderungen nur schwer ertragen, aber diesen Job habe ihn ja auch quasi aus einer Laune heraus bekommen. Zwei Bewerbungen geschrieben, eine Einladung und fertig war der Job. Und mit den Bewerbungen kann ich testen, ob ich überhaupt eine Chance habe oder ob ich mir die Mühe hätte sparen können.

Weil ich meinen Kopf nicht frei bekomme, gehe ich später gedankenversunken über die Stadtmauer, dann wieder am Rhein entlang und lande schließlich in der Badewanne. Morgen geht es ab nach Hause, zurück in die traditionelle Einöde meines Daseins

6 Kommentare

  1. ❤ Genießen Sie trotzdem Ihren Urlaub!

    Von Kollegen ist sowas arschig, wenn man weiß, dass der andere Urlaub hat und Erholung braucht. Da schickt man keine E-Mails.

      • Kann das nachvollziehen. Habe zwei Wochen nun frei. Vorher aber noch unabsichtlich richtig verbrannte Erde hinterlassen und den kollegialen Hinweis erhalten, dass ich mich zukünftig in Acht nehmen soll…^^

          • Kein gutes Gefühl und nicht besonders schlau. Ich weiß nicht, welch episches Ausmaß das annehmen wird. Den Kündigungsgedanken hege ich in letzter Zeit öfter.

            Dankeschön Herr Doktor, ich warte darauf, dass sich der Regen endlich schlank macht. 😒

            Wir sollten nochmal ein Eis essen, vielleicht hilft das. 🍧🍨

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