Die Heilpraktikerin hat Spaß

Der Morgen am Tag des nächsten Termins bei der Heilpraktikerin beginnt schmerzhaft, weil ich in der Nacht die grandiose Idee hat mir irgendwie die Nackenmuskulatur zu verrenken. Meinen Kopf kann ich kaum bewegen, den Knien geht es noch ganz gut, aber die haben heute Nacht auch nicht viel zu tun gehabt.

Wie derzeit üblich benutze ich den Fahrstuhl, um nach unten zu kommen, denn Treppen wollen mein Knie derzeit gar nicht. Der Parkplatz, den ich finde, ist einige Meter vom Büro entfernt und je länger ich gehe, desto unzufriedener werden die Knie. Die Treppen zum Büro steige ich hinauf als hätte ich ernsthafte Knieprobleme. Die nächsten Stunden habe ich sogar Schmerzen wenn ich sitze und ich kann nicht ordentlich gehen, wenn ich mal gehen muss. Gegen Mittag wird es plötzlich besser und ich kann mich fast normal bewegen. Nicht schmerzfrei, aber deutlich besser. Der Weg zurück zum Auto geht anfangs beängstigend gut, dann aber melden die Knie ihre Unzufriedenheit an. Dem Nacken geht es besser, aber wirklich drehen kann ich den Kopf nicht. Der Termin bei der Heilpraktikerin ist wirklich dringend nötig.

Nachdem ich der Heilpraktikerin von meinen Nackenproblemen erzählt habe, beginnt die Behandlung auch heute am Ellenbogen, der im Vergleich zu Montag tatsächlich weniger geschwollen ist. Die Heilpraktikerin tastet ein wenig und beginnt dann die Flüssigkeit nach unten zu schieben. Irgendwann fühlt es sich an als wäre eine Blase unter der Haut. Sie fragt, ob ich das spüre, was ich bestätige. Dann drückt sie ein wenig und es fühlt sich an als würde diese Blase platzen, die Heilpraktikerin fragt, ob ich das gemerkt habe und freut sich. Sie ist ganz begeistert, schiebt noch ein wenig Flüssigkeit und die Beule ist fast ganz weg. Ich frage mich, wieso unsere hochbezahlten und angeblich so gut ausgebildeten Ärzte so etwas nicht tun und einem lediglich anbieten, dass man die Flüssigkeit mit Hilfe eines kleinen chirurgischen Eingriffs beseitigen kann. Scheinbar geht es ja auch anders.

Die Heilpraktikerin fragt, ob ich etwas Zeit habe und weil ich Zeit habe, stecken wenig später drei Akupunkturnadeln in dem nur noch leicht geschwollenen Ellenbogen. Dazu wird eine Wärmelampe über dem Ellenbogen platziert. Als nächstes sind die Knie dran. Auch hier wird getastet, gedrückt und gehalten, während ich das Knie beuge. Es ist offensichtlich, dass die Heilpraktikerin Spaß hat und sich an ihren Erfolgen erfreut. Hat man so etwas schon einmal bei einem Arzt gesehen? Ich glaube eher selten. Wenige Augenblicke später stecken einige Nadeln in den Knien. Ich bekomme auch Nadeln in die linke Hand, weiß aber nicht wirklich, wofür die sind, weil mich die Begeisterung der Heilpraktikerin kurz abgelenkt hat. Nach einer Weile werden die Nadeln entfernt, die Knie nochmal abgetastet und in Form gebracht, dann soll ich kurz gehen und muss gestehen, dass ich fast völlig schmerzfrei bin. Irgendwie faszinierend.

Nun widmet sich die Heilpraktikerin meinem Nacken, tastet, dehnt, biegt und renkt ihn ein. Dann folgt eine ziemlich schmerzhafte Schröpfmassage, die sicher gut für mich ist, aber so heftig ist, dass ich am liebsten weglaufen möchte. Ich bin halt ein Weichei durch und durch. Weil ich immer noch Schmerzen habe bekomme ich ein als nächstes Akupunkturnadeln in den Nacken und muss möglich bewegungslos auf einem Stuhl sitzen. Als die Behandlung vorbei ist, kann ich den Kopf viel besser bewegen und selbst die Treppen, die mich auf den Parkplatz führen, bereiten mir weniger Schmerzen als zuletzt. Ein deutlicher Fortschritt zu meinem Zustand vor der Behandlung.

Am Abend geht es dem Nacken gut und ich kann relativ gut gehen. Zwischenzeitich überlege ich sogar, ob ich vielleicht doch nochmal joggen kann, verwerfe den Gedanken aber wieder, weil ich noch heute Morgen sicher war, nie wieder Sport machen zu können und dringend diverse Ärzte aufsuchen zu müssen.

Die Nacht ist allerdings nicht so gut, denn aus unerklärlichen Gründen kann ich vor lauter Schmerzen irgendwann den Kopf nicht mehr bewegen und an Schlaf ist auch nicht mehr zu denken. Ich reibe den Nacken mit OLBAS-Tropfen ein und lege den Kopf auf mein Akupressurkissen. Ich kann mich zwar noch immer kaum bewegen, aber in der Position wird es langsam besser und die Schmerzen lassen nach. Ich bin echt eine Ruine, aber der Ellenbogen ist nur noch minimal geschwollen und gehen kann ich schon fast wieder wie es sich gehört. Nächsten Montag bin ich nochmal bei der Heilpraktikerin und hoffe, dass ich mich anschließend, zumindest für eine Weile, wieder ganz normal und schmerzfrei bewegen kann.

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: