Andernach – Tag 3

Als ich gegen 08.00 Uhr endlich so weit bin, dass ich aufstehen und das Fenster öffnen kann, ist es dunkel und natürlich regnet es. Ich kann mich nur schlecht bewegen, denn meine Beine tun mir einfach nur weh. Vielleicht waren es gestern ein paar Kilometer zu viel. Allerdings, und das finde ich sehr gut, habe ich keine Knieprobleme. Laut Wettervorhersage erwartet mich heute der Tag mit dem miesesten Wetter, was meine Beine sicher freut, weil sie unter den Umständen weniger wandern müssen.

Irgendwann hört es doch auf zu regnen und ich mache mich auf den Weg. Zum Mittag gönne ich mir eine Pizza von Tonis Steinofen Pizza und eine Cola. Beides nehme ich auf einer Bank zu mir. Dabei sehe ich meine blauen Socken und mag sie nicht, weshalb ich direkt nach dem Essen zu C&A gehe, um mir neue Socken zu kaufen. C&A in Andernach ist aber eher klein und hat keine Socken, die mir zusagen, im Angebot. Der Weg hat sich also nicht gelohnt. Später sitze ich Rhein und lese, danach gönne ich mir ein Eis im Eiscafé Mona Lisa, weil das Eis, welches ich mir dort gestern Abend geholt habe, durchaus lecker war. Allerdings will ich dort zunächst nicht sitzen, weil die Leute, die draußen sitzen mir merkwürdig vorkommen. Aber da ein Platz ganz außen frei ist nehme ich doch Platz und bestelle einen Eisbecher mit dem Namen Mocca Monica. Zwei Tische weiter sitzt ein Mann, der sich mit einer Frau, die noch einen Tisch weiter sitze, unterhält. Er unterhält allerdings nicht nur die Frau, sondern die ganze Straße, weshalb der Besitzer des Eiscafés ihn bittet etwas ruhiger zu sein, weil er so die Gäste fernhält. Das sehe ich auch so. Der Mann wird ruhiger, aber ich kann dem Gespräch dennoch folgen. Die Frau sagt, dass man sich nur küssen soll, wenn man verliebt ist, Er sagt, dass er gerne küsst und besonders Zungenküsse mag. Sie lacht, vermutlich wird ihr schon ganz warm bei dem Gedanken an seine Zunge. Außerdem braucht er eine Freundin, sagt er ihr, und dass er das Lied Mona Lisa fehlerfrei singen kann. Ganz in Weiß ebenfalls. Nun erzählt sie, dass sich die Frau von Thomas Anders damals getrennt hat, weil er immer unterwegs und Nora eifersüchtig war. Hat sie gelesen, darum weiß sie das. Er, so sagt er, kennt die Schlagersängerin Michelle persönlich und die beiden verstehen sich ganz prima. Ich wette, dass sie beeindruckt ist, deshalb erzählt sie ihm nun von ihren beiden alten Matratzen. Die sind voller Tierchen, weshalb es ihr überall juckt. Das nutzt er, um ihr zu beschreiben, wie seine Wohnung aussieht, was er für seinen Fernseher bezahlt hat und dass er als Frührentner monatlich 920 € bekommt. Sie erwidert, dass sie wöchentlich 100 € bekommt. Er trägt eine rote Adidas-Trainingsjacke, sie raucht und hat ihre Schuhe ausgezogen kann, was meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre. Während er versucht ihr zu erklären, wo er mal gewohnt hat, weiß sie lediglich, wo in ihrer Nähe ein Männerfriseur ist. Vielleicht ist sie zu blond, um klug zu sein. Er ist Kaufmann und hat lange im Kiosk gearbeitet. Sie hat einen Führerschein, aber kein Auto, was er super findet. Er erklärt ihr, dass er 1700 Euro gespart hat und bietet ihr indirekt an, ihr ein Auto davon zu kaufen. Ich wirke an meinem Platz sicher leicht gestört, weil ich die ganze Zeit grinse und mich amüsiere. Er zeigt ihr Fotos seiner Familie, dann folgt der Abschlussdialog, bevor ich gehen muss. “Ich habe einen Enkelsohn.” – “Von Deinem Bruder oder Deiner Schwester?” – “Von meiner Tochter.” Schöner kann ein Besuch in einem Eiscafé wirklich nicht enden.

Später kaufe ich mir einen Salat bei Tonis Steinofen Pizza, den ich in der Wohnung verspeise. Guter Salat. Anschließend sitze ich am Rhein und lese. Das Wetter wird immer besser, aber dennoch bin ich bereits um kurz nach 21.00 Uhr zurück in der Wohnung, weil ich erledigt bin. Obwohl ich es nicht erwartet hatte, bin ich heute 13,9 km gewandert. Irgendwie habe ich wohl keine Kontrolle über meinen Wanderkörper.

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