Fäden ziehen und draußen warten

Um 07.45 Uhr einen Termin beim Hautarzt zu haben ist einfach zu früh für mich, doch nicht nur das, obendrein ist es draußen frisch. Und da weiterhin Corona unser Leben mitbestimmt, heißt es zunächst draußen warten, weil es einfach zu gefährlich ist, wenn mehrere Patienten drinnen am Empfang rumlungern. Als ich an der Reihe bin, werde ich gefragt, ob ich einen Nachweis habe, dass ich geimpft oder genesen bin. Ich komme mir vor als würde ich hier sein, um an irgendeiner Freizeitveranstaltung teilnehmen zu wollen. Da braucht man auch fast überall so Nachweise. Ohne Nachweis kein Zutritt. Da ich die Frage verneine, muss ich draußen warten bis ich aufgerufen werde. Ich komme mir so ein bisschen wie ein Asi oder Mensch zweiter Klasse vor, wie ich draußen stehe und friere. Da außer mir niemand draußen warten muss, habe ich es vermutlich nicht anders verdient, ich unsolidarisches Arschloch. Ich sollte vermutlich froh sein, dass ich überhaupt noch behandelt werde. Fragt sich nur, wie lange man in meinem Zustand noch behandelt wird. Ich überlege ernsthaft, den Arzt zu wechseln, fürchte aber, dass es woanders auch nicht besser sein wird.

Als ich nach ein paar Minuten reinkommen und in den Behandlungsraum darf, zieht mir eine junge Frau dort die fünf Fäden. Der Arzt wirft einen Blick auf die Stelle und ist zufrieden. Da mir die Klinik keinen grünen Nachsorgepass mitgegeben hat, wird mir hier gleich einer ausgestellt. Es wird mir ein Pflaster aufgeklebt, ich bekomme einen neuen Termin, da ich alle drei Monate zur Kontrolle muss, und darf draußen warten bis ich den grünen Nachsorgepass ausgehändigt bekomme. Während des ganzen Aufenthalts hatte ich das Gefühl ein Problemmensch zu sein, vergleichbar mit dem Problembär Bruno, den es vor ein paar Jahren gab. Der wurde übrigens erschossen. Ob es bei mir auch soweit kommen wird?

2 Kommentare

  1. Tja, die “Impf-Taliban” kennt eben kein Pardon bei Abweichlern. *scnr*

    Mal ernsthaft, das Ganze nimmt immer befremdlichere Züge an und so mancher sollte sich nicht wundern, wenn diese Spaltungen mit der geforderten und teilweise bereits begonnen Aufkündigung des Solidaritätsgrundsatzes auch für ihn eines Tages zum gewaltigen Bumerang werden, wenn er dann eines Tages in eine für “asozial” erklärte Gruppe fällt.
    Das hatten wir doch alles schon mal in der Geschichte.

    Ich hoffe derzeit weiterhin, dass es nicht zum Abschuss kommen wird, und setze da (noch) ganz auf meine Kollegen aus dem öffentlichen Recht.

    Btw: Es gibt erfreulicherweise noch Arztpraxen, in denen man nicht nach dem Impfstatus gefragt und normal behandelt wird, aber leider ist die Chance bestimmt andersherum höher. Mein Bruder hatte neulich bei einem Arzttermin auch ein ähnlich fragliches Vergnügen wegen seines Status’ als Ungeimpfter.

    • Dabei heißt es doch immer, so eine Geschichte kann sich niemals wiederholen. Ich hatte da schon immer meine Zweifel.

      Aber im Frühjahr hören wir ja auf mit dem Irrsinn. 🤥

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