Nachbarn gehen und kommen

Scheinbar ist die Nachbarin in der Nebenwohnung nie wirklich eingezogen, denn es zieht jemand neues ein. Vermutlich eine Frau, denn eine Frau ist es, die am Samstag unerwartet bei mir schellt, um mir mitzuteilen, dass in der Wohnung viele Möbel zurückgelassen wurden, die sie für ein paar Tage in den Flur stellt, um Platz in der, wie sie sagt, ziemlich verdreckten Wohnung, in die sie am 01.04. einzieht, zu schaffen. Es gibt viel zu putzen. Weil sie von den alten Möbeln genervt ist, weise ich sie darauf hin, dass ihr Keller auch komplett voller altem Kram ist. Sie will die Hausverwaltung darauf hinweisen, dass der Mist abgeholt werden muss und ich bin gespannt, ob das passieren wird. Zurück in der Wohnung stelle ich fest, dass zwischen meinen Zähnen sehr viel Spinat klebt. So hätte ich niemals die Tür öffnen dürfen. Ich bin echt ein Penner. Ob die Frau alleine oder mit ihrem Mann/Freund in die Wohnung zieht, weiß ich nicht, hoffe aber, dass die mich nicht stören und ich auch in Zukunft weiter laut Filme gucken kann. Allerdings habe ich meine Zweifel, dass es so weitergeht. In der Etage unter mir zieht eine Familie aus und ich finde meine neue Nachbarn hätten dort einziehen sollen, dann hätte ich weiter die Ruhe genossen und es könnte zu keinen unangenehmen Zwischenfällen kommen. Ich fürchte, meine Ruhe ist vorbei.

Am Montag erfahre ich, dass in der Etage unter mir ein Palästinenser einziehen wird. Um die 60 Jahre. Das klingt fürs Erste ganz akzeptabel. Bei der Gelegenheit erfahre ich von der früheren Hausmeisterin außerdem, dass neben mir eine 70 jährige einziehen soll, deren Tochter ich am Samstag meine grünen Spinatzähne präsentiert habe. Eine 70 jährige, die auch noch Wert auf Sauberkeit legt, wie ich obendrein erfahre, klingt möglicherweise gut und lässt hoffen, dass der Lärm aus der Nachbarwohnung der Vergangenheit angehört.
Gegen Abend wird es laut im Hausflur. Eine Horde Menschen schleppt Möbel in die Nachbarwohnung. Der Lärm, den sie dabei verursachen erinnert stark an alle Vormieter und bereitet mir Sorge. Gegen 21.30 Uhr sind die meisten der Helfer verschwunden und in der Nachbarwohnung befinden sich fast nur noch Frauen und mindestens ein Kleinkind. Der Lärm ist beträchtlich und es fällt mir schwer mich auf mein Buch zu konzentrieren. Die Wände sind zu dünn, die Nachbarn zu laut. Ich hoffe, dass die alte Dame nicht so oft Besuch bekommt, denn sonst werden es laute und schlimme Zeiten für mich.

Am Dienstag und auch am Mittwoch ist der Lärm, den die neuen Nachbarn erzeugen außergewöhnlich. Sie brüllen durchs ganze Haus, schleppen bis etwa 22.00 Uhr lautstark Möbel und bieten vermutlich einen Vorgeschmack auf das, was mich in nächster Zeit erwartet. Sind Leute in der Wohnung nebenan, unterhalten sie sich so, dass ich alles hören kann und beim Fernsehen gestört werde. Selbst im Badezimmer kann ich die Stimmen vernehmen. Das liegt natürlich auch daran, dass es scheinbar keine Isolierungen zwischen den Wohnungen gibt, aber noch mehr daran, dass die Gespräche nicht unbedingt in normaler Lautstärke geführt werden. Ein Enkelkind lärmt kräftig mit. Das alles deprimiert mich jetzt schon, dabei wohnt die Frau erst ab Freitag in der Wohnung. Weil ich weiß, dass die auch alles hören können, bereitet es mir keine Freude mehr gelegentlich lautstark zu furzen. Ich fühle mich eingeschränkt und unter Beobachtung. Am Abend suche ich nach schallisolierten Schiebetüren. Da zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer zwei Eingänge sind, müsste ich zwei dieser Türen anschaffen. Somit hätte ich, zumindest theoretisch, wenigstens im Wohnzimmer Ruhe und die Nachbarn würden mich dann auch weniger hören. Nur wenn ich im Schlafzimmer bin, welches ans Wohnzimmer der Nachbarin grenzt, wäre ich ungeschützt dem Lärm ausgesetzt. Passende Türen finden sich schnell, doch da ich zwei linke Hände habe, kann ich die nicht einfach so bestellen, sondern bräuchte auch einen Fachbetrieb, um die Türen ordnungsgemäß einbauen zu lassen. In der Nähe finde ich keinen solchen Betrieb, was mich durchaus verzweifeln lässt. Am Wochenende muss ich intensiv suchen, denn ohne solche Türen werde ich sicher eingehen wie ein Pflanze, der man kein Wasser gibt. Das möchte ich nicht.

In die Wohnung gegenüber zieht der Freund, vielleicht auch Ex-Freund, der Frau, die von dort runter in die zweite Etage gezogen ist, ein. Er ist, was er sicher bestreiten wird, Alkoholiker, denn Alkoholiker erkenne ich leider meist recht schnell. Er mag nicht nur Alkohol, sondern raucht auch liebend gerne, weshalb es in seiner Wohnung übelst nach Zigarettenqualm stinkt. Wenn er die Wohnungstür öffnet, stinkt der Hausflur innerhalb von Sekunden bestialisch. Daher bin ich froh, dass er nicht direkt neben mir wohnt, obwohl er ein eher ruhiger Mieter ist. Wieder einmal bin ich enttäuscht von mir, weil ich in so einem Haus eine Wohnung habe und nicht in der Lage bin mir woanders eine meinen Ansprüchen entsprechende Wohnung kaufen zu können. Da der Gedanke irgendwo zur Miete zu wohnen mich noch mehr anwidert als in dieser Wohnung langsam verrückt zu werden, kann ich an den Umständen nichts ändern, was ich sehr bedauere. Kurz überlege ich, ob ich mich bemitleiden soll, finde dann aber, dass ich mein Mitleid nicht verdient habe, weil ich mich selbst dazu entschieden habe hier zu wohnen und nichts aus meinem Leben zu machen.

Als ich am Donnerstag um 22.30 Uhr nach Hause komme, stehen drei Paar Schuhe vor der Wohnungstür der Nachbarin. Ein Paar davon gehört definitiv einem Kind. Da es zunächst ruhig ist, denke ich, dass das Kind dort übernachtet und alle ordnungsgemäß schlafen. Als ich mich im Bad aufhalte, um mich für die Nacht vorzubereiten, erkenne ich, dass ich mich geirrt habe, denn das Kind hat irgendwas zu schimpfen oder zu erzählen. Großartige Aussichten. Eine Weile hört man noch Gespräche aus der Wohnung, dann verlässt irgendwer die Wohnung und macht im Flur nur wenig Lärm bevor es still ist. Ich glaube spontan, dass es sinnvoll wäre, wenn ich zunächst einen Weg finden würde, um die Wand ein wenig zu dämmen, denn sonst werde ich bis zum Tod der Nachbarin leiden. Das möchte ich nicht. Erst wenn die Wand gedämmt ist, sollte ich mich um Schiebetüren kümmern. Leider habe ich keine Ahnung an wen ich mich wenden kann, um die Wand zumindest ein wenig Lärmresistenter zu machen. Ich brauche Hilfe, sonst sterbe ich noch vor der Nachbarin. Auch das möchte ich derzeit noch nicht.

14 Kommentare

  1. Ogott. Grausam. Vielleicht solltest du dir sowas wie eine schallisolierte Box ins Wohnzimmer stellen, am besten in Form eines Floating Tanks: “Floating ist ein Verfahren, bei dem Personen mit Hilfe von konzentriertem Salzwasser in einer speziellen Floating-Anlage (Isolationstank, Floating-Tank oder Floating-Becken) abgeschottet von Außenreizen quasi schwerelos an der Wasseroberfläche treiben.” Allerdings müsstest du dann wohl den Boden verstärken, ich stelle mir vor, dass so ein wassergefülltes Möbel nicht ganz leicht ist.

    • Das klingt gut, aber ich fürchte so ein Tank passt gar nicht hier rein. Die Idee gefällt mit dennoch. Vielleicht sollte ich den Rest meines Lebens in so einem Tank verbringen.

  2. Ich kann das alles gut nachvollziehen. Ich habe hier im Altbau nebenan Nachbarn mit Kleinkind und durch den Dauerlärm entsprechend Blutdruck, da so etwas wie Isolierung gegen Lärm nicht vorhanden ist. Klar könnte ich die Wand dämmen, aber das kann mehrere hundert Euro kosten, wenn man das nicht selber handwerklich wuppen kann. Zudem gibt es keine Garantie, dass es danach völlig still ist. Falls es dich dennoch interessiert, gibt es hier weiterführende Informationen:
    https://www.schaumstofflager.de/cms/nachbar-is-zu-laut.html
    https://www.schaumstofflager.de/schalldaemmung/waende-zum-nachbarn-daemmen/

    • Die Seite habe ich mir in den letzten Tagen schon öfter angeschaut. Zu einem Ergebnis bin ich allerdings noch nicht gekommen. Habe aber eine Lösung, die ich favorisiere. Ob ich das auch bezahlen und realisieren will, weiß ich nicht.

      • Hier sehe ich eher das Thema Brandschutz. Da steht im Privatbereich kein Problem. Eine Wohnung sehe ich nicht als Privatbereich. Deckt das einfach so die gängige Versicherung ab?

        Ist das immer nur eigene Sache oder kann man da den Vermieter nicht miteinbeziehen? Sorry für die Frage, ich habe noch nie auf Miete mit fremden Menschen im Haus gewohnt.

        Mein Lärm ist eher der natürlichen landwirtschaftlichen Art. So viel dämmen, wie ich da müsste, könnte ich gar nicht.

        • Ich weiß das nicht. So viele ungeklärte Fragen. Dabei will ich doch nur Ruhe. 🤔

          Keine Miete. Keine fremden Menschen. Das klingt wie ein Traum.

          • Die Fragen mir erst nach der Internetseite….

            Das klingt definitiv stiller. Der Vorteil von Wohneigentum im ländlichen Bereich mit ausreichend Platz zu Nachbarn. Trotz allem eher kostenintensiv. Mitbewohner sind vorhanden, da macht man genug Kompromisse.

            In den letzten Jahren war es überwiegend Baulärm, neu Straße, diverse neue Häuser. Ständiges Baggern. Wenn man im HO oder wegen Kurzarbeit zuhause hängt, nervt das ungemein. Die spielenden Nachbarskinder sind Gold dagegen. Ansonsten wird man nachts von Kühen, Katzen, Waschbären und dergleichen oder vom Wetter wachgehalten. Selten Partys etc.

          • Ob ich nachts Kühe, Waschbären und Katzen gegen Nachbarn und meine Freunde vom Café Bistro tauschen würde? Sofort! 😄😅

  3. Es hat alles Vor- und Nachteile. 😎 Testen Sie das Landleben hier in ihrem nächsten Urlaub. Ich bin gespannt, ob Sie das überzeugen kann. 🤭🙃

  4. Als St. Pauli Bewohner, dessen Viertel vom „Vergessenen“ zum Angesagten wurde, gebe ich den folgenden Tip: Meeresrauschen. Bluetooth Lautsprecher an die Wand und den bevorzugten Naturhintergrund wählen. Das Gehör blendet das dann aus. Verfeinerungen bei zu viel Lärm sind: HipHopper hassen Klassik, sind dann aber überfordert, sich zu beschweren. Es wird leiser. Der Schlagergegner ist DrumBass. Danach reicht wieder Meeresrauschen. Bei Ikea gibt es inzwischen auch Bildlautsprecher.

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