Die Rückkehr der Kurzhaarfrisur

Ich habe es wirklich versucht. Ich habe mein Haar wachsen lassen bis zur
Unkenntlichkeit. Jenseits jeglicher Frisuren wuchs das Haar in alle erdenklich
Richtungen, zeigte selten eine erkennbare Struktur und ließ sich nicht einmal
mit viel Wachs bändigen. Albern drehten sich die Haare ein, um darauf
hinzuweisen, dass sie nicht geeignet sind, um lang getragen zu werden. In der
Hoffnung, dass ab einer gewissen Länge irgendeine Art von Frisur möglich ist,
hielt ich tapfer durch. Doch dann hatte diese Lockenpracht mich besiegt. Und
nun sitze ich ratlos und geschlagen beim Friseur und klage der Friseurin mein
Leid. Was sie denn nun tun soll, fragt sie mich. „Machen Sie irgendwas, was
nicht mehr so furchtbar aussieht. Bitte nur nicht zu kurz.“ Sie schlägt dies
vor, sie schlägt das vor. Ich sage ihr, sie soll einfach machen und mich von
dem gelockten Elend erlösen. Und dann geht es los. Es ist eine Ewigkeit her, dass
so viele Haare fallen mussten und während dies geschieht, frage ich mich noch
immer, ob das alles so richtig ist. Die meiste Zeit schaue ich zu Boden, weil
ich in einem Friseurstuhl irgendwie noch blöder aussehe als sonst. Und sonst
gucke ich ja auch nicht unbedingt gerne in einen Spiegel.
Wenige Augenblicke später ist es vollbracht. Es befinden sich mehr Haare
auf dem Boden als auf meinem Kopf und ich weiß nicht, was ich von meiner neuen
Frisur, die eigentlich gar keine Frisur ist, halten soll. Ich nehme es am
besten einfach so hin und lasse die Haare ab sofort wieder wachsen bis ich es
nicht mehr ertrage. Ein guter Plan. So verlasse ich den Friseursalon und werde
demnächst weniger Haarwachs brauchen und auch weniger Windanfällig sein.
Möglicherweise habe ich ja doch alles richtig gemacht.

3 Gedanken zu „Die Rückkehr der Kurzhaarfrisur“

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