Die ersten zehn Tage im Januar 2019

Die ersten Tage zeigen eine klare Tendenz, was meinen Tagesablauf angeht. Arbeiten, essen, spielen, Serien oder Filme gucken, Bett. Ab und zu passt noch ein Spaziergang dazwischen. Wenn ich in die Spielewelt abtauche, dann mache ich es so als hätte ich noch unendlich viel Zeit, also Lebenszeit, was natürlich Quatsch ist. Beim Spielen bin ich alterslos und selbst wenn ich nicht spiele, überlege ich, was ich tun muss, wenn ich wieder spiele, überlege die nächsten Züge und was ich noch erforschen muss, um erfolgreich zu sein. Ich sehe Spielzüge vor mir und frage mich, welcher Soldat ein Upgrade braucht. Ich frage mich allerdings auch, was sein wird, wenn ich das Spiel irgendwann tatsächlich durchgespielt haben werde. Den Nachfolger gibt es für meine alte PlayStation nicht und auch die wenigen anderen Spiele, die mir gefallen könnten, sind für mein altes Gerät nicht zu haben. Aber eine neue PlayStation zu kaufen, wenn die alte noch funktioniert, erscheint mir vollkommen dämlich. Man hat echt viel zu tun und zu denken, wenn man in der virtuellen Welt Fuß fassen will. Und so scheint es, dass die klassische Realität etwas ist an dem ich derzeit nur sekundär teilnehme. Ähnlich ist es, wenn ich mir Serien und Filme anschaue. Ich lebe vollkommen in meiner Welt, vergesse fast alles um mich herum. Freunde, Bekannte, essen und trinken. Alles erscheint zu aufwendig und real, um dafür aus der Spiele- und Serienweltwelt aufzutauchen. Da gerät selbst der Vorsatz, meiner Prostata Gutes zu tun, völlig in den Hintergrund. Ich fühle mich wohl in dieser Parallelwelt und weiß gerade nicht, ob ich die reale Realität überhaupt nochmal betreten mag. Und noch etwas spricht gerade sehr für die virtuelle Welt, denn ich bin derzeit ziemlich entspannt und schlafe besser als üblich. Selbst mein Darm nimmt sich eine Auszeit nach der anderen und ich frage mich, was er wohl im Schilde führt, denn normal kann das nicht sein. Abgesehen vom Beginn des ersten Tages des Jahres kann ich mich nicht über die ersten Tage beklagen, denn auch während der Arbeitszeit läuft es ganz fluffig. Kaum noch Teilnehmer, von den verbliebenen zehn Teilnehmern fehlen einige dauerhaft, so dass der Kontakt zu Teilnehmern sehr begrenzt ist. Die letzten Wochen läuft es einfach so aus, wenn sich nichts ändert. Und weil danach die schöne Zeit vorbei ist, sehe ich es derzeit einfach ein bisschen entspannter als üblich, da ich sowieso nichts ändern kann. Alles scheint im Fluss und ein fast schon vergessen Entspanntheit hat, wenn auch nur vorübergehend, von mit Besitz ergriffen.

Am achten Tag des Jahres kann ich scheinbar grundlos nicht einschlafen. Ich bin unentspannt, mir ist total warm und irgendwann denke ich ohne erkennbaren Grund an Sex. In der Vorstellung bin ich sehr ausdauernd und ich mag die Vorstellung auch wenn sie wenig mit der Realität zu tun hat. Ein langer, ausgedehnter Bums. Ja, das wäre was. Netter Gedanke, hilft aber nicht beim Einschlafen. Also stehe ich auf und öffne die Balkontür. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis es endlich kühler wird. Sind jetzt die entspannten Tage vorbei? Ich hoffe nicht. Zurück im Bett stelle ich fest, dass ich noch immer nicht schlafen kann. Der Kopf präsentiert ein Gedankenwirrwarr und ich schalte erneut das Licht an, weil ich die Dunkelheit als störend empfinde. Es dauert noch viele Minuten und noch mehr umherspringende Gedanken bis ich endlich einschlafe.

Die folgende Nacht ist nicht so wirklich entspannend, kein Vergleich zu den letzten Nächten und am nächsten Morgen sind sie wieder da, die traditionellen Magen- und Darmprobleme. So unentspannt wie der Magen- und Darmbereich bin ich auch. Grausam, besonders nach den so entspannten Tagen zuletzt. Wie schön es doch sein kann, wenn alles mal kurz im Fluss zu sein scheint. Davon entferne ich mich gerade und allein das Wissen, wie schön unbeschwert es sein kann und dass es nun erstmal vorbei damit ist, macht diesen Zustand jetzt nur noch unsympathischer. Schade, dass es diese wirklich entspannten Phasen nur in kleinen Dosen für mich gibt und das Leben mich zumeist einfach nervt oder quält. Oder bin ich es, der mich quält? Mein Körper?

So bleibt nach zehn Tagen die stets wiederkehrende Frage, ob ich unentspannt bin, weil ich Magen- und Darmprobleme habe, oder ob ich Magen- und Darmprobleme habe, weil ich unentspannt bin. Erwähnte ich schon, dass letztlich wohl doch alles einfach nur Scheiße ist? Oder bin ich Scheiße? Oder all die Gedanken? Wie dem auch sei, es war schön ein paar herrlich entspannte Tage zu haben. Das Jahr hat begonnen, ich bin dabei und die alte Ordnung ist längst wieder hergestellt.

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