Einkaufen in Zeiten des Coronavirus

Durchaus gespenstisch, aber nicht so gruselig wie erwartet verläuft der auf den Freitag vorgezogene Wocheneinkauf. Es beginnt bei Lidl und ich bin direkt überrascht, dass es weder voll ist, noch irgendwie unentspannt abläuft. Die Leute wirken ruhig, aber verhalten sich nicht traurig. Es wird nicht gedrängelt und auch nicht gequengelt. Niemand stopft die Einkaufswagen voll und es gibt keinen irren Ansturm auf das frisch eingetroffene Toilettenpapier. Wer braucht, der nimmt sich ein Paket und gut ist es. Überrascht bin ich, aber auch ein wenig beeindruckt, denn außer der Tatsache, dass einige Regale nicht mehr ganz voll sind und sicher auch das eine oder andere ausverkauft ist, ist das Einkaufen hier schon fast entspannt. Zufall? Oder leben in diesem Ort zum Verlieben auch Menschen zum Verlieben? Zeit dies in einem andren Geschäft zu überprüfen. Also geht es ab in den Drogerie Markt. Dort fällt direkt am Eingang ein Schild auf, das darauf hinweist, dass jeder Kunde nur ein Paket Toilettenpapier bekommt. Direkt daneben ist ein ziemlich leeres Regal mit einem Hinweisschild, dass die Desinfektionsmittel vorübergehend ausverkauft sind. Vorbildlich. Wirklich vorbildlich. Es ist mittelmäßig voll und auch hier läuft alles sehr ruhig und gesittet ab. Meine Hoffnung, dass ich mich hier mit Hafermilch eindecken kann, war allerdings unbegründet. Immerhin eine Packung hat man mir gelassen. Einige Mitarbeiterinnen sind damit beschäftigt neue Ware einzusortieren. Obwohl sie sicherlich gestresst, womöglich auch genervt sind von der Situation, machen sie einen ruhigen Eindruck. Kein Hauch von Hektik, egal wohin man schaut. Lediglich eine Frau hat das mit dem Klopapier wohl nicht verstanden und schleppt drei Packungen mit sich rum. Sie ist alt und wirkt grummelig ernst und macht mir, wie sie an mir vorbei stapft, schon ein wenig Angst. Ich möchte nicht derjenige sein, der ihr klarmachen muss, dass drei Packungen zwei Packungen zu viel sind. An der Kasse lassen die Leute genügend Abstand zu anderen Leuten, obwohl keine Linien auf den Boden gemalt sind. Auch das ist vorbildlich. Ich bezahle meine vier Teile und starte einen letzten Versuch bei Rewe. Auch hier ist es nicht so voll wie befürchtet und die Menschen verhalten sich ebenfalls ordnungsgemäß. Natürlich sind viele Sachen ausverkauft, aber das führt nicht zu Aufregung oder unschönen Jagdszenen. Die Leute wirken entspannter als Leute denen ich sonst bei meinen Samstagseinkäufen begegne. Sind Leute, die freitags einkaufen vielleicht grundsätzlich entspannter als jene, die samstags einkaufen? Glaube ich eigentlich nicht, doch um das herauszufinden müsste ich morgen nochmal einkaufen gehen. Das möchte ich nicht. An der Kasse scheint es lange Warteschlangen zu geben, doch dem ist nicht so. Die Leute halten nur viel Abstand, möglicherweise weil es Markierungen auf dem Boden gibt.

Ich hätte nicht erwartet, dass der Einkauf so ruhig und entspannt ablaufen konnte. Es wäre wirklich schön, wenn es nach der Krise so weitergehen würde. Habe ich die Leute dieses Ortes unterschätzt oder spielt es sich an vielen Orten so oder ähnlich ab? Da könnte man fast glauben, dass es doch noch Hoffnung für die Menschen gibt. Unwahrscheinlich zwar, aber schön wäre es trotzdem.

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