Die Nachbarn haben Spaß und mir fehlt Schlaf

Es ist etwa 21.50 Uhr, ich liege im Bett und möchte lesen, da macht der Nachbar Musik an und beginnt zu singen. Eventuell jault er auch. Nennen wir es Jaulgesang. Vielleicht ist es auch nur für meine Ohren so grausam, aber ich möchte das einfach nicht hören, wenn ich friedlich in meinem Bett liege und lesen will. Der junge Mann singt nicht durchgehend, aber immer wieder jault er los, manchmal gar besonders laut. Gelegentlich spricht er auch, weshalb ich vermute, dass möglicherweise beide Brüder zu Hause sind. Ich kann es mir nicht erklären, aber irgendwie halte ich die beiden für ziemlich merkwüdig. Und die Musik geht mir auch auf die Nerven. Bei so einem Gejaule kann ich jedenfalls nicht lesen und hoffe, dass sie spätestens um 22:30 Uhr mit dem Blödsinn aufhören. Ob sie betrunken sind, Drogen genommen haben oder wirklich so merkwürdig sind, kann ich nicht sagen. Da sie zwar nach einer Weile tatsächlich ein wenig leiser werden, aber auch um 22.45 Uhr noch fröhlich sind, stopfe ich mir Ohrstöpsel in die Ohren und schlafe tatsächlich ein. Dennoch fürchte ich mich vor dem Sommer, wenn bei offenen Fenstern losgejault gesungen wird.

Am nächsten Tag sind Ohrenstöpsel keine große Hilfe. Es ist gegen 22.40 Uhr, ich bin fast eingeschlafen, als Gesang mich weckt. Ich drehe mich auf die Seite, drücke das Kissen aufs oben liegende Ohr und schlafe wieder ein, weil ich total kaputt bin. Doch gegen 23.15 Uhr hilft nichts mehr. In der Nachbarwohnung befinden sich offensichtlich nicht nur die beiden Nachbarn und es wird palavert, gesungen, gelacht, geklatscht und der Lärmpegel erreicht ein neues Niveau. Die Stimmung ist ausgelassen und das respektlose Volk voll in seinem Element. Es wird gegrölt und möglicherweise sind die Leute besoffen oder anderweitig dicht. Irres Gekicher unterstreicht den Spaß, den das lustige Volk hat. Gegen 23.30 Uhr schreibe ich eine Mail an die Hausverwaltung mit der Bitte, die Leute darauf hinzuweisen, dass in der Woche manche Leute leider schlafen müssen und der Lärm wenig hilfreich ist. Ich schicke sie allerdings nicht ab, weil meine Wortwahl möglicherweise aus einer Emotion heraus nicht überzeugend ist. Für mich erstaunlich ist, dass die ehemalige Hausmeisterin nicht gegen die Wand klopft, so wie sie es am letzten Wochenende gemacht hat, als die Nachbarn musiziert haben. Da war es erst 21.30 Uhr. Somit war das klopfen eher unangebracht, weil eindeutig zu früh. Gegen 23.55 Uhr steigern die verrückten Partytiger den Lärmpegel noch einmal, werfen Gegenstände um, klatschen in die Hände und ich frage mich, wieso wir so etwas ertragen müssen und ob es sinnvoll wäre die Polizei zu rufen. Bei meinem Glück kommt die Polizei in 45 Minuten und in 42 Minuten ist plötzlich Ruhe. Außerdem würde die Polizei nicht ins Haus kommen, denn die Nachbarn haben keine Klingel. Und wenn rauskommt, dass ich die Polizei gerufen habe, dann würde ich sicher gefickt, weil Nachbarn von dem Nachbarn ja gefickt werden, wenn der sauer ist. Das möchte ich nicht. So ertragen wir wie dumme Schafe den nächtlichen Lärm und geben uns geschlagen. Dreistigkeit setzt sich durch, denn Dreistigkeit hat weder Skrupel noch Respekt vor irgendwas. Und so lange die pünktlich die Miete zahlen, müssen Sie vermutlich nichts befürchten. Wie konnte ich Spinner hier nur einziehen? So viel Blödheit musste früher oder später einfach bestraft werden.

Kurz nach Mitternacht verlassen ein paar der unverschämten und lärmenden Kreaturen die Wohnung, brüllen im Hausflur rum und poltern die Treppen herunter. Hätte ich tatsächlich die Polizei gerufen, wären sie zu spät gekommen und ich hätte mich blamiert. Weil ich eh auf bin, schaue ich, wie ein beschränkter Vollidiot, durch den Türspion und sehe, wie ein Mann die Wohnung verlässt und durchs Treppenhaus läuft. Einige der Krawallmacher scheinen bereits vor dem Aufzug zu warten und schreien vergnügt und in ihrer völligen Beschränktheit rum. So sollte jeder im Haus etwas davon haben. Der Hauptmieter der Nebenwohnung verlässt auch die Wohnung und geht mit seinen Schläppchen die Treppen runter. Dabei erzeugt er mit seinen Schläppchen genug Lärm, um aufzufallen und alle zu nerven. Dann ist es plötzlich fast schon beängstigend still.

Der zurückgebliebene Nachbar räumt noch ein wenig auf, mal poltert es an der einen Stelle, dann an der anderen, aber die Ohrstöpsel halten den meisten Lärm ab und irgendwann komme ich soweit runter, dass ich einschlafe. Doch dann, quasi aus dem Nichts, brüllt oder singt der zurückgebliebene Nachbar nochmal los. Es ist kurz nach 01.00 Uhr und ich bin wieder wach. Möglicherweise hat das Verhalten System, sinniere ich völlig übermüdet vor mich hin. Vielleicht wollen die alle anderen Nachbarn zermürben, um das komplette Haus zu übernehmen. Wenn das so ist, dann sollten Sie nicht erfahren, dass die Wohnung unter mir frei ist, denn wenn sich solche Feierbiester ausbreiten, muss man früher oder später ausziehen, weil man sonst zermürbt wird. Doch wo soll ich hin ohne Ersparnisse und ohne Plan?

Als der Wecker mich gegen 05.47 Uhr weckt bin ich völlig gerädert. Viele solcher Nächte halte ich nicht durch ohne auszurasten und irgendwas Dummes zu tun. Und dann bin ich plötzlich das Problem und muss entsorgt werden. Das möchte ich nicht

4 Kommentare

  1. Ich wüsste glaubs bald nicht mehr, wohin mit meinen Aggressionen, wenn ich sowas wie diese total bekloppten und rücksichtslosen Nachbarn aushalten müsste. Der Brief an die Hausverwaltung ist jedenfalls fällig. Oder der polnische Schlägertrupp.

  2. Wieso? hat ihn der Nachbar geschrieben? (Vorzugsweise nachts, dann ist er beschäftigt und macht keinen Krach)

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