August 2005

Plötzlich Matratzenverkäufer
Die ersten Tage werde ich in einer Filiale in Lünen von einer langjährigen Verkäuferin eingearbeitet. Sie kann nicht verstehen, dass ich eingestellt wurde, da ich in meinem Leben noch nie ein Verkäufer war und vermutlich auch nicht wie einer wirke. Mich verwirren die Matratzen und der anderen Kram, den ich zukünftig verkaufen soll fast noch mehr als Kunden, denn Kunden stören den Tagesablauf recht häufig. Ratlos und durchaus deplatziert stehe ich während der Verkaufsgespräche neben der Fachkraft oder den Kunden, laufe wie ein verwirrter Hund hinter allen hinterher und glaube nicht, dass ich das je alleine machen kann. Ich habe keine Ahnung und auch kein Selbstbewusstsein, wie soll so einer etwas verkaufen? Auf was habe ich mich da nur eingelassen? Natürlich soll ich nicht nur beraten und verkaufen, sondern auch kassieren, umtauschen und Rabatte gewähren. Beraten konnte ich schon als Finanzkasper nicht. Lustig wird auch sein, dass ich schon bald alleine in der Filiale in Datteln sein werde. Da habe ich zwar auch eine erfahrene Kollegin, die mich kurz anlernen wird, doch danach arbeite ich alleine, denn wir sind alle nur Teilzeitkräfte und in der Regel ist jeder an drei Tagen in der Woche alleine für den Laden zuständig. Schon jetzt fühle ich mich natürlich maßlos überfordert und frage mich, wie ich das sieben Monate, bis dahin ist der Vertrag befristet, überleben soll. Ich bin keine Verkäufer, eher eine Witzfigur von der ich ganz sicher nichts kaufen würde. Das Leben kann echt verwirrend sein. Dummerweise möchte meine Kollegin, dass ich auch spontan ein Verkaufsgespräch mit echten Kunden führe und sie dabei zusieht. Genau mein Ding. Kunden und unter Beobachtung eine Fachfrau. Dementsprechend holprig verläuft das echte Verkaufsgespräch mit echten Kunden. So werde ich ganz sicher nicht Verkäufer des Monats, eher die Witzfigur des Jahres.

Die Kollegin in Datteln ist vermutlich um die 20 Jahre älter als ich, aber durchaus nett und es scheint als könnte man gut mit ihr auskommen. Sie ist sehr geduldig und beantwortet meine vielen Fragen ordnungsgemäß, auch wenn ich manche Fragen mehrfach stelle. Am Ende eines Arbeitstages muss ich die Einnahmen zählen, alles ordnungsgemäß protokollieren und anschließend das Geld zur Bank bringen. Ganz schön viel Verantwortung für einen Arbeitslosen. Den Chef meines direkten Chefs lerne ich auch kennen und mag ihn nicht. Sieht aus wie ein alter Schwätzer, der glaubt, er wäre klüger als ich. Wahrscheinlich ist er auch klüger als ich, aber mir ist er einfach unsympathisch. Kaum bin ich angelernt, bin ich auch schon alleine im Laden und für alles verantwortlich. Wie kann man mir denn so eine Aufgabe anvertrauen? Die müssen echt verrückt sein. Es gibt Stunden, da lässt sich kein einziger Kunde sehen und die Zeit nutze ich, um den Verkaufsraum umzugestalten. Das kann man alles ordentlicher machen, finde ich und deshalb mache ich das einfach. Außerdem teste ich alle Matratzen, oft fällt mir absolut kein Unterschied zwischen verschieden Matratzen und verschiedenen Härtegraden auf, aber ich muss das ja testen, damit ich was sagen kann, wenn Kunden Fragen stellen. Ich glänze zwar nicht unbedingt mit Fachwissen, aber dafür mit einem Humor, den leider auch nicht alle verstehen. Am Ende des Monats scheint es so als könnte es klappen mit mir und den Matratzen und eventuell auch mit den Kunden. Wir werden sehen.

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