Juni 2000

Bert wird Single und ich lasse Raketen steigen
Auch im Juni nach dem Ende der Maßnahme gehen wir an den Wochenenden zusammen aus. Gelegentlich schließen sich Manni und auch mal der Loerz und an. Wir sind recht aktiv und auch Petra ist fast immer dabei. Bei einem unserer Ausflüge möchte die Gruppe ins Bierhaus Stade. Ich möchte das nicht und will nach Hause. Petra will auch nicht ins Bierhaus Stade und Bert schlägt vor, dass Petra und ich einfach zusammen was trinken und warten bis die Gruppe wieder zurückkommt. Wir sind einverstanden, gehen ins Alex und haben einen schönen Abend. Als Bert wieder zurückkommt, sind wir beide alles andere als begeistert. Während Petra und ich uns beinah zufällig mit den Beinen unter dem Tisch berühren, redet er irgendwas was uns nicht interessiert. Ich muss den Schein wahren, doch längst ist beschlossen, dass er über ist. Es ist billig ihn dafür verantwortlich zu machen, zu denken er hat selber schuld, aber so einfach ist es doch nicht. Andererseits hat er mir ja Petra mitgebracht. Wäre er ein Freund, dann wäre Petra tabu, aber zu dem kleinen Kreis meiner Freunde zähle ich ihn nicht und die Situation hier wird langsam zu einem Problem. So viel steht längst fest. Dummerweise bemerkt er rasch unsere Enttäuschung über seine Rückkehr und auch, dass er eigentlich stört. So kommt es, dass ich ihm erklären muss, dass er sich das nur einbildet. Vermutlich wissen wir alle, dass ich lüge. Die Situation gerät mehr und mehr außer Kontrolle. Es ist offensichtlich, dass ich seine Freundin für mich haben will und das ist gar nicht gut.

Ein paar Tage nach dem denkwürdigen Abend wollen Petra und ich uns treffen, weil wir beide sicher sind, dass da zwischen uns mehr ist. Und so treffen wir uns am 14.06., einem sonnigen Nachmittag, in Waltrop. Wir gehen in einen Park und setzen uns auf eine Bank. Ich bin durchaus nervös und weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Wie immer druckse ich rum, rede und rede und schaffe es nicht den ersten Schritt zu machen und sie zu küssen. So sitzen wir auf der Bank, wollen beide dasselbe und schaffen es nicht, dass auch zu bekommen. Irgendwann reiße ich mich endlich zusammen, lege ihr meine Hand auf den Rücken und wir küssen uns. Jetzt haben wir das Problem gelöst, dafür haben wir jetzt ein anderes Problem. Bert.

In der folgenden Woche hat Petra beruflich in Bonn zu tun und ich will sie dort besuchen, doch dann überschlagen sich die Ereignisse, denn Bert hat unsere Mails gelesen. Auch jene, in der es um unser letztes Treffen und unseren ersten Kuss geht. Er ruft mich an und ich streite natürlich erst mal alles ab. Das ist herrlich sinnlos und völlig bescheuert, aber ich bin halt überrascht und überfordert. Ich hasse das. Wieso hat Petra die Mails nicht gelöscht? Und wie komme ich jetzt aus der Nummer wieder raus? Vermutlich gar nicht. Und so gebe ich zu, dass wir uns näher gekommen sind. Es folgen wüste Beschimpfungen, die ich mir alle brav anhöre, denn ich bin ein Schwein und muss beschimpft werden.
Am nächsten Tag fahre ich dennoch nach Bonn, um mit Petra alles weitere zu besprechen. Am Ende des Abends landen wir im Bett und ich habe meinen ersten Sex. Petra verrate ich natürlich nicht, dass es mein erster Sex ist. Mein erster Sex dauert nicht wirklich lange. Kaum bin ich drin, bin ich auch schon fertig. Doch das ist egal. Ich hatte tatsächlich Sex. Mein erstes mal mit nunmehr dreißig Jahren. Jetzt kann ich sterben. Da ich weder sterbe, noch einschlafen kann vor Aufregung, haben wir wenig später nochmal Sex. Diesmal geht es richtig zur Sache und dauert auch länger. Sex ist echt geil. Wieso habe ich das nicht schon früher gemacht? Vermutlich, weil ich zu blöd bin. Schlaf bekomme ich auch nach dem wilden Sex vor lauter Aufregung nicht mehr wirklich. Und so bin ich am nächsten Morgen völlig übermüdet. Und in dem Zustand muss ich wenig später nach Hause fahren.
Die Rückfahrt gestaltet sich sehr schwierig. Ich bin dermaßen müde, dass ich einen Rastplatz anfahre und ein Nickerchen mache. Kaum habe ich mich etwas erholt, klingelt mein Telefon. Es ist Bert. Er möchte wissen, wo ich bin. Ich erzähle ihm, dass ich spazieren fahre. Ich hasse solche Situationen und bin völlig überfordert. Worum genau unser Gespräch geht, weiß ich nicht. Ich will nur, dass es vorbei ist. Aber vorbei ist es nach dem Gespräch ganz sicher nicht. Ihc glaube, Bert will mit Petra reden und ich soll mich zurückhalten. Vielleicht ist es auch etwas ganz anderes, was er mir rät. Zu viele Informationen für mich, zu viele Beschimpfungen. Dabei könnte er sich doch auch für mich freuen, dass ich endlich Sex hatte, aber das sieht er sicher ganz anders.

Ein paar Tage nach meinem ersten Sex fahre ich zusammen mit Manni und Heiko ins nahegelegene Industriegebiet, um ein paar Raketen, ie Silvester übrig geblieben sind, in den Himmel zu schießen. Mein erster Sex muss gefeiert werden, denn so wirklich konnte niemand damit rechnen, dass ich jemals Sex haben werde.

Wieder ein paar Tage später zieht Petra bei Bert aus und ich bin zum ersten Mal in meinem Leben kein Single mehr. Das bedeutet, dass ich in Zukunft regelmäßig Sex haben werde. Cool. Unsere Wochenendausgehgruppe gibt es selbstverständlich nicht mehr, da mich Badehose, Ken und Bert für ein verachtenswertes Schwein halten, möchten sie nichts mehr mit mir zu tun haben. Scheiß Spießer.

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