März 1993

Therapieangebot
Weil ich ständig Kopfschmerzen und Sehstörungen habe, lande ich bei einem Neurologen. Dieser hat seine Praxis nur wenige Meter neben der Praxis von dem Psycho, bei dem ich vor etwa zwei Jahren diese komische Therapie machen durfte. Die Praxis von dem Psycho ist mittlerweile längst geschlossen. Es gibt Gerüchte, dass er durchgedreht ist und eingeliefert wurde. Passen würde es.

Der Arzt, der heute für mich zuständig ist, ebenfalls Neurologe und Psychologe, macht seine Untersuchungen und wir plaudern über dies und das. Das EEG ist in Ordnung und der Arzt ist ganz begeistert von mir und meinen Antworten auf seine Fragen. Er hat noch nie jemanden, der so negativ drauf ist und auf diese Art antwortet getroffen, behauptet er. Er ist ganz angetan und würde sich freuen, wenn ich mal in seine Sprechstunde käme, um mit ihm über mein Leben und so zu reden. Er hat sichtlich Spaß an mir und meinen Aussagen. Ich weiß nicht, was daran so spaßig ist. Das ist maximal Galgenhumor gewürzt mit einer Portion Resignation.

Zum Ende des Termins, bei dem keine körperlichen Defizite festgestellt wurden, weist er mich abermals darauf hin, dass er mich interessant findet und ich doch mal einen Termin ausmachen soll, um über mich und meine Einstellung zureden. Ich verzichte, obwohl es mit ihm sicher lustig sein könnte. Aber da mein erster Versuch eine einzige Katastrophe war, sind derartige Experimente nichts mehr für mich.

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