März 2008

Es ist März
Wie die Zeit doch vergeht. Schon ist März, ich habe noch keinen meiner Vorsätze für 2008 umgesetzt und es sieht so aus, als würde es noch sehr lange dauern, bis endlich alle Vorsätze in die Tat umgesetzt sind. Ob mich das stört? Nicht wirklich.

Der erste Tag des Monats ist sehr entspannt. Ich gehe mit Miss Telefon zunächst etwas trinken und später ins Kino. Es ist erstaunlich, wie oft ich mittlerweile ins Kino gehe. Der Film „No Country for old Men“ gefällt mir gut und ich bin zufrieden. Auch mit der entzückenden Begleitung an meiner Seite bin ich mehr als zufrieden. Da ich mit Miss Telefon fast öfter ins Kino gehe als mit ihr zu telefonieren, überlege ich, sie in Miss Kino umzubenennen. Obwohl es gar keine Rolle spielt, wie ich sie nenne, Hauptsache ich habe eine schöne Zeit mit ihr. Und die habe ich. Ich mag die Miss.

Gegen 22.30 Uhr bin ich wieder zu Hause und lege eine DVD ein. Der Feind in meinem Mann. Ziemlich blöder Titel. Der Film ist allerdings okay.

Am Sonntag mache ich das, was ich am besten kann. Ich sitze oder liege auf meinem Sofa, starre die Decke an, höre Musik und warte auf den Montag. Zwischendurch schaffe ich es mich aufzuraffen, zum Sport zu gehen und endlich etwas für den geschwächten Körper zu tun. Nach dem Training gucke ich mir Gandhi an. Gucke ich vielleicht zu viele Filme? Die Frage ist leicht beantwortet, aber sie hilft mir nicht dabei, aufzuhören in Filmwelten zu flüchten.

Ab nächste Woche ist Schluss mit lustig, denn nächste Woche habe ich Termine und muss aktiv werden. Unter anderem muss ich zur ARGE und ich gehe irgendwie davon aus, dass das deprimierend wird. Außerdem muss ich beim Pflegebüro anrufen, wozu ich ich keine Lust habe, weil ich nicht weiß, ob ich da arbeiten will oder doch lieber die Umschulung fortsetzen soll. Mein Coupé muss zum TÜV, was mich Geld kostet, aber problemlos klappen sollte. Außerdem muss ich meinen Sierra verkaufen, was ich lästig finde. Hoffentlich geht das schnell über die Bühne, denn sonst fange ich womöglich an zu weinen, aber ganz sicher werde ich fluchen, wenn das nicht so klappt, wie ich es mir vorstelle. Am Freitag treffe ich mich mit Ursula und sie wird die erste Frau sein, der ich zum ersten Treffen etwas mitbringe, denn eigentlich ist es so, dass Frauen mir zum ersten Date ein Geschenk mitbringen. Ursula bekommt eine Banane von mir und ich denke, das wird ihr gefallen, weil durch eine Banane das Treffen ein würdiger Abschluss meiner Treffen mit Frauen aus dem Internet werden kann. Ein würdiger Abschluss deshalb, weil ich beschlossen habe, nach Ursula meine Treffen mit Frauen aus dem Internet einzustellen. Zumindest so lange bis ich mein Comeback feier. Wann das sein wird, ist noch nicht vorherzusehen. Ich weiß nur, welche Musik ich spielen werde, wenn es zum Comeback kommt. Howard Carpendale. Denn auch er ist ein Meister des Comebacks.


Manipulation
Als ich einem meiner Dozenten mitteile, dass ich am Freitag eine Entscheidung treffen muss, ob ich in der Telefonnotrufzentrale zur Probe arbeiten will oder nicht, teilt er mit, dass ich das mal schön sein lassen soll, da ich bestimmt nach der Umschulung einen bessren Job bekommen kann als den eines Telefonmannes, und dass ich eh nach zwei Wochen die Schnauze voll haben werde von dem schlecht bezahlten Job. So wirklich überzeugt mich das nicht. Ich sage ihm, dass ich nicht glaube, dass mich alten Sack überhaupt jemand einstellt nach meiner Umschulung. Er ist anderer Meinung und zu alt bin ich keinesfalls. Ich weiß ja nicht. Kann mir das ja noch mal durch den Kopf gehen lassen.

Am Dienstag schreiben wir die erste WISO Klausur. Als wenig später die Noten verteilt werden, glaube ich zunächst, dass es doch etwas gebracht hat, dass ich mir den Kram am Abend vorher eine Stunde lang angeguckt habe. Anders kann ich mir die 1 erst einmal nicht erklären. Doch nach wenigen Minuten glaube ich, dass ich manipuliert werden soll. Die 1 habe ich bestimmt bekommen, weil man, warum auch immer, will, dass ich die Umschulung nicht abbreche, sondern bleibe. Deshalb wurde meine Note einfach nach oben korrigiert. Doch auf so etwas falle ich nicht rein. Das ist mir zu plump.
Später gratuliert mir Dozent Werner Lorant zu meiner 1. Spätestens jetzt weiß ich, dass ich manipuliert werden soll. Denn schließlich haben auch andere Leute eine 1 geschrieben, denen gratuliert Werner Lorant allerdings nicht. Das ist mehr als verdächtig. Ich bin kurz davor eine Manipulation aufzudecken.

Da die Bauchtänzerin mich aufgefordert hat ihr meine Bewerbungsunterlagen mitzubringen, schreibe ich am Nachmittag schnell eine Bewerbung, kopiere meine Zeugnisse und lege meine Bewerbungsmappe raus. Wenn sie sich für mich um einen Praktikumsplatz bemühen will, dann werde ich sie gewähren lassen. Am nächsten Tag übergebe ich ihr meine Bewerbungsunterlagen mit der Bitte, dass sie die Unterlagen durchsieht und mir mitteilt, wenn sie irgendwelche Fehler entdeckt. Schließlich muss alles seine Ordnung haben. Unser Toilettenmann, der sich sehr gut mit der Bauchtänzerin versteht, ist sich ganz sicher, dass ich die Praktikumsstelle schon in der Tasche habe. Keine Ahnung, wie er darauf kommt, aber mich wundert hier eh nichts mehr. Ich warte einfach ab, wie sich das Ganze entwickelt.


Kagummi Nadja ist raus
Hin und wieder schreiben Kaugummi Nadja und ich uns ein paar SMS. Meistens ist die Konversation recht belanglos, dennoch in gewisser Weise unterhaltsam. Heute geht es um die Wochenendplanung. Kaugummi Nadja will auf die Amore Mio Party und ich frage sie, was sie da zu suchen hat, da sie doch verheiratet ist. Sie schreibt, dass sie auf der Suche nach einer Herausforderung ist. Ich kann ihr da nicht helfen, daher wünsche ich ihr viel Glück und beende die Konversation.

Am nächsten Tag geht die Konversation weiter. Mittlerweile fordert sie bereits drei Kohlrabi und eine Möhre von mir. Ich weiß zwar nicht, warum ich ihr das Gemüse schenken soll, aber da es sie irgendwie glücklich zu machen scheint, sage ich ihr, dass sie ihr blödes Gemüse kriegt, meine Küche, die ich ja bekanntlich nicht habe, aber nicht zu sehen bekommt, da sie meine Küche nichts angeht. Sie ist einverstanden. Ich schlage ihr vor, dass ich ihr das Gemüse in der Live Station überreiche. Findet sie nicht gut. Sie meint, ich soll mir was anderes einfallen lassen. So kann sie dann gleich meine Kreativität testen. Da ich nicht kreativ bin, teile ich ihr mit, dass ich ihr das Gemüse auf keinen Fall bringen werde und sie es sich abholen muss. Ihre Antwort entfernt sie unglaublich weit von dem Gemüse. «Du bist ein Stiesel! Forget it! Da musst Du Dir schon etwas Besseres einfallen lassen!!!» Ich weiß nicht, was ein Stiesel ist, aber es kann nichts Gutes sein. Außerdem hasse ich dieses «Forget it!». Und ich habe auch nicht die geringste Lust mir etwas einfallen zu lassen. Langsam wird mir Kaugummi Nadja zu anstrengend. Aus diesem Grund erhält sie auch keine Antwort von mir. Ich habe einfach keinen Bock auf diese sinnlose Scheiße. Kaugummi Nadja ist raus. Aber das war sie ja schon immer. Wenn sie wirklich ins Spiel will, dann muss sie sich schon etwas mehr anstrengen und von ihrem Prinzessinnentrip herunter kommen. Sonst wird ihr das Erlebnis, welches auch immer, mit mir für immer verwehrt bleiben.


Bei der ARGE versagt
Um 07.42 Uhr treffe ich bei der ARGE ein. Allerdings ist das entgegen meiner Erwartungen nicht früh genug, denn zwei andere Arbeitslose waren schneller. Sofort sinkt meine Laune ins Bodenlose, denn wenn schon andere Arbeitslose früher als ich hier sind, was soll dann noch aus mir werden? Um 07.54 Uhr, exakt 12 minuten nach meiner Ankunft, öffnet sich die Tür von Büro 1. Ein ARGE-Mitarbeiter tritt heraus und geht zur Toilette. Das Warten geht weiter. Um 07.58 Uhr ist der Mann zurück in seinem Büro. Um 08.01 Uhr öffnet sich die Tür von Büro 3. Die Mitarbeiterin ruft einen Menschen auf, der nicht da ist. Enttäuscht schließt sie die Tür und kommt danach auch nicht mehr heraus. Um 08.03 Uhr öffnet sich die Tür von Büro 1 erneut. Der ARGE-Mitarbeiter tritt heraus, trägt ein Aktentäschchen unter dem Arm und schließt die Tür ab. Scheinbar hat er jetzt etwas anderes vor. Während all der aufregenden Begebenheiten hat sich der Wartebereich immer mehr gefüllt. Arbeitslose soweit man gucken kann. Unter den Wartenden sind recht üble Gestalten, wie ich bemerken muss. Es überrascht mich aber nicht, denn so sehen Arbeitslose aus, so müssen Arbeitslose aussehen. Mein größtes Problem in diesem Moment ist, dass ich einer von ihnen bin. Um 08.05 Uhr öffnet sich die Tür von Büro Nummer 7. Jetzt geht es los. Ein junger Mann, der kurz vor dem einschlafen war, darf eintreten. Jetzt ist nur noch eine Frau vor mir dran, dann bin ich an der Reihe. Lange sollte es also nicht mehr dauern. Um 08.09 Uhr nimmt neben mir ein jüngerer Arbeitsloser Platz. Er ist nicht nur angezogen wie ein Arbeitsloser, er riecht auch so. Womit habe ich das verdient und wie lange muss ich das ertragen? Um 08.13 Uhr kommt eine Frau mit ein paar Akten unter dem Arm in den Wartebereich, schaut sich kurz um und geht direkt in Büro 7. Dort sitzt allerdings noch der verschlafene Typ. Also muss sie wieder raus aus Büro 7. Natürlich ist sie deshalb unzufrieden, weil sie, das behauptet sie zumindest,einen Termin hat. Mich interessiert das herzlich wenig, die soll sich gefälligst hinten anstellen und hier nicht rumnerven, die blöde Kuh. Aus unerklärlichen Gründen macht der jüngere Arbeitslose neben mir plötzlich seinen Mund auf. Aber nicht um zu reden, sondern um alle an seinem Mundgeruch teilhaben zu lassen. Mir wird übel. Um 08.26 Uhr kommt der verschlafene Typ endlich aus dem Büro. Nun bin ich sicher bald an der Reihe. Doch was ist das? Die Frau, die nun eigentlich an der Reihe ist, lässt die Frau mit den Akten, die angeblich einen Termin hat, zuerst ins Büro 7. Spinnt die denn? So kommen wir doch nie hier weg. Um 08.31 Uhr geht die Tür von Büro 3 auf und der ARGE-Mitarbeiter aus Büro 7 tritt heraus. Was soll denn das? Was hat er vor? Er marschiert los und verschwindet in einem der Büros am Ende des Flurs. Ich bin verwirrt. Etwa zwei Minuten später kommt er mit ein paar Akten zurück und geht zurück ins Büro 7. Irgendwie habe ich längst das Gefühl, dass es hier nicht vorwärts geht und der Typ neben mir stinkt weiter aus dem Maul. Ich glaube, ich muss hier weg, weil das alles zu nichts führt. Es ist 08.44 Uhr als ich aufstehe und den Wartebereich verlasse. Ich habe versagt. Ich bin kein würdiger Arbeitsloser. Ich rieche ja nicht einmal wie ein Arbeitsloser. Was soll bloß aus mir werden?


Der Ballon zerplatzt
Nach wochenlangen Fehlzeiten kehrte die dickste Frau in unsere Klasse zurück. Sie ist immer noch genau so fett wie vorher. Ihre Rückkehr ist allerdings nur von kurzer Dauer. Eines Tages kommt sie nicht wieder und niemand hört danach wieder von ihr. Ich vermute, dass sie zerplatzt ist. Einfach so.


Ursula
Freitag. 18.43 Uhr. Vor dem Café Max steht Ursula und wartet auf mich. Ich gehe davon aus, dass sie mich schon von weitem erkennt. Ein unbemerktes Entkommen ist somit also unmöglich. Zum Glück habe ich nicht das Bedürfnis zu entkommen, denn es steht kein Monster vor dem Café Max. Nicht nur, dass ich nicht entkommen will, ich finde Ursula sogar auf Anhieb sympathisch. Nun kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Sie nimmt meine Hand, so wie wir es per Mail verabredet haben, und wir gehen ins Café. Wir nehmen Platz und beginnen direkt mit einer Unterhaltung. Es läuft genauso gut wie das mailen. Ich behaupte mal, dass es irgendwie passt und überreiche Ursula die versprochene Banane. Bananen sind gesund und das ideale Geschenk für ein erstes Date, wobei es natürlich so sein sollte, dass ich das Geschenk bekomme. Ursula hat irgendwie ein süßes Lachen. Sag ich ihr aber nicht, sonst denkt sie noch, dass ich sie anbaggern will.

Die Zeit vergeht wie im Flug und ich frage mich, ob es nicht Sinn machen würde, meinen zweiten Vorsatz für 2008, eine Frau küssen, hier einfach mit umzusetzen, denn wer weiß, wann ich mal wieder mit einer Frau so nett zusammen sitze. Andererseits könnte man mit einer solchen Aktion jetzt alles kaputt machen und das wäre doof. Außerdem habe ich mir ganz fest vorgenommen, dass es hier keinen Körperkontakt gibt. Und so verwerfe ich diese aufkommenden Gedanken unverzüglich wieder. Ehe man sich versieht ist es 23.00 Uhr und Ursula muss los. Das ist irgendwie schade, aber man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. Oder soll man gehen bevor es zu schön wird? Oder bevor die Stimmung kippt? Ich weiß es nicht.

Nachdem Ursula sich verabschiedet hat und wir uns tatsächlich nicht geküsst haben, überlege ich kurz, noch in die Live Station zu gehen, aber irgendwie habe ich keine Lust. Stattdessen esse ich die Banane, die ich für mich mitgebracht habe und fahre zufrieden nach Hause. Mein letztes Treffen mit einer Frau aus dem Internet ist somit gut gelaufen. Jetzt kann ich mich beruhigt auf mein Sofa zurückziehen und mein Comeback vorbereiten.


Ein Comeback
Eigentlich habe ich es mir abgewöhnt am Samstag wegzugehen. Doch heute mache ich eine Ausnahme, denn die Ü30 Party in den Westfalenhallen steht an. 5€ Parkplatzgebühren und 14€ Eintritt kostet der Spaß und ich bin entzückt dieser exklusiven Veranstaltung beiwohnen zu dürfen. Es ist verdammt voll. Daraus schließe ich, dass es sich um eine Topveranstaltung handeln muss. Ich kann mich aber auch irren. Wer weiß das schon? Ich treffe auf ein paar Bekannte, sehe einige der Gesichter, die man regelmäßig bei dieser Veranstaltung sieht und bin mittendrin, aber doch nicht dabei. Alles ist fast wie immer, nur der Schlagerbereich ist vergrößert worden. Irgendwelche mir unbekannten Menschen stehen auf der Bühne, die es früher nicht gab, und singen dem vergnügten Publikum etwas vor. Die Menge tanzt, ich tanze nicht. In dieser Halle bin ich definitiv falsch. Vermutlich bin ich auf der gesamten Veranstaltung falsch. Ich weiß es nicht.

Da mein Interesse, auf so einer Veranstaltung irgendeine Frau kennen zu lernen, schon seit Wochen irgendwie verschwunden ist, beschließe ich, dass es Zeit für ein besonderes Comeback ist. Das Comeback der verschränkten Arme. Es dauert eine Weile, aber dann ist es wie früher. Ich glaube, dies wird das Jahr der verschränkten Arme. Was mich allerdings ein wenig irritiert ist die Tatsache, dass mich eine blonde Frau, die noch nicht einmal hässlich ist, trotz meiner verschränkten Arme anlächelt. Vermutlich hat sie sich einfach nur vertan. So etwas kann auf solchen Veranstaltungen durchaus vorkommen.

Es ist etwa 02.15 Uhr als wir die Veranstaltung verlassen. Ich esse eine Banane und alles ist gut. Zumindest für den Augenblick.


Zweite Erkältung 2008
Los geht es am Mittwoch mit einer etwa dreistündigen Hustenattacke. Danach scheint es sich zu beruhigen, doch ich glaube nicht, dass es damit vorbei ist und bereite mich unverzüglich auf eine zweiwöchige Erkältungszeit vor. Ich lege Gelomyrtol und Aspecton in greifbare Nähe, weil ich davon am Ende sicher wieder Unmengen einwerfen werde.

Am Donnerstag halten sich die Hustenanfälle zunächst in Grenzen. Erst am Abend wird es schlimmer und nach einiger Zeit ist meine Stimme vollkommen weg und ich kann nur noch flüstern. Ab sofort nehme ich Gelomyrtol und Aspecton ein. Vermutlich hätte ich damit schon gestern anfangen sollen.

Am Freitag kann ich noch immer nicht sprechen, habe aber zum Glück weiterhin keine Halsschmerzen, was an den Salbei-Bonbons liegen kann, die ich permanent lutsche. Der Husten bringt schönen Schleim mit sich. Dieser ist fast dunkelgrün und relativ zäh. Herrlich. Vielleicht werde ich demnächst mein Zimmer in der Farbe streichen. Da meine Nase mir das Atmen erschwert, greife ich zusätzlich noch zum Nasenspray. Schade, ich dachte ich wäre befreit von meiner Nasenspraysucht. Im Laufe des Tages kann ich wieder einigermaßen sprechen. Meine Stimme klingt allerdings ziemlich Scheiße.

Am Samstag nach dem Aufstehen ist die Lage unverändert. Fetter, grüner Schleim wird von mir produziert und angewidert ausgespuckt. Der Schnupfen ist allerdings noch immer unentschlossen. Ihn erwarte ich in den nächsten Tagen, denn sonst wäre die Erkältung nicht komplett. Am Abend huste ich, wie ich es gewohnt bin, rum wie ein alter Mann, der zuviel geraucht hat und produziere weiter Schleim.

Der Sonntag beginnt wie gewohnt mit schleimigem Husten und dazu leichtem Schnupfen. Meine Nase produziert den Schleim jetzt übrigens in etwas hellerer Farbe. Es ist ein gelbgrün oder grüngelb. Die Farbe sagt mir allerdings weniger zu als das zähflüssige grün, welches der Auswurf zum Vorschein bringt. Ich schätze, dass ich mir spätestens am Donnerstag ein Antibiotikum verschreiben lasse. Das gehört zu einer guten Erkältung einfach dazu. Ich freu mich schon. Meine Stimme klingt weiter Scheiße. Meine Husten gibt Vollgas und meine Nase sitzt ständig zu. Lange habe ich nicht mehr so kurz hintereinander so viel Nasenspray benutzt.

Am Montag bin ich zunächst etwas enttäuscht, denn direkt nach dem Aufstehen habe ich keine Hustenattacke und der Schleim aus der Nase ist auch nicht mehr schön grüngelb bzw. gelbgrün, sondern fast klar. Es kann doch nicht sein, dass die Erkältung jetzt schon schwächelt. Ich war doch noch gar nicht beim Arzt und habe noch gar kein Antibiotikum eingenommen. Allerdings ist meine Stimme weiterhin angeschlagen. Erfreulicherweise wird es nach einer halben Stunde besser. Der erste Hustenanfall kommt und bringt schönen grünen Schleim mit. Ich bin erleichtert. Es ist noch nicht vorbei.
In der Schule huste ich ständig und meine Nase läuft auch permanent. Alles verläuft ordnungsgemäß. Auch am Abend tritt keine Verbesserung ein. Ich bin begeistert.

Am Dienstag scheint alles unverändert. Ich habe zwar zunächst das Gefühl, dass der Nasenschleim etwas gelber ist als am Vortag, bin mir aber nicht sicher, da mein Nasenbluten ein wenig das Gesamtbild versaut. Das Nasenbluten hat diesmal arg lange auf sich warten lassen und ich hatte schon befürchtet, dass ich darauf verzichten müsse. Zum Glück ist dem nicht so und alles läuft genau so, wie es sein muss. Nun fehlen nur noch die Kopfschmerzen, dann ist die Erkältung komplett. Es läuft. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem ich einige Minuten wach bin und meine Nase nicht mehr blutet, muss ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass meine Erkältung arg schwächelt. Der Nasenschleim ist nicht gelb, sondern verdammt klar und auch beim Husten vermisse ich den grünen Schleim. Was soll ich davon halten? Will meine Erkältung tatsächlich aufgeben oder spielt sie nur mit mir?

In der Schule ist mein Husten wieder stärker, allerdings noch immer ohne den grünen Schleim. Die Nase muss ich mir auch recht häufig putzen, doch der Nasenschleim will nicht gelb werden. Als ich gegen Mittag leichte Kopfschmerzen spüre, bin ich zuversichtlich, dass es noch nicht vorbei ist und mir meine Erkältung noch erhalten bleibt. Ich lutsche meine Salbeibonbons und bin fast vergnügt. So kann es weitergehen. Ich liebe meine Erkältung.

Der Mittwoch verläuft eher enttäuschend. Natürlich huste ich viel und die Nase muss ich mir auch recht häufig putzen, aber so wirklich Spaß macht das nicht. Der Schleim ist viel zu klar, Kopfschmerzen gibt es nicht und das ständige Kratzen im Hals begeistert mich ebenfalls nicht. Immerhin klingt meine Stimme weiter beschissen. Die Erkältung ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Vermutlich ist das nur ein Täuschungsmanöver damit ich morgen nicht zum Arzt gehe und keine Antibiotika bekomme. Am Wochenende schlägt meine Erkältung bestimmt richtig zu. Dann bin ich ihr hilflos ausgeliefert und muss die ganze Zeit leidend im Bett liegen. Ich glaube, darauf freue ich mich jetzt schon mal. Mal schauen, was sich meine Erkältung morgen für mich einfallen lässt.

Am Donnerstag ist alles ziemlich unverändert. Ich huste, putze mir häufig die Nase und frage mich, wieso der Schleim einfach nicht mehr seine schöne Farbe hat. Zwischendurch gibt es zwar mal etwas Auswurf beim Husten, aber er ist nur in schwachem grün. Ich bin enttäuscht. Morgen sind Gelomyrtol und Aspecton verbraucht. Ob es dann doch noch eine richtige Erkältung wird?

Die Nacht zum Freitag ist die zweite in der ich auf mein geliebtes Nasenspray verzichte. Ich bin deprimiert. Der Zustand ändert sich im Verlauf des Tages auch nicht mehr. Ich bin zwar definitiv erkältet, was ich an meiner Stimme und dem Taschentuchverbrauch erkenne, aber Freude bereitet mir diese Erkältung keine. Kein grüner Schleim, kein Nasenbluten, keine Kopfschmerzen. So bringt das nichts. Ich bin so deprimiert, dass ich beschließe ins Fitnessstudio zu gehen. Mal sehen, ob ich meine Erkältung so wieder zum Leben erwecken kann.

Am Samstag scheint der Spuk vorbei. Natürlich huste ich noch und muss mir die Nase öfter putzen als normal, aber eine Erkältung kann man das jetzt nicht mehr nennen. Dabei habe ich noch gar keine Chemie eingeworfen. Das Training gestern hat nichts gebracht. Auch das ich danach durchgeschwitzt schön langsam durch den Regen gelatscht bin hat seine Wirkung verfehlt. Die Erkältung ist auf dem Weg nach Hause und ich bleibe allein zurück. Deprimierend.

Sollte es in den nächsten Stunden kein Comeback geben, dann ist es aus zwischen mir und meiner Erkältung. Nicht einmal eine Erkältung hält es lange mit mir aus.

Diese erneute Erkältung hat bewiesen, dass es nichts bringt jeden Morgen Vitamin C Pulver einzunehmen. Ebenfalls überschätzt wird Obst. Täglich esse ich einen Apfel und eine Banane. Meinem Immunsystem ist das vollkommen egal. Deshalb kann ich abschließend nur sagen, dass auch Obst vollkommen überschätzt wird.


Drei Frauen
Manchmal scheinen Frauen verwirrt zu sein. Die blonde Frau aus meiner Klasse hat mir heute ihre Telefonnummer gegeben und die Frau ohne Namen will bald bei mir übernachten. Dummerweise weiß sie nicht, dass ich keine eigene Wohnung habe. Und selbst wenn ich eine Wohnung hätte, würde ich nicht wollen, dass sie bei mir übernachtet. Der Grund warum sie am 30. April 2008 angeblich bei mir übernachten will ist folgender: Wir planen an dem Abend mit unserer Klasse auszugehen. Tanz in den Mai. Da einige eine weite Anreise haben und nicht unbedingt noch nachts durch halb Deutschland fahren wollen, haben sie versucht irgendwo unterzukommen bzw. mit jemandem mitzufahren. Die Frau ohne Namen hat mich deshalb vor einiger Zeit gefragt, ob ich sie mitnehmen könne. Da ich nett bin und dachte sie wird es wieder vergessen, habe ich ihr gesagt, dass wir das schon hinkriegen. Und seit heute heißt es plötzlich, dass sie bei mir oder evtl. ich bei ihr übernachten werde. Das sagt sie auch noch frech allen Mitschülern und Mitschülerinnen. Wie komme ich denn aus der Nummer nur sauber wieder raus?

Und weil ich gerade einen Lauf zu haben scheine, treffe ich mich am Sonntag, wenn die Erkältung bis dahin ganz aufgegeben hat, mit Ursula. Zumindest habe ich Lust auf Ursula. Sie zu treffen, darauf habe ich durchaus Lust. Rein platonisch, versteht sich, weilSex alles nur verkomplizieren würde.

Mal schauen, wie es weitergeht mit den Damen. Ich bin gespannt.


Ursula. Teil 2
Es ist etwa 12.27 Uhr als ich mich auf den Weg nach Münster mache, um Ursula zu treffen. Warum wir uns in Münster treffen, obwohl keiner von uns dort wohnt, weiß ich nicht mehr. Die Fahrt nach Münster macht jedenfalls einen Mordsspaß. Ich könnte stundenlang mit dem Coupé über die Autobahn fahren. Es ist wenig Verkehr und ich muss die linke Spur nur ganz selten räumen, um jemanden vorbei zu lassen. Selbst wenn das Treffen mit Ursula wider erwarten völlig beschissen ist, kann es mir den Tag nicht versauen, denn schließlich habe ich die Heimreise danach noch vor mir und werde dabei wieder viel Spaß haben. Ich sollte am Wochenende immer über die Autobahnen fahren und muss mich mal nach jemandem umsehen der mir das bezahlt.

Als ich am Bahnhof auf Ursula warte, ruft eine scheinbar verwirrte junge Frau nach mir. Zumindest scheint es so, als würde sie mich rufen. Da ich sie noch nie gesehen habe beschließe ich, dass sie nicht nach mir ruft. Weil ich etwas früh dran bin, wandere ich ein wenig durch den Bahnhof. Wieder begegnet mir die junge Frau. Sie ruft etwas und geht auf mich zu. Sie scheint mächtig verwirrt. Als sie fast vor mir steht und ich sie mustere fragt sie «Mutter, wo bleibst Du nur?». Ich bin nicht ihre Mutter. Sie sieht verzweifelt aus. Da ich nicht weiß, wie ich ihr helfen kann, gehe ich an ihr vorbei. Sie läuft mir noch ein paar Mal über den Weg in den nächsten Minuten und ruft immer wieder was, geht auf Leute zu, die den Bahnhof betreten und findet doch nicht, was sie sucht. Vielleicht hat ihre Mutter sie schon vor Jahren einfach am Bahnhof ausgesetzt. Arme Frau.
Als Ursula auftaucht, mich an die Hand nimmt und vom Bahnhof verschleppt, bleibt die junge, hilflose Frau verstört am Bahnhof zurück. Ob sie ihre Mutter jemals wieder findet? Ursula schleppt mich ins Alex. Dort verweilen wir etwa 5 Stunden. Auch unser zweites Treffen verläuft äußerst angenehm und die Zeit vergeht erneut wie im Flug. Im Verlauf des Gesprächs beschließen wir, dass wir eine platonische Beziehung führen wollen. Platonische Beziehungen kann man nie genug haben. Wenn es gut läuft mit uns, dann habe ich jetzt drei platonische Beziehungen. Drei sind mir aber nicht genug. Ich will mehr. Da ich eine weite Anreise hatte, halte ich es für angebracht, dass Ursula für mich die Getränke bezahlt, was sie ohne zu murren auch macht. Gute Frau. So stelle ich mir eine gute platonische Freundschaft vor.

Auf dem Weg nach Hause bin ich etwas unkonzentriert und verpasse die richtige Abfahrt. Da man auf Autobahnen schlecht wenden kann bleibe ich einfach auf der A43. Ist auch eine schöne Autobahn. Als ich später auf die A2 wechseln muss, entscheide ich mich spontan für die falsche Richtung. Selbst dieser sinnlose Umweg, der mich über Gelsenkirchen-Erle nach Herne führt, wo ich auf die A42 auffahre, macht mir nichts aus. Autofahren macht Spaß. Ein rundum gelungener Tag bis zu diesem Zeitpunkt.


Kaugummi Nadja will ein Geschenk
Als wir gegen 23.00 Uhr in der Live Staton eintreffen ist es schon verdächtig voll. Etwa eine Stunde später ist es so voll, dass man sich kaum noch bewegen kann. Man fühlt sich teilweise wie Vieh auf einem Viehtransporter. Allerdings werden wir nicht transportiert und so genau weiß ich auch nicht, wie sich das Vieh auf einem Transporter fühlt. Mir ist es jedenfalls fast zu voll, die Luft, dank der verfluchten Raucher, stickig, dazu ist es dunkel und verdammt laut. Vielleicht bilde ich mir auch nur ein, dass es besonders laut ist. Es dauert jedenfalls nicht lange bis ich total müde bin.
Kurz bevor ich einschlafe kommt Kaugummi Nadja zu mir rüber. Ich habe mir vorgenommen, dass ich diesmal keinen unserer blödsinnigen und oberflächlichen Dialoge mit ihr führen will, da mir das auf Dauer zu anstrengend ist. Schon nach wenigen Sätzen fängt sie mit ihren Albernheiten an. Ich sage ihr, dass sie schwierig ist und es einem fast unmöglich macht, ein vernünftiges Gespräch mit ihr zu führen. «Sobald man sich normal mit Dir unterhalten will oder was Nettes zu Dir sagt blödelst Du nur rum.» – «Du sagst ja nie was Nettes. Nur einmal hast Du gesagt, dass ich gut angezogen bin.». – «Ich habe Dir auch gesagt, dass Du schöne Augen und schöne Zähne hast. Worauf Du nur sagtest, dass Du es ja weißt und Dir ständig gesagt wird, dass es so ist. Du bist eine eingebildete Prinzessin.» – «Du hast mir nie gesagt, dass ich schöne Augen habe.» – «Du hast schöne Augen.» – «Danke.». Die erste akzeptable Reaktion von ihr. Zeit das Gespräch vorübergehend zu beenden.

Nachdem ich mich ein wenig erholt habe gehe ich wieder zu ihr rüber. Als sie sich mal wieder darüber beschwert, dass sie mich ansprechen musste und es ewig dauerte bis ich mich überhaupt einigermaßen an unseren Gesprächen beteiligte, sage ich ihr, dass wir das Thema nun langsam abhaken können, da wir es schon oft genug hatten. Schon wird sie wieder albern und erzählt, dass sie seit Monaten ständig mit mir redet, weil es so unglaublich toll mit mir ist und es ihr eine Ehre ist mit mir zu reden und bedankt sich dafür, dass ich ihr dieses Vergnügen bereite. «Du bist unglaubwürdig. Deine Geschichte und die vollkommen übertriebene Gestik sind zu dick aufgetragen. Du solltest Schauspielerin werden.» – «Meinst Du ich wäre eine gute Schauspielerin?» – «Nein! Höchstens Soap-Schauspielerin bei GZSZ mit Deinem beschissenen Over-Acting. Das ist erbärmlich.» Ich weiß noch immer nicht, was das alles soll, doch ich werde heute nicht aufgeben. Entweder wir kriegen ein halbwegs ernstes Gespräch hin oder sie kann mich mal. Plötzlich fällt ihr wieder ein, dass sie eigentlich nichts über mich weiß und möchte von mir erfahren, was ich nach der Schule alles gemacht habe. Ehrlich gesagt habe ich keine Lust mit ihr darüber zu reden, aber da heute nicht geblödelt wird muss auch ich mich fügen. Glücklicherweise kommt schon nach wenigen Augenblicken ein kleiner Bekannter von ihr zu uns und verlangt ihre Aufmerksamkeit. Zeit für eine erneute Pause. Kräfte sammeln für den Endspurt.

Zu ihrer Überraschung fasse ich ihr heute auch mal an die Schulter oder die Hüften. Ich denke, es gefällt ihr, denn auch sie kann es nicht lassen an meine Schulter zu fassen. Komisches Ritual. Aber ich freue mich ja bekanntermaßen über jede Berührung von einer Frau. Den letzten Teil unserer Konversation verbringen wir damit einen Übergabetermin für drei Kohlrabi und eine Möhre festzulegen. Die Kohlrabi möchte sie allerdings in Form einer Maus überreicht bekommen. Sie möchte, dass man wenigstens erkennt, dass ich mir Mühe dabei gegeben habe, auch wenn man die Maus nicht als solche identifizieren kann. Jetzt wird sie wieder schwierig. Grässliches Weibsbild. Olle Prinzessin. Aber okay, ich will zumindest in diesem Moment kein Spielverderber sein und willige ein. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass sie mich wirklich mal allein treffen will und nicht rumblödelt. Und ich liege richtig mit meiner Vermutung. Kaugummi Nadja möchte, dass ich mir etwas einfallen lasse, wo die Übergabe stattfindet, es muss auch nichts besonderes sein. Ich frage sie, was das denn sein könnte. «Sei kreativ.» – «Bin ich aber nicht. Und was bedeutet kreativ für Dich?» Sie ist kurz davor sich aufzuregen. «Lass das, gib mir ein Beispiel, was das sein könnte. In Dortmund, da ich nie weiter als nach Dortmund fahre.» Außer nach Münster, doch das hat sie nicht zu interessieren. «Man könnte zusammen einen Kaffee trinken.» So etwas einfaches hätte ich nicht von ihr erwartet. Ich glaube fast, menschliche Züge an ihr zu erkennen. Wobei es schwer ist, sie intensiver anzugucken, da sie dermaßen zappelig ist, dass einem schon beim zugucken schwindelig wird. Liegt es an mir oder zappelt die immer so rum? Ich weiß es nicht, aber dass muss ich ihr abgewöhnen, es macht mich wahnsinnig. «Okay. Warum nicht? Treffen wir uns in Dortmund und ich übergebe Dir Dein Gemüse.» Und so einigen wir uns darauf, dass ich das Gemüse besorge, irgendetwas aus der Kohlrabi zaubere, was eventuell aussieht wie eine Maus, und mich dann in Dortmund mit ihr treffe, um ihr das Gemüse zu übergeben und etwas mit ihr zu trinken.
Zum Abschied sage ich ihr noch, dass meine Küche, die ich ja bekanntermaßen nicht habe, für sie weiterhin Tabu bleiben wird. Sie scheint einverstanden, ich verabschiede mich und sie darf nun darauf warten, dass ich mich bei ihr melde. Vielleicht mache ich das. Vielleicht aber auch nicht.


Fahrzeugwechsel
Heute ist es soweit. Ich tausche mein neun Jahre altes Hyundai Coupé gegen ein sechzehn Jahre altes Mercedes Coupé. Zunächst ist der Tausch möglicherweise nicht nachvollziehbar, da der Hyundai ein wirklich tolles Auto ist, welches nicht einmal in die Werkstatt musste, gut aussieht und sich unglaublich toll fahren lässt. Doch seit Anfang des Jahres hat keine Frau, die auch nur halbwegs willig war, mehr in meinem Hyundai Coupé Platz genommen. Seit Monaten wollte sich keine Frau mehr jünger fühlen und in dem Coupé von mir geküsst werden. Dieser Zustand war einfach nicht länger hinzunehmen und so blieb mir nichts anderes übrig als die Coupés auszutauschen. Von dem Benz verspreche ich mir in dieser Hinsicht einfach mehr Erfolg. Weniger Erfolg geht ja auch nicht. Ich bin schon sehr gespannt, wie jung sich die Frauen in meinem neuen Coupé fühlen werden. Bewerbungen werden ab sofort entgegen genommen.


Eine Maus für die Prinzessin
Wie nicht anders von mir zu erwarten entscheide ich mich dafür mich mit der Prinzessin, besser bekannt als Kaugummi Nadja, zu treffen. Da sie aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen darauf besteht, dass ich ihr drei Kohlrabi und eine Möhre zu dem Treffen mitbringe, mache ich mich auf den Weg, um die Zutaten für unsere Verabredung zu besorgen. Weil die Prinzessin eine Prinzessin ist, ist das allerding nicht genug. Sie will, dass ich aus dem Gemüse eine Maus bastle. Weder kann ich basteln, noch weiß ich, wie eine Maus aus Kohlrabi und Möhre auszusehen hat. Und so bastle ich ihr etwas viel schöneres als eine normale Maus. Eine außerirdische Maus. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Werk und fühle mich während des Bastelns und nach der Fertigstellung wie ein Sonderschüler oder ein Big Brother Bewohner, der seine Wochenaufgabe nun zur Präsentation und Bewertung vorzeigen darf. Wie wird ihr meine Kreation wohl gefallen?


Prinzessin / Loerz
Pünktlich um 17.00 Uhr erscheine ich im Barrock. Die Prinzessin ist schon da. Immerhin pünktlich, was bei ihr, wie ich später erfahre, eine Seltenheit ist. Da habe ich scheinbar Glück gehabt. Ich stelle die außerirdische Maus, welche durch eine Plastiktüte geschützt ist, auf den Tisch und schiebe sie zu ihr rüber. Sie wirft einen Blick in die Tüte und scheint zufrieden. Vielleicht freut sie sich sogar. Für mich einigermaßen überraschend beginnt sofort eine Unterhaltung. Keine Blödeleien, alles völlig normal. Unter der Prinzessin steckt also doch ein Mensch. Ihr Gesprächsanteil liegt bei 80 – 85%, was mich aber nicht stört. Ich bin übrigens für sie kein dröger Stuten mehr, sondern ein saftiges Milchbrötchen und kurz davor die dritte Stufe, die noch keinen Bezeichnung hat, zu erreichen. Wir einigen uns darauf, dass sie eine anstrengende, nachtragende, zickige und verwöhnte Prinzessin ist. Trotzdem ist sie heute recht gut erträglich. Die zweieinhalb Stunden vergehen fast wie im Flug und es sieht ganz danach aus als hätte ich eine weitere platonische Freundin für meine Sammlung dazu bekommen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass irgendwas mit mir nicht stimmt und ich ein Idiot bin.

Da es noch recht früh am Abend ist und ich sowieso schon in Dortmund bin, fahre ich zum Loerz. Wir gehen eine Runde mit dem Hund raus, ich kaufe mir Spaghetti Napoli und anschließend gehen wir ins Las Salinas. Es ist fast wie damals. Loerz trinkt Whiskey und grinst vergnügt vor sich hin. Logisch, dass wir danach noch woanders hingehen müssen. Und so landen wir in Antons Bierkönig. Wir haben beide nicht damit gerechnet, dass wir dort je wieder auftreten würden. Zu unserer Überraschung sind einige attraktive, weibliche Lebewesen dort. Allerdings sind mir diese weiblichen Lebewesen irgendwie zu jung. Egal, Loerz hat Spaß und schnorrt, wie es bei ihm Tradition ist, irgendwelche Frauen um Zigaretten an und quatscht sie bei der Gelegenheit gleich zu. Ich beobachte alles aus sicherer Entfernung. Mir ist nicht danach, mich mit irgendwelchen jungen, weiblichen Lebewesen zu unterhalten. Ich bin wieder mal mittendrin und doch nicht dabei.
Da es das Jahr der verschränken Arme ist, verschränke ich meine Arme hin und wieder. Mich interessiert nicht wirklich, was um mich herum passiert. Loerz grinst weiter glücklich durch die Gegend und ich bin leicht irritiert, dass seine Laune im Laufe der Zeit nicht wirklich schlechter wird. Irgendwann schüttet mir ein widerwärtiges Lebewesen sein Getränk über mein Hemd. Da ich allerdings vollkommen weggetreten bin, bemerke ich erst einige Zeit später, dass mein Rücken ziemlich nass ist. So kann ich das dafür verantwortliche Lebewesen nicht einmal beschimpfen oder ebenfalls mit irgendeiner Flüssigkeit bekleckern.

Gegen 01.00 Uhr verlassen wir den Bierkönig. Loerz meint, dass wir unbedingt mal wieder dahin müssen. Ich meine gar nichts. Er geht anschließend nochmal ins Las Salinas, ich will nur zu meiner Banane. Als ich diese gerade verspeist habe klingelt mein Telefon. Loerz möchte mit den Frauen vom Las Salinas in die Liquid Lounge und sagt, ich solle mitkommen. Auf gar keinen Fall will ich in die Liquid Lounge. Ich sage ihm, er soll die Frauen grüßen und ihnen sagen, dass ich beim nächsten Mal auch nicht mitkommen werde. Die Liquid Lounge ist nicht meine Welt. Dieses sinnlose Ausgehen im Moment auch nicht. Liegt möglicherweise am Wetter, möglicherweise auch an mir.


Rush Hour
Rush Hour ist eine russische Disko in Dortmund. Es heißt, dass man dort die schönsten Frauen Dortmunds antrifft. Und da schöne Frauen gut fürs Auge sind beschließen Loerz, Sam und ich, dass wir uns den Laden mal ansehen.

Gegen 22.45 Uhr kommen wir dort an. Es ist noch nicht viel los. Am Eingang werden wir zunächst nach Waffen untersucht, dann geht es rein ins Vergnügen. Sofort ist uns klar, dass es hier tatsächlich was fürs Auge gibt. Schöne, schlanke Frauen wohin man auch guckt. Eine Art Paradies für uns alte Männer. Die meisten der leckeren Frauen sind vermutlich noch nicht einmal zwanzig Jahre alt. Doch das macht heute nichts. Heute wird geguckt. Der Laden füllt sich und die Anzahl der gutaussehenden Frauen steigt permanent. Man weiß gar nicht, wohin man gucken soll. Passend dazu ist die Musik auch noch gut. Ich denke, hier könnte ich beruhigt sterben. Besser kann es nicht werden. Meine beiden Begleiter sind vollkommen euphorisch und scheinen äußerst glücklich und zufrieden. «Warum haben deutsche Frauen nicht so geile, kleine Ärsche? Ich liebe Frauen mit kleinen Ärschen. Guck Dir die Mal an, was für ein geiler, kleiner Arsch. Die haben alle so tolle Unterschenkel. Was die für geile Klamotten anhaben. Und die haben alle so schlanke Beine. Ohne Minirock kommen Frauen hier wohl nicht rein. Guck mal da…hoho…ist das geil. Warum können deutsche Frauen nicht so aussehen? Warum sind deutsche Frauen so fett. Ab heute sind deutsche Frauen für mich gestorben. Hier komme ich jetzt öfter hin. Geile Idee hierher zu gehen. Boah! Ohhh!» Das ist nur ein kleiner Auszug dessen, was ich den ganzen Abend von Loerz und Sam zu hören bekomme. Da diese ganzen Schnecken meine beiden Begleiter ziemlich rollig machen, wollen sie anschließend noch ins Stade, um sich irgendeine willige Frau mit nach Hause zu nehmen. Der Gedanke ans Stade ist zu diesem Zeitpunkt besonders abstoßend für mich, würde er doch den Umzug vom Himmel in die Hölle bedeuten.

Als ich nach knapp zwei Stunden ziemlich müde werde, was an den verfluchten Rauchern liegt, welche die Luft verpesten, teile ich dem Loerz mit, dass es an der Zeit sei sich auf den Weg zu machen. Das ist ihm definitiv zu früh. Das will ich auch nicht abstreiten, aber je länger ich hier bleibe, desto widerwärtiger erscheint mir der Gedanke ins Stade zu müssen.
Nach ein paar Minuten gebe ich auf und stelle mich darauf ein, noch einige Zeit hier zu bleiben und die beiden später einfach vor dem Stade abzuladen. Kaum dreißig Minuten später will Sam plötzlich ganz dringend ins Stade, bevor es da nichts mehr zu holen gibt. Wie konnte er mich mit dieser Aussage nur aus meinen Träumen reißen? Ich will nicht ins Stade, aber ich füge mich, denn ich bin nur der Fahrer.

Es ist etwa 01.45 Uhr als wir im Stade ankommen. Es hat schon was von einem Gruselkabinett, was einem hier geboten wird. Wir gehen nach oben und Loerz quatscht direkt eine gutaussehende, blonde Frau an. Es läuft. Die beiden scheinen sich gut zu unterhalten. Sam scheint nichts Passendes zu finden und mir ist alles egal. Ich verschränke die Arme und beobachte das bunte Treiben. Nach etwa dreißig Minuten sagt die Frau, mit der sich der Loerz unterhält, dass sie in festen Händen ist. Sofort lässt er sie stehen. Dumm gelaufen. Hätte er sie direkt zu Beginn des Gespräches gefragt, ob sie vergeben ist, hätte er sich die Zeit sparen können. Was lernen wir daraus? Wenn wir was zum poppen suchen, die wichtigen Fragen sofort am Anfang eines Gesprächs stellen. Sonst verliert man zu viel wichtige Zeit und muss am Ende alleine nach Hause. Wenige Augenblicke später verlassen wir das Stade. Loerz zieht noch weiter ins Las Salinas. Wir beenden diesen kontrastreichen Abend und ich esse eine Banane, um den Abend ordnungsgemäß ausklingen zu lassen.

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