Spaziergang mit Folgen

Zusammen mit Petra mache ich den traditionellen abendlichen Spaziergang. Unweit meiner Wohnung werden wir plötzlich nass. Ein kleiner, persönlicher Schauer sorgt für unseren Unmut. Petra vermutet, dass es nur Wasser ist, ich tippe auf Pisse. Am Ende erkennen wir am Geruch, dass es sich um Bier handelt. Immerhin keine Pisse. In der dritten Etage auf dem Balkon bewegt sich etwas. Ein Scheißhaufen in Menschengestalt wirft eine Zigarettenkippe vom Balkon. Wir stinken, stehen aber außer Reichweite.
Ich habe das Bedürfnis herauszufinden, wer mich eingesaut hat und wir gehen zum Hauseingang, was ebenso sinnlos wie albern ist. Dort treffen wir auf eine Familie, die in dem Haus wohnt und fragen, wer in der dritten Etage wohnt. Fast wie in einem schlechten, deutschen Krimi. Nur noch schlechter. Weil wir längst außer Kontrolle sind, gehen wir mit der Familie durchs Treppenhaus, was natürlich vollkommen bescheuert ist und zu nichts führt. Wir erfahren, dass dort in der dritten Etage Zigeuner wohnen, die ständig Bier trinken und gerne Dinge über den Balkon entsorgen. Dann stehe ich auch schon vor der Tür dieser nutzlosen Lebewesen. Eiskalt drehe ich um und gehe wieder, denn ich habe keine Muskeln und auch keine Kraft. Ich kann den Mexikaner nicht hochheben und durchschütteln und das Geld für die Reinigung meiner Jacke auch aus keinem rausprügeln. Ich kann maximal Klingelmännchen machen, was kaum einen beindrucken würde und vermutlich auch keinen Spaß macht. So bedanke ich mich bei der freundlichen Familie für ihre Kooperation und verabschiede mich, lasse mir die sinnlose Aktion noch einmal durch den Kopf gehen, setze den Spaziergang fort und wasche mir direkt nach meiner Rückkehr in die eigenen vier Wände meine Haare. Spazierengehen ist auch nicht mehr das, was es einmal war.

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