Lübeck – Tag 1

Urlaub ist toll. Zumindest wenn man alles richtig macht. Trotzdem bedeutet so eine Urlaubsreise für mich erstmal Stress. Lediglich die Frage, welches Auto mich fährt, muss ich nicht beantworten, weil das Coupé ja rechtzeitig kaputt gegangen ist.

Kaum sitze ich im Benz setzt Entspannung ein. Kein Vergleich zum Coupé, obwohl der Benz ja auch ein Coupé ist. Lange bin ich nicht mehr so entspannt gereist und es stellt sich die Frage, warum ich sonst immer das Coupé statt dem Benz genommen habe, wenn ich mal in den Urlaub gefahren bin. Die Antwort ist recht schnell gefunden, ich mag es einfach nicht, wenn der Benz nachts draußen auf einem unbekannten Parkplatz steht. Dazu ist er nämlich zu geil. Dementsprechend müsste ich nachts immer draußen stehen, weil ich noch nie geil war. Störend ist bisher lediglich der viele Verkehr. Verkehr ist einfach nix für mich. Nicht einmal fahre ich schneller als 140. Meist tuckern wir mit 80 bis 120 durch die Gegend. Dann kündigt der Verkehrsfunk einen Stau an und meine Blase will entleert werden. Beim Autofahren muss ich meist schnell entwässern. Komische Angewohnheit. Wegen der Staugefahr fahre ich den nächsten einfachen Parkplatz mit WC an. Von WCs auf Rastplätzen halte ich wenig, weil sie meist ekelig sind. Doch da ich keine Wahl habe, habe ich keine Wahl. Ich parke vor dem WC-Häuschen und beobachte wer rein und raus geht, esse eine Banane und erst als ich sicher bin, dass keiner mehr drin ist, betrete ich das gruselige Häuschen. Es riecht fürchterlich und ich gehe direkt an den beiden Pissoirs vorbei in die Kabine. Wenn man hier wirklich mal ein Geschäft zu erledigen hat bei dem man sich setzen muss, sollte man lieber auf eine Wiese gehen. Derartige WCs sind einfach nur widerlich. Nachdem ich erleichtert bin, geht die die Fahrt weiter. Doch kaum bin ich zurück auf der Autobahn befinde ich mich tatsächlich im Stau. Die Frau im Radio sagt, es wird eine Stunde dauern, doch weil wir immer wieder etwas fahren, glaube ich ihr nicht. Während wir so vor uns hin tuckern kündigt das Navigationsgerät an, dass wir zwei Stunden in diesem Stau verbringen werden. Langsam bekomme ich Zweifel, ob ich nicht besser an der letzten Ausfahrt die Bahn verlassen hätte. Und dann stehen wir tatsächlich. Mitten auf der Autobahn. Ich schalte den Motor ab, esse eine Banane und beschließe, nie wieder so weit in den Urlaub zu fahren. Als ich überlege einen Spaziergang über die Autobahn zu machen und dabei ein paar Selfies zu schießen geht es ohne Ankündigung weiter. Aber nur eine Weile, dann heißt es wieder Stopp and Go. Im Coupé hätte ich vom vielen schalten und kuppeln sicher zu viel gekriegt, im Benz genieße ich das Automatikgetriebe und die bequemen Sitze. Obwohl ich schon fast drei Stunden unterwegs bin, tut mir nix weh.

Weil das Navigationsgerät es vorschlägt, entscheide ich mich für eine Alternativroute, verlasse die Autobahn, entdecke McDonalds und fahre hin. Hunger hab ich und obwohl ich erst vor einer Stunde auf der Toilette war, muss ich schon wieder. Bei McDonalds ist es voll, nur auf der Toilette zum Glück nicht. Nachdem ich mich erleichtert habe, schaue ich mich um und erkenne, dass man hier nicht am Schalter bestellt, sondern an so Bestelltafeln. Das erscheint mir zu kompliziert. Ich probiere neue Dinge nicht, wenn andere Leute mich dabei beobachten können. So gibt es nix zu essen und ich gehe zurück zum Benz.

Das Navigationsgerät ist nun der Meinung, die übliche Route über die A1 ist doch wieder die beste, also fahre ich zurück auf die A1 und genieße den zähfließenden Verkehr. Wenn ich doch nur was zu essen hatte. Nach einer Weile wird es besser, wir können wieder normal fahren, da entdecke ich, dass eine Burger King Filiale an der nächsten Ausfahrt auf mich wartet. Sofort verlasse ich die Autobahn und stelle fest, dass es vor Menschen an diesem Rastplatz und bei Burger King nur so wimmelt. Ich bin genervt, stelle mich brav für eine Mahlzeit an und werde plötzlich von einer Frau angesprochen. Ich verstehe nicht, was genau sie will, irgendwas mit Schlange. Ich sage ja, weil ich davon ausgehe, dass sie gefragt hat, ob ich in der Schlange stehe, was ziemlich offensichtlich ist und die Frage somit überflüssig war. Plötzlich sagt sie laut und auf ihre ganze unsympathische Art: “Das war mein Ernst!” Ich verstehe nicht, drehe mich um, gucke sie kurz an und dann ihre Begleiter, die auf ihren Telefonen schon die ganze Zeit Burger King Rabatt Coupons betrachten und überlegen, was sie schönes essen wollen. Miss Ernst will mir nun klarmachen, dass sie vor mir dran war und ich mich vorgedrängelt habe. Während ich weiter ihre Begleiter anschaue, sage ich, dass ich eher hier war und drehe mich um. Sie sagt noch irgendwas, dass ich nicht verstehe, weil ich nicht zuhöre, und meckert hinter mir stehend auch nochmal was vor sich hin. Ich beachte sie nicht weiter und bin froh, dass ihre Begleiter sich komplett raushalten, denn die sind offensichtlich stärker als ich, aber zum Glück zu sehr mit ihren Coupons beschäftigt. Als ich an der Reihe bin bekomme ich Pommes mit Ketchup und eine Cola, setze mich an einen freien Platz und betrachte die vielen Menschen. Ziemlich hässlich sind die irgendwie und so falle ich nicht weiter auf. Die Pommes bei McDonalds schmecken mir besser.

Ich hätte zur Toilette gehen sollen als ich essen war. Hab ich aber nicht, weshalb ich etwa zwanzig Minuten vor dem Ziel erneut einen Rastplatz ansteuere. Mein Benz muss mich für einen Idioten mit schwacher Blase halten. Die Benutzung der Toiletten bei Serways kostet zwar 70 Cent, dafür sind sie in einem guten Zustand.

Nach fünfeinhalb Stunden bin ich endlich am Ziel und nicht einmal völlig K.O. Es kommt eben doch darauf an, dass man im richtigen Fahrzeug reist. Da ich zu blöd bin ein Hotel direkt dort zu buchen, wo ich einen Großteil meines Urlaubs verbringen will, wohne ich etwa zehn Autominuten vom Stadtzentrum Lübecks entfernt. So kann ich wieder täglich pendeln. Ich sollte demnächst jemand anderes für mich ein Zimmer buchen lassen. Da ich zu allem Überfluss im Nebengebäude untergebracht bin, hat mein Zimmer kein W-Lan. War mir beim buchen zwar anders mitgeteilt worden, aber scheiß drauf, ich bin zu alt und hungrig, um mich darüber aufzuregen. Die angeblich vorhandenen Parkplätze für 3,50 Euro am Tag gibt es auch nicht. In der Regel findet man aber einen Parkplatz an der Straße vor dem Hotel. Nur vielleicht nicht immer direkt vor dem Hotel. Dumm finde ich nur, dass der nicht vorhandene Parkplatz ebenso zu den wenigen Dingen, die mir bei der Suche nach einer Unterkunft wichtig waren, gehörte. W-LAN, Parkplatz, Dusche und WC auf meinem Zimmer statt einem Gemeinschaftsklo und die Nähe zum Stadtzentrum. Bekommen habe ich nur mein eigenes Bad mit Dusche und WC. Statt der 800m zum Zentrum sind es etwa 6 Kilometer. Da muss ich zufrieden sein, dass das Zimmer keine Abstellkammer ist und um Längen besser als das Zimmer welches ich in Bremerhaven hatte.

Nachdem ich meine Sachen im Zimmer untergebracht habe, fahre ich ins Zentrum, parke unter Bäumen und beginne die Suche nach einem Lokal, welches meinen kulinarischen Ansprüchen genügt, was bedeutet, dass ich rat- und ziellos umherirre und nach einer Weile durchaus genervt bin, denn entweder gibt es nichts, was ich essen will oder es sind alle Plätze, die mir zusagen, belegt. Der erste Urlaubstag ist nie was für mich.
Irgendwann kurz bevor ich verhungert am Straßenrand verende, finde ich einen freien Platz und setze mich. Kaum sitze ich, stelle ich fest, dass der Platz mir nicht gefällt, denn ich sitze direkt in der Sonne und zwei Tische weiter sitzen drei Frauen von denen zwei direkt in meine Richtung schauen können. Eine tut es auch und so schaue ich oft zu ihr und sie zu mir. Ob sie wirklich zu mir oder nur in meine Richtung schaut, weiß ich natürlich nicht, aber ich will das nicht. Es hilft auch nicht, dass die Frau jung und attraktiv ist. Im Gegenteil, es stört und verunsichert mich nur. Als mir Orangensaft und Bruschetta serviert werden, bitte ich die Bedienung mir alles am Nebentisch zu servieren und zwar so, dass ich mich mit dem Rücken zu der jungen Frau setzen kann, die in meinem Blickfeld sitzt. Kaum habe ich mich umgesetzt, geht es mir besser. Nach dem Essen sitze ich noch mit meinem Orangensaft einfach so dar und höre wie die sechs Frauen am Tisch links vor mir einen Tisch reservieren wollen, weil sie noch jemanden erwarten. Tische werden hier nicht reserviert und als die Freunde der Damen auftauchen ahne ich bereits, was passieren wird. Der Kellner fragt, ob ich etwas dagegen hätte, wenn meiner und der nächste Tisch zusammengestellt werden und als ich sage, dass ich eh fertig bin, schiebt er schon die Tische zusammen und fragt, ob die Frauen ein Problem hätten mit mir am Tisch zu sitzen. Haben sie scheinbar nicht. Zum Glück habe ich ein Problem damit, trinke schnell meinen Orangensaft aus und will zahlen. Der Kellner erzählt noch was von neuen Kontakten oder so, aber ich will hier keine Kontakte knüpfen sondern nur noch weg. Wenn ich Interesse an Kontakten hätte, wüsste ich davon. Und hätte ich Interesse in meinem Urlaub mit Fremden zu sprechen, wäre mir das auch längst aufgefallen. Was stimmt nur mit den Menschen nicht?

Wenig später irre ich ziellos durch Lübeck und stelle irgendwann fest, dass ich keine Ahnung habe, wo ich überhaupt hin will und wo ich den Benz geparkt habe. So renne ich hin und her und kann mich erst als ich mit Hilfe von Google rausfinde, dass ich in der Nähe vom Burgtor parke, auf den Weg in die richtige Richtung machen. Als ich fast da bin, erkenne ich, dass ich zu Beginn meiner Suche nur wenige Meter vom Benz entfernt war. Was für eine Tragödie. Dadurch, dass ich unter Bäumen parkte ist der Benz komplett verklebt und ich kann kaum durch die Scheiben gucken. Jetzt wird mir wieder klar, warum der Benz nicht die erste Wahl für Urlaubsreisen war. Weil er Besseres verdient hat.

7 thoughts on “Lübeck – Tag 1”

  • Darum absolviere ich keine längeren Fahrtstrecken (wüsste eh kein Ziel). Ich kann zwar gut einhalten; aber wenn es denn mal soweit ist, ist es wirklich dringend. Ich würde eher ins Gebüsch gehen, als Parkplatztoiletten zu benutzen. Gerade Frauen können sich da abscheulicher benehmen als Männer 🙁

  • das liest sich doch nach einem abenteuerurlaub. da ich ja ganz andere strecken gewohnt bin, hey, so schlecht sind die sanitären anlagen auch nicht mehr. man muss sich ja nicht draufsetzen, und es stärkt die beinmuskulatur;-)))

  • Viel Spaß in meiner Heimatstadt! Essen kann man gut im TIPASA und unbedingt in den krähenteich hüpfen und schwimmen. Ein naturbad, mitten in der Stadt. Hach, Lübeck…❤️

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