Darmkrampfdienstag

Als ich in der Nacht gegen 03.00 Uhr aufwache fühle ich mich unbehaglich. Ähnlich wie in der Nacht davor, doch irgendwie auch anders. Ich gehe zur Toilette, erfreue mich nicht wirklich an nassen Winden und merke rasch, dass es damit dieses Mal nicht getan ist. Und dann beginnen sie, die immer stärker werdenden Darmkrämpfe. Ich komme nicht von der Toilette und versuche obendrein eine Panikattacke zu vermeiden, was nicht wirklich gelingt. Ich denke, wie könnte es auch anders sein, an die Vorbereitungen für eine Darmspiegelung, was die Gesamtsituation nur verschlimmert. Ich verlasse die Toilette, nur um wenige Sekunden später wieder Platz zu nehmen. Vermutlich hat die Behandlung bei der chinesischen Heilpraktikerin die schlimme Krankheit, die zweifellos in mir schlummert, endgültig geweckt. Ich werde elendig verrecken. Auf dem Klo.

Als ich mich irgendwann doch aus dem Badezimmer schleppen kann, nehme ich Balsamischen Melissengeist ein, nur damit ich wenigstens was getan habe. Schlafen kann ich nicht mehr wirklich. Erst als die Wärme der Heizdecke mich erwärmt döse ich für eine Weile ein und die Krämpfe ziehen sich kurzzeitig zurück. Gegen 05.00 Uhr ist die kurze Entspannung schon wieder vorbei und ich nehme erneut auf der Toilette Platz. Anschließend nehme ich Calmvalera, weil ich hoffe, dass mich die Tropfen etwas entspannen. Zurück im Bett nicke ich ganz kurz ein, stehe aber um 05.37 Uhr endgültig auf, weil das nichts bringt und ich sowieso zur Toilette muss.

Zum Frühstück mache ich mir einen Leber- und Galletee, lege eine Banane bereit und nehme zehn der Tabletten, die ich von der Heilpraktikerin bekommen habe. Die sollen ja bei nassen Winden helfen, wenn ich das richtig verstanden habe. Der Lärm, den mein Darm verursacht, ist enorm und noch bevor ich die Banane zu mir nehmen kann, sitze ich wieder auf der Toilette. Anschließend gibt es endlich die Banane. Bananen und Tee, mehr sollte ich vorerst nicht zu mir nehmen. Wenn man bedenkt, dass es mir gestern nach der Behandlung ziemlich gut ging, dann ist die Entwicklung mehr als besorgniserregend. Doch noch immer habe ich vor arbeiten zu gehen, weil es gestern ja auch ging als ich unterwegs war. Vielleicht kann ich mich mit meinen Innereien ja darauf einigen, dass ich am Tage einigermaßen Beschwerdefrei bleibe, dafür aber ein paar Tage weniger lebe.

So schlimm über einen so langen Zeitraum ging es mir wirklich lange nicht. Und ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, ob ich damals auch so häufig zur Toilette musste. Ich weiß nur, dass ich es damals kaum ertragen konnte und es jetzt wieder so ist. Für mich steht zweifelsfrei fest, dass es endgültig zu Ende geht. Ich weiß nicht, ob ich mir früher auch schon immer so sicher war, wenn es mir so mies ging, gehe aber davon aus, dass es so war, weil ich, das ist bekannt, einfach ein Weichei bin Allerdings heute ein tatsächlich sterbendes Weichei. Und während ich so vor mich hin sinniere, da denke ich, wie sollte es anders sein, über mein Leben nach und stelle fest, dass ich daraus einfach so gut wie nichts gemacht habe. Konsequenterweise finde ich mich augenblicklich einfach nur erbärmlich. Ich bin da rigoros, wenn ich krank bin leide ich, erwarte zu sterben und finde mich noch erbärmlicher als an normalen Tagen. Nebenbei stelle ich fest, dass ich psychisch völlig fertig bin und stelle mir die übliche, stets unbeantwortete Frage, was die wirkliche Ursache für meine Probleme ist. Kommen die Darmprobleme von der Psyche oder die psychischen Probleme wegen der Darmübelkeit? Gehört beides untrennbar bei mir zusammen? Und wie komme ich da wieder raus? Mir ist durchaus bewusst, dass viele Menschen wirkliche Probleme haben, aber darauf kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen. Zu diesem Zeitpunkt erscheint es ziemlich verlockend nicht mehr zu existieren. Das ist so erbärmlich, aber in einem solchen Zustand ist fürr mich alles erbärmlich, weil es mir erbärmlich geht.

Schluss mit den Gedanken, es wird Zeit mich frisch zu machen. Haare waschen und dann wieder auf der Toilette sitzen. Schaffe ich es wirklich zur Arbeit zu fahren und wann hört dieser Alptraum auf?

Auf der Arbeit wird es ganz langsam etwas besser, allerdings muss ich auf die Toilette, was ich nicht mag, weil da ja auch andere schon gesessen haben und ich nicht weiß in was für einem Zustand die waren als sie da saßen. Zum Mittag gibt es eine Banane und irgendwann weiß ich nicht mehr, ob mir übel ist, weil der Darm ruiniert ist, oder weil ich Hunger habe. Saft- und Kraftlos bringe ich den Arbeitstag zu Ende, ohne noch irgendwas zu essen. Immerhin habe ich einen Liter Flüssigkeit zu mir genommen. Die Rückfahrt ist durchaus abenteuerlich. Mehrmals schlafe ich fast ein und vor einer Ampel bleibe ich mindestens sechs Meter entfernt stehen und würge das Coupé ab. Warum ich das gemacht habe, bleibt mir Rätsel. Vielleicht bin ich eingeschlafen. Oder verwirrt. Vermutlich beides.

Zu Hause angekommen esse ich zwei Scheiben Brot, obwohl mein Hunger mehr will. Sofort geht es mir besser. Anschließend koche ich eine Stunde lang Möhren mit Kartoffeln, weil das gesund sein soll, wenn man Möhren so lange kocht. Konsequenterweise schlafe ich währenddessen kurz ein. Anschließend nehme ich die letzte Mahlzeit des Tages ein und stelle fest, dass Kartoffeln durchaus schmecken können. Ich habe ewig keine Kartoffeln zu mir genommen.

Ab etwa 20.00 Uhr merke ich, wie ich immer unentspannter werde und sich der Magen zusammenzieht. Ein echter Psycho macht niemals Pause. Später fängt der Darm an mir Geschichten zu erzählen, was ich durchaus unnötig finde, weshalb ich mich durchaus skeptisch in mein Bett verziehe, die Heizdecke anmache und wenig später tatsächlich das Bewusstsein verliere.

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4 thoughts on “Darmkrampfdienstag

  1. Ich habe mir das Archiv hier noch nicht ganz durchgelesen (ja, ich schäme mich auch 😉 ).

    Aber was für Untersuchungen hattest du bisher wegen dieser Probleme?

    Das liest sich so schlimm. Aber da muß man doch was machen können. Egal, ob physische oder psychische Probleme dahinter stecken. Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit scheint es ja nicht unbedingt zu sein.

    Ja, ich weiß, das liest sich so lockerflockig. Etliche Arzttermine, auf die man ewig warten muß etc.

    1. Ich schäme mich auch ständig. Ist schon okay.

      Ich habe vor einiger Zeit aufgehört Ärzte deswegen zu besuchen. Letztlich landet man immer bei der Darmspiegelung. Ich vertrage übrigens weder Milch noch Sorbit und versuche das Zeug zu meiden.

      Letztlich bin ich ein hoffnungsloser Fall, weil ich nicht gut auf mich aufpasse.

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