Magdeburg – Tag 1

Kaum auf der Autobahn, frage ich mich, warum ich nicht im Benz sitze, sondern im Coupé. Die Antwort ist schnell gefunden. Weil in meinem Kopf nicht alles sauber tickt, fahre ich nicht Benz. So einfach wie dämlich ist das. Bei Lehrte ist die erste Pinkelpause nötig und mir wird bewusst, wie heiß sich 38,5 Grad anfühlen. Der Parkplatz ist voller LKWs deren Motoren laufen, vermutlich um mit der Klimaanlage für angenehme Temperaturen im Inneren zu sorgen. Für mich ergibt das alles keinen Sinn, aber eines Tages bauen wir in Deutschland das Schienennetz aus, dann wird alles anders. Ach ne, versuchen wir ja schon seit Jahren, geht aus irgendwelchen Gründen, von denen ich keine Ahnung habe, nicht. Schade, denn es würde möglicherweise Sinn ergeben. Ich kaufe etwas Kaltes zu trinken, verzichte aber darauf etwas zu essen, da ich kein Freund der Serways Restaurants bin. Also gibt es ein paar Tuc Kekse, die ich zur Sicherheit mitgenommen habe. Anschließend fahre ich maximal 130, weil das schnell genug ist, wie ich finde.

Der Mann am Empfang des Hotels sagt, dass man maximal drei Tage braucht, um alles zu sehen, was Magdeburg zu bieten hat und scheint sich zu wundern, dass jemand so lange freiwillig Urlaub in Magdeburg macht. Mir geht es allerdings nicht darum, alles zu sehen, sondern vielmehr an einem unbekannten Ort, der mich interessiert, Zeit zu verbringen und meine Zwänge in diesen Tagen etwas in den Hintergrund zu stellen. Das gelingt zwar nicht immer, aber zu Hause gelingt es mir noch viel weniger. Manchmal glaube ich, dass ich mittlerweile so Kurzurlaube brauche, um zu überleben und um wenigstens ein bisschen aus meiner Verkrampfung zu entkommen. Mir ist durchaus bewusst, dass das nicht normal ist, aber so bin ich wohl und werde es immer bleiben.
Mein Coupé steht in der dritten Ebene des Parkhauses, weil es dort angeblich nur fünf Euro pro Tag kostet. Bin gespannt, was ich am Freitag tatsächlich zahlen muss. Ich wurde tatsächlich vorab einmal gefragt, ob eine Urlaubsaffäre vielleicht etwas für mich wäre. Nein, und ich will hier nicht einmal mit irgendeiner fremden Frau während meines Urlaubs kommunizieren. Das Thema Frauen ist durch, wobei es im Urlaub eh noch nie Thema war. Ich schaue mir die entzückenden Lebewesen gerne an, dann ist aber auch gut.

Nachdem die Sachen im Zimmer verstaut sind, geht die traditionelle Suche nach einem geeigneten Restaurant los. Die Auswahl ist groß und ich entscheide mich für das Restaurant La Piazza. Da ich meine Laktase Tabletten vergessen habe, ist die Auswahl allerdings begrenzt. So gibt es Penne alla Puttanesca. Sehr lecker. Anschließend mache ich mich auf meinem Zimmer nochmal frisch, putze mir die Zähne und wandere dann orientierungslos durch Magdeburg. Schon bald bin ich völlig K.O., weil ich vergessen habe etwas zu trinken mitzunehmen. So muss ich rasch einen Kiosk finden, was mir glücklicherweise gelingt, bevor ich umfalle. Mit 1,5 Liter stillem Wasser geht es zurück zur Elbe. Dort überquere ich die alte Hubbrücke, weil ich Brücken mag. Auf der Brücke sind viele junge Menschen. Ich war auch mal jung, ist aber lange her. Später sitze ich in der Nähe dieser Brücke und trinke mein Wasser, bevor ich weiter wandere. Ich genieße die Dämmerung und die Ruhe sehr, höre der Elbe beim Fließen zu und freue mich, nur selten Menschen zu begegnen. Obwohl ich noch nicht mag, muss ich irgendwann weg vom Wasser, weil die ganzen Insekten mich wahnsinnig machen. Mein Wanderausflug ist gegen 22.30 Uhr beendet und kaum bin ich zurück auf meinem Zimmer, ziehe ich Schuhe, Socken und Hose aus, öffne ein Fenster, spüre die etwas abgekühlte Luft von draußen, lasse mich aufs Bett fallen und schlafe ein. Etwa eine Stunde später setze ich mich auf, um aufzustehen. Doch kaum haben die Füße den Fußboden berührt, falle ich wieder nach hinten und schlafe mit den Füßen auf dem Boden nochmal ein. Wann konnte ich zuletzt einfach so loslassen und das Bewusstsein verlieren? Ich weiß es nicht.

2 Kommentare on "Magdeburg – Tag 1"


  1. Magdeburg? Der Kreuzgang im Dom ist wunderschön. Aber wahrscheinlich bist du ja schon längst wieder zu Hause.

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