Ein kurzer Krankenbericht

Als ich am Montag Fieber bekam, mich schlapp fühlte und öfter als gewöhnlich zur Toilette musste, ahnte ich nicht, wie gruselig und vor allem schmerzhaft die nächsten Tage für mich werden würden. Obwohl ich in der Nacht auf Dienstag kaum schlief und die Körpertemperatur konstant über 38 Grad blieb, wollte ich ordnungsgemäß arbeiten gehen. Etwa fünf Minuten nach dem Aufstehen wusste ich, dass das nichts wird.

Die Hausärztin zog mich mit einer Blasenentzündung für den Rest der Woche aus dem Verkehr, was mir zu lang erschien. Ich war sicher am Donnerstag wieder fit zu sein, schlief viel am Tag, musste oft zur Toilette, fand das Brennen beim Wasserlassen sehr unangenehm und fragte mich, woher ich diese Blasenentzündung hatte. Eine häufige Ursache ist ungeschützter Geschlechtsverkehr, alternativ gibt es Hygieneprobleme. Da ich mit dem Thema Sex schon vor einiger Zeit abschließen musste, bin ich wohl irgendwie unhygienisch im Umgang mit mir gewesen. Seltsam und auch bedenklich.

Das Fieber blieb konstant, die Probleme mit der Blasenentzündung leider nicht. Die Schmerzen beim Wasserlassen wurden so stark, dass ich seitdem mitunter ziemliche Schmerzlaute bei jedem Toilettengang absondere. Ein Besuch beim Urologen sollte Klarheit bringen und tat es möglicherweise auch. Die Blasenentzündung war im Urin nicht mehr nachweisbar, dafür hatte ich nun eine Prostataentzündung. Mein Körper hat quasi die nächste Stufe gezündet, passend dazu kletterte meine Temperatur auch mal über die 39 Grad. Prostataentzündungen behandelt man mit einem starken Antibiotikum und sollte mein Fieber nicht innerhalb von drei Tagen sinken, solle ich mich in der Notfallaufnahme melden, sagte ein nachdenklicher Urologe zu mir. Eine Blutuntersuchung ordnete auch er nicht an. Alles andere als begeistert holte ich das Antibiotikum aus der Apotheke, wollte aber nicht mit der Einnahme beginnen, weil ich erst am nächsten Morgen Eubiol bekommen sollte, womit ich hoffe, die Nebenwirkungen dieses gruseligen Antibiotikums zu lindern. Scheiß Chemie. Am gleichen Abend, also gestern, verabschiedete sich das Fieber, aber leider nur vorübergehend. Vermutlich weil ich auf die weitere Einnahme von Ibuprofen verzichtet habe, ist das Fieber seit etwa 17.00 Uhr zurück. Mit 38 Grad. Die Schmerzen beim Toilettengang sind unverändert und die Häufigkeit der Toilettengänge ist enorm. Weil keine Bakterien nachgewiesen wurden, kann es also sein, dass auch keine als Ursache in Frage kommen. Somit würde ich das Antibiotikum völlig unnötig einnehmen. Was weiß ich denn? Ich sollte nicht ständig alles hinterfragen. Ärzte sind kluge Menschen, die weise Entscheidungen treffen. Irgendwie erscheinen mir Ärzte bei ihren Handlungen spätestens bei genauerem Hinsehen aber alles andere als souverän und weise. Als würden sie raten und dann mit irgendeiner Behandlung starten. Raten Sie gut, sind sie die Besten, andernfalls versuchen sie es halt so lange bis es passt. Da ich mit den Schmerzen längst nicht mehr sitzen kann, liege ich im Bett und denke über die Einnahme von Ibuprofen 400 nach. Als hätte ich eine Wahl. Letztlich verzichte ich aber noch.

Als ich den Link zu helpmichael.de zugeschickt bekomme, weiß ich sofort, dass ich das heute nicht verkraften werde. Ich schaffe es kaum etwas zu lesen, dann passiert das Unvermeidliche. Tränen laufen über mein Gesicht. Ich spende, weil ich nicht anders kann und die Tränen laufen weiter. Minutenlang. Vielleicht war das dieser kleine Stein, der mein Fass zum Überlaufen bringen musste. Vielleicht hätten es tausend andere Steine sein können. Vielleicht bedeutet es nichts, vielleicht alles. Ich habe den Zugang zu meinem Kern vermutlich schon vor so langer Zeit verloren, dass ich nur Zugang erhalte, wenn das Fass voll ist. Vielleicht ist das alles auch nur totaler Blödsinn und so etwas passiert halt manchmal. Es ist befreiend und beängstigend zugleich, was auch immer es bedeutet.

Ich hatte noch nie vier Tage am Stück Fieber und es ist wenig hilfreich zu wissen, wie schmerzhaft der nächste Gang zur Toilette wird. Sollten sie sich also zufällig im Ruhrgebiet aufhalten und möglicherweise merkwürdige Schmerzlaute vernehmen, könnte ich das sein und es besteht keine Gefahr für sie. Einfach ignorieren, dann wird alles wieder gut. Und wenn es nicht gut wird, lasse ich Sie es vermutlich auch wissen.

Noch 24 Stunden Zeit fürs Antibiotikum mich zu retten.

13 Kommentare on "Ein kurzer Krankenbericht"


  1. Eine einmalige einstündige Infusion kostet 2,1 Millionen US Dollar??
    Bin ich zu misstrauisch, dass sich da was bei mir sperrt?
    Dir wünsche ich in jedem Fall gute Besserung! Und lieber einmal mehr zum Doc gehen, schaden kann es nicht. Grad wenn es nicht wirklich besser wird, obwohl es eigentlich sollte.

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    1. Bzgl. der Kosten: es handelt sich um eine Gentherapie, das bedeutet dass das defekte Gen des Kindes durch ein voll funktionsfähiges Gen komplett ausgetauscht wird. Gentherapien zu entwickeln ist sehr aufwendig und teuer und das Pharmaunternehmen wird höchstwahrscheinlich mehr als 10 Jahre Forschungsarbeit und -kosten in die Entwicklung investiert haben. Dies muss nun über den Preis wieder reingeholt werden und da für jedes kranke Kind „nur“ eine Einmaldosis benötigt wird und auch noch Gewinn gemacht werden soll, sind die Kosten leider entsprechend hoch.

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  2. Von mir auch. Und mal das Blut testen lassen. Ultraschall der Nieren, womöglich hast du Nierensteine.

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  3. Gute Besserung! Entzündungen im Körper sind die Hölle 🙁 Antibiotika leider auch – ich hoffe, die helfen schnell und ohne Nebenwirkungen.

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