Zell – Tag 1

Wegen der schlechten Wetterprognose wollte ich eigentlich mit dem Coupé fahren, doch beim kontrollieren des Reifendrucks hat ein Hinterreifen nur 0,8 Bar. Das gleiche Problem gab es schon vor dem letzten Urlaub, es ging nur unter, weil die beiden Vorderreifen damals Risse hatten und ausgetauscht werden mussten. Somit brauche ich auch dieses Mal nicht weiter nachdenken und fahre mit dem Benz. Erfreulicherweise zeigt sich das Wetter am Morgen von seiner sonnigen Seite, was mich milde stimmt.

Die Autbahnfahrt ist entspannt, aber sie zieht sich, weil ich nie mehr als 120 km/h fahren kann und zu viele Leute unterwegs sind. Während ich so über die Autobahn fahre, denke ich an frühere Fahrten im Benz mit meinen Eltern und meinem Onkel. Wir fuhren ab und zu mit dem Benz zu meiner Tante nach Burgwedel und es fühlt sich für einen Moment an wie damals, nur dass meine Mutter nicht neben ihr sitzt, mein Onkel nicht hinter mir und mein Vater nicht hinter meiner Mutter. Irgendwie vermisse ich das jetzt, aber es macht mich nicht traurig, es fühlt sich sogar irgendwie friedlich an. Sehr komisch, aber auch schön. Nach etwa anderthalb Stunden bin ich kurzzeitig etwas genervt, weil es total voll ist auf der Autobahn und ich von Baustelle zu Baustelle fahre, zumindest fühlt es sich so an. Doch wenig später bin ich wieder recht entspannt, aber auch etwas verspannt, weshalb ich die Sitzheizung anmache. Sofort wird es gemütlich als würde ich in einem Sessel sitzend durch die Gegend transportiert. Mit dem Coupé wäre das alles nicht einmal halb so schön. Auf den letzten Kilometern stelle ich fest, dass ich so entspannt bin, wie ich es noch nie während einer Anreise war. Möglicherweise bin ich sogar gut gelaunt. Dann denke ich über meine Darmprobleme nach und mir wird bewusst, dass ich von dem Tag an als ich das Antibiotikum eingenommen hatte, so wenige Darmprobleme wie ewig nicht hatte. Als ich das Antibiotikum nicht mehr nehmen musste, wurde es kurzzeitig wieder schlechter, doch dann wurde es wieder gut, weshalb ich das Eubiol seitdem weiternehme. Möglicherweise ist das Eubiol mein Schlüssel zum Darmglück. Komisch, was für Gedanken mir während einer Autofahrt durch den Kopf geistern. Nach etwas mehr als drei Stunden Fahrtzeit bin ich am Ziel und warte dort etwa zehn Minuten bis der Vermieter mir den Schlüssel bringt. Während ich an den Benz gelehnt völlig entspannt die Gegend betrachte, kommt ein Pärchen an mir vorbei und der Mann spricht mich an, weil der Benz ihm wohl gefällt. Ein kurzer Smalltalk folgt, dann gehen die beiden weiter. Mit dem Benz kann man echt Menschen kennenlernen, denn schon beim letzten Urlaub in Emden wurde ich wegen dem Benz angesprochen. Eines Tages wird der Benz vielleicht auch noch dafür sorgen, dass ich eine Frau ins Bett kriege. Ich muss nur geduldig sein, dann ist alles möglich.

Das Apartment/Zimmer ist irgendwie niedlich und hat einen schönen Balkon. Allerdings habe ich natürlich wieder mal keinen Moselblick, sondern starre nach hinten hinaus, was mir letztlich aber egal ist, weil es auch eine Art Tradition ist, dass ich nach hinten raus gucken kann. Da passt nur der Name der Unterkunft Mosel View für mein Zimmer irgendwie nicht. Was ebenfalls nicht passt ist die Tatsache, dass es sich meiner Meinung nach nicht um ein Apartment handelt, da es gar keine Küche gibt. Es gibt zwar einen Kühlschrank, eine Mikrowelle, einen Eierkocher, einen Wasserkocher und eine Kaffeemaschine, aber kein fließendes Wasser und auch kein Besteck. Entweder war ich zu blöd, das bei der Buchung zu erkennen oder die Beschreibung ist etwas irreführend. Wie auch immer, ich hatte mich eh darauf eingestellt oft auswärts zu essen und am Ende meines Urlaubs pleite zu sein. Man gönnt sich ja sonst nichts. Nachdem meine Sachen ordnungsgemäß abgelegt sind, mache ich einen kleinen Spaziergang durch Zell und bin begeistert. Noch nie kam ich so schnell im Urlaub an wie heute. Es fühlt sich an als wäre ich im Paradies und weil man im Paradies auch essen muss, bestelle ich eine vegane Pizza zum Mitnehmen bei Giovanni´s Ristorante Italiano nachdem ich mir einen ersten Überblick über die Lokalitäten im Ort verschafft habe. Die vegane Pizza ist hauchdünn und lecker. Doof nur, dass ich im Zimmer so wenig Platz und kein Besteck habe, so muss ich mir mit einem kleinen Löffel, den ich dabei habe, behelfen. Das ist nicht ganz perfekt, aber es macht mir auch nichts aus.

Nach dem Essen geht es wieder raus und natürlich zieht es mich aufwärts. Dummerweise wird mir bald etwas frisch und ich überlege mich wärmer anzuziehen. Vorher finde ich aber noch meinen ersten Cache in Rheinland Pfalz. Das macht keinen Sinn, aber durchaus Spaß. Zweite weitere Caches später geht es aber dann doch zurück, weil ich mich wärmer anziehen muss. Zurück im Zimmer schaue ich, was es so in dem Schubladenschrank zu finden gibt. Besteck und Geschirr. Interessant, wirklich sehr interessant. Obwohl es erst kurz nach 20.00 Uhr ist, findet der letzte Spaziergang des Abends bei völliger Dunkelheit statt. Komisch. Später muss ich die Frage klären, in welchem Bett ich liegen will und entscheide mich für die Seite, die näher zum Badezimmer und zum Kühlschrank ist. Wenn ich wollte könnte ich eine attraktive Frau neben mir übernachten lassen. Später im Bad frage ich mich, wie man wohl die beiden Lampen, die neben dem Spiegel angebracht sind, zum Leuchten bringt. Da ich keinen Schalter sehe, taste ich blind unter der Lampe herum. An der linken Lampe finde ich nichts, an der rechten ist eine Art Öffnung. Keine Ahnung, warum ich meinen nassen Finger da unbedingt reinstecken muss, aber ich mache es. Es zischt kurz, zumindest bilde ich es mir ein, dann fährt der Strom auch schon durch meinen Finger, den ich natürlich sofort zurückziehe, weil es direkt unangenehm wird und meinen Körper kurz zucken lässt. Das erinnert mich sofort daran, wie ich als frisch Pubertierender in eine Lampenfassung Griff. Auch damals wusste ich, dass es keine gute Idee ist, konnte es aber auch nicht nicht tun. Das hat mich noch ein wenig mehr durchgeschüttelt als das jetzt. Hoffentlich bin ich jetzt wenigstens wieder aufgeladen und voller Energie, um so richtig durchzustarten. Aber ich vermute, so funktioniert das nicht.

2 Kommentare on "Zell – Tag 1"


  1. Urlaub ist für mich all inclusive, absolute Fremde und Sonne bis Brand. Sauberes , möglichst Türkises Meer muss nahe sein und 25 grad mindestens haben. Direktflug versteht sich. Wohin auch immer. Das was sie machen und Urlaub nennen , muss ich aber akzeptieren. Welche sexy Frau möchte mit ihnen in einem pensionsbett in Bad wasweissich eine sexy Time haben? Pfuh. 😩

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