Bücher 2020


Das Glasauge
Es fängt mit der titelgebenden Geschichte an, die ein sehr gelungenes Ende zu bieten hat und geht weiter mit einem eingequetschten Bein, der Geburt eines Affen, verbrannten Füßen bis hin zu einem Eingeborenen-Stamm. Dazu gesellen sich ein Taubenvater, der eine nervige Frau hat und Abu Kathan, der eine wahrlich wundersame Reise macht. Die Geschichten sind durchgehend gelungen und in der Kille, Kille-Reihe ist es bisher für mich das eindeutig beste Buch. Absolut nach meinem Geschmack und durchaus makaber. Ein wunderbarer Lesespaß.


Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman
Es ist bereits das dritte Buch, welches ich von Wilhelm Genazino gelesen habe. Und auch dieses hat mir gut gefallen. Lediglich die Dialoge zwischen Linda und Weigand, dem Erzähler der Geschichte, konnten mich nicht begeistern. Obwohl es nur wenige Begegnungen zwischen den beiden gibt, sind diese von großer Bedeutung für den jungen Weigand, der nicht weiß, was er beruflich machen will und seinen Plan Frau, Wohnung, Roman in Gefahr sieht. Eine gut erzählte Geschichte, die mich mit einem angenehmen Schreibstil unterhalten hat.


Wie geht´s Dir, Deutschland?
Ein wahrlich interessantes Buch in dem unterschiedliche Menschen zu Wort kommen. Von einigen dieser Menschen hatte ich vorher noch nie gehört, andere waren mir durchaus bekannt. Die Begegnungen des Autors mit den Menschen lesen sich durchaus interessant und geben einige lohnende Einblicke. Man erfährt Dinge, die man von den Prominenten sonst vermutlich nicht erfahren hätte. Außerdem liest man von dem einen oder anderen, den man vorher möglicherweise noch nicht kannte. Man kann es prima in einem durchlesen oder man liest sich in kurzen Pausen die Geschichten zu einzelnen Begegnungen durch. Wie auch immer, das Buch ist durchaus empfehlenswert.


Wahrhaftig Mann sein – Männer entdecken sich selbst
Wahrhaftig Mann sein klingt schon so bekloppt, dass ich mir das Buch nie gekauft hätte. Dazu kommt, dass mir der Autor irgendwie unsympathisch erscheint, ohne dass ich ihn kenne. Zu meiner Überraschung fand ich den Anfang des Buches gar nicht schlecht geschrieben und durchaus interessant, wobei ich den Begriff „Schöpferverantwortung“ schon blöd finde und die Frage, ob ich ein Schöpfermann sein will oder ein Opfer zu abgedreht finde. Befremdlich finde ich auch Begriffe wie “Transformationswoche“, da verliere ich direkt jeglichen Lesefluss, wofür der Autor sicher eine Erklärung hätte, wenn er davon wüsste. Dabei könnte so eine Transformationswoche einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg in ein glückliches Mann-Sein bedeuten. Sollte ich je zu Geld kommen, muss ich mir so eine Transformationswoche unbedingt gönnen.
Belustigt hat mich besonders folgender Satz zum Thema Selbstbefriedigung. Wenn du bei deinem Penis angekommen bist, dann nimm Dir viel Zeit für ihn und die zwei süßen Eier darunter. Das ist so schlecht, dass ich es zweimal lesen musste, um sicher zu sein, dass es da wirklich steht. Insgesamt ist das Buch zwischenzeitlich durchaus interessant zu lesen, doch immer wieder streut der Autor Sätze ein, die bei mir nur Ratlosigkeit und Desinteresse erzeugen. Gegen Ende gibt es eine Art Zusammenfassung mit Hilfen, wie man sich, bzw. sein Verhalten, ändern kann. Besonders aufgefallen ist mir der Hinweis, dass man sich bei seinen Gefühlen bedanken soll und sie zuerst in silbernem und dann in violettem Licht baden soll. So sehr ich mich auch bemühe, ich kann bei solchen Sätzen nicht ernst bleiben und fühle mich verarscht. Aber vielleicht sind all die Kritikpunkte Gründe, weshalb ich kein wahrhafter Mann bin und auch nie werde. Letztlich ist das Buch nur teilweise nach meinem Geschmack. Es gibt zu viele Sätze, die ich einfach furchtbar finde, was aber prima zum Titel und zu meinen vorher geäußerten Bedenken passt. Weitere Bücher des Autors möchte ich nicht geschenkt bekommen, denn ich werde sie vermutlich nicht lesen.


Saturday Night Biber
Haben Sie schon mal daran gedacht, sich zur Biberberaterin ausbilden zu lassen? An einem Kaninhop-Turnier teilgenommen? Einen Mäusepräparierkurs gemacht? Sich einen Tag am Halfter herumführen lassen, um sich besser in die Psyche eines Alpakas einzufühlen? Mit einer Kuh gekuschelt?

Wieso das Buch in meine Sammlung kam, kann ich nicht mehr sagen, der Titel jedenfalls kann nicht der Grund gewesen sein, denn irgendwie mag ich den Titel nicht. Den Inhalt finde ich auch nicht wirklich besser. Mich hat das Buch leider nicht unterhalten und ich hatte auch kein echtes Interesse ein neues Kapitel zu beginnen. Für mich wirkte es oft irgendwie aufgesetzt, erzwungen lustig und unnatürlich. Das muss aber nicht sein, dass es tatsächlich so ist, aber mich hat es einfach nicht angesprochen.
Gestört haben mich zudem die Anmerkungen, die oft zu lang waren und die ich auch nicht gelesen habe, weil sie den Lesefluss komplett stören. Derart ausufernde Anmerkungen lese ich grundsätzlich nicht und ich weiß auch nicht wirklich, wozu das gut sein soll. Letztlich wundert es mich daher nicht, dass ich die letzten beiden Kapitel nicht mehr gelesen habe, weil ich mich beim lesen nicht durchquälen mag. Jedenfalls ist das kein Buch für mich und es hat auch kein Interesse an weiteren Büchern der Autorin geweckt.


Der Tagträumer
Die gesamte Familie mittels einer Zaubercreme zum Verschwinden bringen, das wäre doch was, denkt sich Peter Glück ― ein wenig aus Langeweile, ein wenig aus Trotz. Oder wie wäre es, einen Tag lang das Leben des Katers der Familie zu führen? Und was wäre erst, wenn Bewegung in die Puppen der Schwester käme und sie ihm ein Bein ausrissen?

Nachdem ich Solar gelesen hatte, war mir klar, dass ich ein weiteres Buch von Ian McEwan lesen würde. Der Tagträumer ist allerdings anders als erwartet, denn es ist eine völlig andere Art der Geschichte als bei Solar. Wenn ich es nicht gewusst hätte, hätte ich ausgeschlossen, dass es vom selben Autor ist. Gut geschrieben und unterhaltsam sind die Tagträume von Peter, um den es in dem Buch geht, dennoch. Lediglich eine der Geschichten hat mir so gar nicht zugesagt. Nach der kurzweiligen Lektüre steht jedenfalls fest, dass ich auch noch ein drittes Buch des Autors lesen werde.


Ein Regenschirm für diesen Tag
Geld verdienen kann man mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten. Zum Beispiel, indem einer seinem Bedürfnis nach distanzierter Betrachtung der Welt folgt, als Probeläufer für Luxushalbschuhe. Er duchstreift die Stadt mit englischem Schuhwerk, trifft dabei zwangsläufig auf eine seiner offenbar zahlreichen früheren Freundinnen, verfaßt Gutachten, für die er 200 Mark bekommt. Doch das Arrangement bröckelt. Seine letzte Freundin, Lisa, verläßt ihn, weil sie seine Weigerung, an der Welt mehr als nur flaneurhaften Anteil zu nehmen, nicht mehr erträgt.

Nachdem mir “Die Liebesblödigkeit” von Wilhelm Genazino gefallen hatte, war klar, dass ich ein weiteres Buch von ihm lesen werde. Ein Regenschirm für einen Tag ist nicht nur einen netter Titel, es ist auch ein für mich gelungenes Buch mit einer netten Geschichte über einen möglicherwiese etwas seltsamen Mann. Vielleicht ist aber das Leben auch merkwürdig und der Mann hat es einfach nur bemerkt. Ich wurde jedenfalls gut unterhalten und werde sicher ein weiteres Buch des Autors lesen.


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