Yankee Candle Winter Glow

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es zwischen vielen Düften von Yankee Candle schon eine gewisse Ähnlichkeit gibt. Doch das kann auch eingebildet sein.
Winter Glow ist eher ein milder Duft, der meiner Nase nicht besonders auffällt und mir dennoch irgendwie bekannt vorkommt. Das alles ist durchaus nicht unangenehm, aber für mich auch schwer zu beschreiben. Möglicherweise muss ich beim nächsten Mal mehr von dem Wachs nehmen, um den Geruch besser wahrzunhemen. Bis dahin bleibt Winter Glow für mich ein wenig intensiver Duft mit dem man letztlich aber wohl nichts falsch machen kann.

Verkalkungen

Weil mein Hausarzt vor einigen Monaten erkannt hat, dass die Verkalkungen meiner Bauchschlagader im Gegensatz zum letzten Jahr schlimmer geworden sind, sitze ich nun im Wartezimmer eines Kardiologen in Waltrop. Nachdem mein Hausarzt mir letztes Jahr bereits diese Verkalkungen bestätigt hat, besuchte ich einen Kardiologen in Lünen, der keine Verkalkungen entdecken konnte. Eine dritte Meinung erscheint mir daher mehr als angebracht.

Während der Untersuchung wird festgestellt, dass alles in einem meinem Alter entsprechenden Zustand ist. Verkalkungen kann auch dieser Kardiologe nicht erkennen, weshalb vermutlich davon ausgegangen werden muss, dass mein Hausarzt, der zum Glück nun im Ruhestand ist, entweder einen an der Waffel hat, oder eben mehr erkennen kann als ein Kardiologe es kann. Dieser Kardiologe möchte, dass ich im April ein Belastungs-EKG machen lasse und einmal im Jahr zur Untersuchung komme, da eine familiäre Vorbelastung gegeben ist. Da kann man nicht vorsichtig genug sein. Klingt durchaus logisch, weshalb ich davon ausgehe, mich regelmäßig untersuchen zu lassen. Bevorzugt in den Wintermonaten, weil da der Benz abgemeldet ist und nicht zur Werkstatt muss. Die Zeit kann ich also prima nutzen, um mich warten zu lassen. Ich bin wirklich prima durchstrukturiert.

Nachtblindheit und Schneeprobleme

In der Dunkelheit kann ich schon lange nicht mehr gut sehen, doch solange ich nicht Auto fahre, ist es kein Problem. Beim Autofahren sieht es dann schon etwas anders aus. Da muss ich mich schon ziemlich konzentrieren. Wenn es dann noch regnet und andere Autos mich blenden, wird es fast schon absurd. Dann suche ich nach Fahrbahnmarkierungen und stelle immer häufiger fest, dass diese kaum noch zu erkennen sind, weil die schon alt und völlig verblasst sind. Ich suche Anhaltspunkte am Seitenrand und wundere mich dennoch immer wieder, dass ich dazu neige von der Straßenmitte angezogen zu werden, ohne je den Plan gehabt zu haben, zur Mitte abzudriften. Auf der Autobahn, wenn vor mir gebremst wird, kann ich nicht einschätzen, wie stark da jemand bremst, halte unfassbar großen Abstand und hasse es, wenn sich jemand dicht bei meinem Coupé ans Heck hängt, weil er vermutlich selbst nichts sieht und so dicht auffährt, um sich orientieren zu können. Dass ich nicht alleine unter der Nachtblindheit leide, die zu einer gewissen Orientierungslosigkeit führt, erkenne ich auch oft, wenn irgendwer vor mir abbiegen will, wo es nichts abzubiegen gibt. Auf den Straßen sind definitiv noch Leute unterwegs, die weniger sehen als ich. Wirklich beruhigen kann mich das aber nicht.

Ein weiteres Problem stellen verschneite Straßen für mich da. Es ist gut, dass dies nur relativ selten vorkommt. Verschneite Straßen bieten nicht wirklich Halt und lassen mich zu einem echten Verkehrshindernis werden. Für mich und andere Verkehrsteilnehmer wäre es fast besser, ich würde die Strecke laufen und aufs Auto verzichten. Denn so wie ich fahre, würde ich zu Fuß auch kaum Zeit verlieren. Sobald die Räder auch nur minimal durchdrehen ist für mich der Spaß vorbei. Dabei fand ich es anfangs, als ich noch nicht lange meinen Führerschein hatte, mitunter spaßig und faszinierend, spontan zu beschleunigen und das Heck ein wenig ausbrechen zu lassen. Mittlerweile meide ich Schneefahrten, wann immer es möglich ist, weil sich das Fahren auf so einem Untergrund nicht gut anfühlt. Da fehlt mir die hundertprozentige Kontrolle, oder wenigstens das Gefühl der Kontrolle. Das ist ein Zustand, den ich einfach gar nicht leiden kann. Kontrolle ist alles.

Das eine und das andere Ich

Ich kann nicht behaupten, dass ich normal  bin. Oft glaube ich, dass mindestens zwei Personen in mir stecken. Wie bei einem 2 in 1 Pflegeprodukt. Diese Produkte kann man auch meist vergessen. Es gibt ein Ich, welches ich durchaus brauchbar finde. Dieses beobachtet meist alles, schweigt größtenteils und wenn es mal etwas zu sagen hat, dann ist es meist treffend. Es redet nie zu viel und scheint auch das intelligentere Ich zu sein. Dieses Ich wäre vollkommen ausreichend für mich doch dieses Ich schafft es leider nicht, sich gegen das andere Ich durchzusetzen. Dieses andere Ich redet zu viel und denkt zu wenig. Oder denkt erst, nachdem es geredet hat, versucht dann zu retten, was nicht zu retten ist, und macht alles nur noch peinlicher. Es ist definitiv das dümmere Ich. Dieses Ich würde ich zu gerne töten, weil es nicht nur unnütz ist, sondern mich auch immer wieder aufs Neue wie einen Vollpfosten wirken lässt. Das ist furchtbar, vor allem, wenn es vom anderen Ich bemerkt wird, was eigentlich immer der Fall ist. Dann fehlen dem eh meist schweigsamen Ich völlig die Worte. Etwas, was meinem anderen Ich sehr gut zu Gesicht stehen würde. Und so muss ich dieses vollkommen dämliche Ich, welches mit zunehmendem Alter auch immer mehr das andere Ich in den Hintergrund schiebt, vermutlich bis an mein Lebensende ertragen und hoffe inständig, dass ich es irgendwann zum Schweigen bringen kann. Dieses Ich ist einfach eine Zumutung und viel zu präsent. Vielleicht sollte ich einfach nicht mehr mit anderen Menschen reden, dann hat das dumme Ich endlich Sendepause.

Ein schöner Anblick

Eine Teilnehmerin aus einer anderen Maßnahme braucht kurzfristig eine Bewerbung, doch niemand der Angestellten hat Zeit für sie. Daher werde ich gefragt, ob ich mich darum kümmern kann. Da ich mich gerne um Frauen kümmere, lasse ich mir zunächst die Bewerbungsunterlagen der Teilnehmerin zeigen. Abgesehen davon, dass man da fast nichts ändern muss, ist auf dem Bewerbungsfoto eine hübsche, junge Frau mit braunen Locken und einem netten Gesicht zu sehen. So Aufträge nehme ich immer gerne an. Wenig später kommt die Frau zu mir. Maximal 1,65m groß, tolle Figur, nettes Lächeln und scheinbar makellose Haut bringt sie mit. Ich bin entzückt. Leider hat man ihr neben der tollen Optik eine echt heftige Stimme gegeben, die es in meinem Kopf kurz klingeln lässt, als sie zu reden beginnt. Das passt ja nun gar nicht. Was soll denn sowas? Wer produziert denn so etwas und warum? Nachdem ich mich von dem Schreck erholt habe, erkläre ich der guten Frau, was ich geändert habe und sehe in ihrem Lebenslauf, dass sie 35 ist. Ich hätte sie maximal auf 30 geschätzt, so niedlich wie die ausschaut. Weil sie ein so schöner Anblick ist, macht es fast nichts, dass sie eine so blöde Stimme hat. Man muss ja nicht immer reden. Wieso bekommen wir nicht mal so niedliche Teilnehmerinnen serviert? Interessanterweise sitzt während der ganzen Zeit, die ich mich um die Bewerbungsunterlagen kümmere, der Mitarbeiter, der keine Zeit hat, am Nebenschreibtisch und spielt mit seinem Smartphone. Muss ich nicht verstehen. Liegt vermutlich außerhalb meines Verständnisbereichs.

Am nächsten Tag, ich bin gerade verwirrt und starre vor mich hin, klopft es an der Bürotür. Anstatt etwas zu sagen, schaue ich nur zu Tür, die nach einer Weile geöffnet wird. Und da steht dieses schöne Lebewesen wieder vor mir. Da ist sie direkt an der Tür von Grete, der neuen zuständigen Kollegin, welche Steffi ersetzt, vorbei, nur um mir zu sagen, dass die Bewerbung nicht gut ankam. Ich frage mich, was ich da wohl wieder verzapft habe, als die junge Frau mir zeigt, was nicht so gut ankam. Lediglich eine Formulierung, die man dort, wo sie sich beworben hat, lieber so formuliert hätte, wie es vor vielen Jahren üblich war. Da wollte ein Wichtigtuer wohl einfach mal wieder zeigen, dass er es drauf hat. Wenn es nicht wirklich etwas zu bemängeln gibt, sollte man einfach schweigen. Andererseits hat mir dieser lächerliche Blödsinn jetzt diesen hübschen Besuch beschert. Heute redet sie zwar etwas mehr, was schon etwas wehtut, dafür lächelt das hübsche Geschöpf aber, was es sofort wieder ausgleicht. Sie hat ein paar Sätze der Bewerbung umformuliert und sagt, dass sie echt viel Zeit dafür gebraucht hat. Wäre vermutlich nicht nötig gewesen, aber ich lobe sie und sage ihr, dass es toll ist und jetzt auch viel mehr nach ihr klingt. Dabei kann ich das nicht beurteilen, ob das nach ihr klingt oder eben nicht. Sie allerdings freut sich und das ist schön anzuschauen. Ich weiß wirklich, wie man junge Frauen glücklich macht. So verlässt sie mein Büro, zeigt die Bewerbung stolz Grete und wird leider aus ihren Träumen gerissen, weil Grete irgendwas an dem Anschreiben zu bemängeln hat. Ich kann Frauen einfach nicht nachhaltig glücklich machen. Konnte ich noch nie. Schade.

Spaziergang mit Folgen

Zusammen mit Petra mache ich den traditionellen abendlichen Spaziergang. Unweit meiner Wohnung werden wir plötzlich nass. Ein kleiner, persönlicher Schauer sorgt für unseren Unmut. Petra vermutet, dass es nur Wasser ist, ich tippe auf Pisse. Am Ende erkennen wir am Geruch, dass es sich um Bier handelt. Immerhin keine Pisse. In der dritten Etage auf dem Balkon bewegt sich etwas. Ein Scheißhaufen in Menschengestalt wirft eine Zigarettenkippe vom Balkon. Wir stinken, stehen aber außer Reichweite.
Ich habe das Bedürfnis herauszufinden, wer mich eingesaut hat und wir gehen zum Hauseingang, was ebenso sinnlos wie albern ist. Dort treffen wir auf eine Familie, die in dem Haus wohnt und fragen, wer in der dritten Etage wohnt. Fast wie in einem schlechten, deutschen Krimi. Nur noch schlechter. Weil wir längst außer Kontrolle sind, gehen wir mit der Familie durchs Treppenhaus, was natürlich vollkommen bescheuert ist und zu nichts führt. Wir erfahren, dass dort in der dritten Etage Zigeuner wohnen, die ständig Bier trinken und gerne Dinge über den Balkon entsorgen. Dann stehe ich auch schon vor der Tür dieser nutzlosen Lebewesen. Eiskalt drehe ich um und gehe wieder, denn ich habe keine Muskeln und auch keine Kraft. Ich kann den Mexikaner nicht hochheben und durchschütteln und das Geld für die Reinigung meiner Jacke auch aus keinem rausprügeln. Ich kann maximal Klingelmännchen machen, was kaum einen beindrucken würde und vermutlich auch keinen Spaß macht. So bedanke ich mich bei der freundlichen Familie für ihre Kooperation und verabschiede mich, lasse mir die sinnlose Aktion noch einmal durch den Kopf gehen, setze den Spaziergang fort und wasche mir direkt nach meiner Rückkehr in die eigenen vier Wände meine Haare. Spazierengehen ist auch nicht mehr das, was es einmal war.

Yankee Candle Bundle Up

Der nächste festliche Duft ist zum Glück kein Reinfall und bringt meine Nase auch nicht zur Verzweiflung. Er ist zwar nicht völlig überzeugend, aber durchaus angenehm und nicht aufdringlich. Man kann damit prima den Raum beduften lassen, ohne das es irgendwie unangenehm wird. Nach was genau Bundle Up riecht, weiß ich nicht. Ich bilde mir gern ein, dass da irgendwie ein Hauch Waldmeisterduft enthalten ist, aber das denke ich vermutlich auch nur, weil die Tarts grün sind. Letztlich ist Bundle Up ein Duft, den meine Nase durchaus hin und wieder riechen mag. Und er hält mehrere Teelicher lang.

Filmkritiken: The Eyes of my Mother / Shin Godzilla

The Eyes of my Mother
Eines Tages kommt ein Fremder (Will Brill) zum Haus der Familie von Francisca (Olivia Bond). Der Mann tötet die Mutter (Diane Agostini) und wird dann vom Vater (Paul Nazak) erwischt und eingesperrt. Zunächst kümmert sich Francisca scheinbar um den verletzten Mörder, doch dann entfernt sie seine Augen und sorgt dafür, dass er stumm bleibt. Jahrelang füttert sie den Gefangenen, holt ihn irgendwann ins Haus, um Sex mit ihm zu haben und tötet ihn als er versucht zu fliehen. Ersetzt wird er von einer Frau, die Francisca zum Haus lockt und dann ebenso zum Schweigen bringt und die Augen entfernt. Das Baby der Frau zieht sie dann groß bis die Frau fliehen kann und somit letztendlich den Alptraum beendet.
Das klingt alles durchaus krank und ist es auch. Unfassbar langsam vorgetragen ist dieser Wahnsinn eigentlich nicht zu ertragen. Zu verstörend und abartig ist die Geschichte. So etwas wie Spannung sucht man vergebens. Abgesehen von der mit nur 76 Minuten recht geringen Laufzeit, spricht nichts für dieses verstörende Werk. Dass Francisca ihren toten Vater aufbewahrt und am Ende ihre Mutter ausgräbt, ist auch nicht unbedingt förderlich, passt aber insgesamt zu diesem durch und durch kranken Werk.

Fazit: So deprimierend und verstörend, dass man sich die Pulsadern aufschneiden möchte.

Shin Godzilla
Ein Monster aus dem Meer, radioaktiv und gefährlich, macht sich auf den Weg nach Tokio. Weil dieses Ungeheuer zu groß ist für die kleinen Straßen, geht natürlich viel beim Besuch des Ungeheuers, welches auf den Namen Godzilla getauft wird, kaputt. Und so beschließt man, Godzilla zu vernichten. Dummerweise ist das gar nicht so einfach, denn Godzilla kann sogar aus seinem Rücken schießen und sieht dabei völlig dämlich aus. So dämlich wie Godzilla möglicherweise noch nie ausgesehen hat. Das riesige, unbewegliche Gummimonster sieht anfangs allerdings noch dämlicher aus, verwandelt sich aber dann nach und nach immer mehr und sieht dann zwar weniger dämlich aus, aber immer noch zu dämlich. Bis Godzila endlich gestoppt wird, reden Politiker und andere wichtige Menschen ausgiebig über alles und langweilen sich und den Zuschauer fast zu Tode. Die meiste Zeit wird eigentlich nur geredet und bevor alle einschlafen wird dann kurz gezeigt, was Godzilla so macht. Steht meistens ziemlich steif irgendwo rum oder macht irgendwas kaputt. So gibt es in gut zwei Stunden so gar nichts, was Spaß macht und zur großen Freude, von wem auch immer, bietet das Ende die Möglichkeit einer Fortsetzung. Wenn das nicht deprimierend ist, was dann?

Fazit: Quitscheentchen in der Badewanne sind eindeutig unterhaltsamer und machen nichts kaputt.

Seminar mit Sonderling

Ob man es nun Fortbildung oder Seminar nennt, spielt keine Rolle, wichtig ist nur, dass ich dabei bin. Aber warum bin ich dabei? Zum einen, weil ich denke, dass man sich nicht immer verweigern kann und zum anderen, weil ich nicht möchte, dass mein Arbeitgeber mich für desinteressiert hält. Außerdem glaube ich, dass ich mehr und mehr verblöde, da kann etwas Input sicher nicht schaden.

Das Seminar hat den klangvollen Titel „Arbeitsmarktorientierte Potenzialanalyse“, was für mich direkt gruselig klingt. Aber ich habe eh viel zu viele Vorurteile, um das realistisch zu betrachten. Zumindest rede ich mir das ein und lasse es mir auch gern bestätigen. Insgesamt haben sich elf Interessierte eingefunden. Weibliche Interessenten sind mehr da, was ich durchaus zu schätzen weiß. Bevor es losgeht, stellt sich mir eine der Frauen vor. Erwartungsgemäß vergesse ich unverzüglich ihren Namen wieder. Als hätte ich Lochfraß im Gehirn. Maike, die von der Weihnachtsfeier, ist auch da und sieht wieder gut aus. Aber das tut nichts zur Sache, weil sie nicht am Seminar teilnimmt und auf meine albernen Witze, die ich zur Kontaktaufnahme präsentiere, nicht reagiert.

Zu Beginn des Seminars halte ich tapfer durch. Konzentriert lausche ich den Erklärungen zum Talentkompass NRW. Beim persönlichen Talentkompass mache ich anfangs noch mit, dann wird mir alles irgendwie zu abstrakt. Anstatt weiter konzentriert mitzumachen, fange ich an Striche zu malen und warte nur noch auf die Pause. Beim Lebensblatt bin ich komplett raus und klinke mich langsam völlig aus. Nur die Pause rettet mich vor dem völligen abdriften. Wir dürfen den Raum verlassen.
Weil ich vermutlich nicht zurechnungsfähig bin, lächle ich als erstes, und völlig ohne Grund, Maike an als ich sie sehe. Sie lächelt zurück. Konsequenterweise finde ich sie ab sofort sympathisch. Hoffentlich will ich sie nicht irgendwann auch umarmen. Dann mache ich etwas, was ich zuvor für unmöglich gehalten hätte. Anstatt nach meiner Kollegin und Carsten Ausschau zu halten, setze ich mich zum Dozenten, um eine kleine Mahlzeit zu mir zu nehmen. Zu uns gesellt sich die Frau, die sich mir anfangs vorgestellt hatte und unternimmt einen Versuch ein Gespräch mit mir zu führen. Ich gebe eine vermutlich abweisende Antwort und das Gespräch ist vorbei noch bevor es zu einem wurde. Dann setzt sich ein eine etwas schräge Sozialpädagogin an unseren Tisch. Das anschließende Gespräch findet ohne mich statt.

Später sitze ich mit Patzi in einer gemütlichen Sitzecke und wir unterhalten uns. Dann kommen der Dozent und die Frau ohne Namen zu uns. Ich erkenne mich kaum wieder.

In der zweiten Hälfte des Seminars habe ich mich in eine Art Standby-Modus geschaltet. Ich höre alles, was um mich herum gesprochen wird, schaue mich um, nehme alles zur Kenntnis, reagiere aber nicht mehr auf die Witze, die immer wieder gemacht werden. Selbst, wenn die Witze gut sind, bleibe ich irgendwie teilnahmslos. Als wäre mein Körper lediglich ein Kokon, der nicht viel mit mir zu tun hat. Ich wirke sicher gestört mit meiner eingeschränkten Mimik und meinem ganzen Dasein. Aber ich kann da jetzt nicht raus, kann nicht reden, kann nicht auf Witze reagieren, kann einfach nur anwesend sein und die Stimmen hören. Irgendeine Behinderung muss das sein, denn so ist das schon immer gewesen. Wenn mich etwas nicht interessiert, oder ich einen sonstigen Ausfall habe, klinke ich mich aus. Dann kann man mich auch nur schwer wieder einschalten. Daher bin ich innerlich sehr angespannt, als jeder von uns am Ende sagen muss, was für ihn gut und was für ihn weniger gut war. Ich weiß, dass ich nicht lügen kann. Ich kann nicht sagen, dass es mir gefallen hat, dass mich das weitergebracht hat. Ich will gar nichts sagen, so wie in den letzten neunzig Minuten schweigen. Ich spüre meinen Herzschlag, sehe mein Herz durch den Pullover schlagen. Ich bin sicher, dass alle es sehen, wenn ich an der Reihe bin. Ich schwitze. Dann bin ich an der Reihe, alle Augen sind auf mich gerichtet. „Positiv finde ich, dass wir recht pünktlich Feierabend machen.“ Ich schaue niemanden an. Gemurmel, leichtes Gelächter. Vielleicht halten es manche für einen Scherz. Ist es aber nicht. „Weniger positiv ist, dass ich mit all dem gar nichts anfangen kann.“ Ich komme mir vor wie ein Verräter. Gerne hätte ich etwas Positives gesagt, den Dozenten gelobt, aber es war nicht möglich. Ich kann das nicht. Wie ein irrer Zwang muss raus, was raus muss. Das Ende der Veranstaltung ist eine Erlösung. Außer mir hat sich jeder nur positiv geäußert. Keiner war froh, dass es endlich vorbei war. Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut und frage Carsten, ob mein Kommentar zu hart war. Er sagt, dass er genau das von mir erwartet hat, dass es klar war, dass ich es sage. Man kennt mich und manche scheinen es zu akzeptieren, was mich durchaus beruhigt. Dennoch frage ich mich, ob ich mir das nicht abgewöhnen sollte. Mein Bedürfnis gewisse Dinge auszusprechen hat mir schon das eine oder andere Mal Ärger gebracht und hier spricht sich alles immer schnell rum. Ich bin ein echter Sonderling.

Anspruch und Nutzen

Seit fast fünfzig Jahren schaffe es nicht meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Nicht einmal annähernd. Ich schaffe es nicht einmal mich zu mögen. Ich versuche Verhaltensmuster zu ändern, scheitere aber fast immer kläglich, so dass ich die Ernsthaftigkeit meiner Bemühungen hinterfragen muss. Gibt es doch mal Veränderungen, sind sie mir zu klein, um mich nachhaltig zufrieden zu stellen. Manchmal ist es echt schwer mich zu ertragen. Besonders in der dunklen Jahreszeit, deprimiere ich mich besonders. Ich bin echt eine einzige Enttäuschung und frage mich, welchen Nutzen mein Dasein wohl haben könnte. Vermutlich diene ich ausschließlich zur Unterhaltung der Macher dieses Spiels, das sich Leben nennt, und bin ausschließlich zu deren Belustigung hier platziert worden. Mehr Sinn kann es jedenfalls kaum haben, mich auf diesem Planeten, oder auf diesem Spiellevel, abgesetzt zu haben.

Immerhin war mir schon früh klar, dass ich nicht dazu gemacht wurde, um mit einem anderen Lebewesen zusammen zu wohnen. Wenn nämlich jemand mit mir zusammen leben müsste, hätte ich ständig ein schlechtes Gewissen, der Person so etwas zuzumuten. Ich würde auch nicht mit mir wohnen, wenn ich nicht müsste. Ich frage mich, ob ich bis zum Ablauf meiner Spielzeit noch herausfinde, welchen Nutzen ich wohl habe.