Der Vertrag zur Unterschrift

Neugierig bin ich schon, was in meinem Arbeitsvertrag steht, und so ist es nicht verwunderlich, dass ich die erste Gelegenheit nutze, um zu überprüfen, ob meine spontane Unterschrift, ohne auch nur eine Zeile zu lesen, ein Fehler war. Abgesehen von ein paar kleinen Schreibfehlern kann ich nichts entdecken, was gegen diese Unterschrift spricht. Wäre auch nicht mehr zu ändern. Nachdem ich die meisten Zeilen überflogen habe, denke ich, dass alles seine Ordnung hat und die Dinge weiterhin ihren Lauf nehmen werden. Und weil ich ein durch und durch positiver Mensch bin, beschließe ich, dass die nächsten dreizehn Monate alles so bleibt, wie es ist. Sollte ich dann noch leben und man mir eine neue Aufgabe zuweisen, mache ich mir Gedanken darüber. Aber für dieses Jahr hatte ich genug Aufregung und wenn ich mir keine groben Fehler erlaube und die Quote nicht unter die magische Grenze fliegt, sollte alles gut sein. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung.

Zweites Zimmer gebucht

Völlig unvorbereitet und irgendwie auch spontan buche ich ein Zimmer für meinen Ausflug im Juli nach Lübeck. Manchmal überrasche ich mich regelrecht selbst. Es ist aber auch verlockend einfach so ein Zimmer zu buchen. Und alles geht scheinbar tatsächlich ohne Anzahlung. Nicht einmal meine Kontodaten muss ich hinterlegen. Da könnte ich fast in einen Rausch geraten und ein Zimmer nach dem anderen buchen. Und das Beste ist, dass man bis kurz vor Reisebeginn alles kostenlos stornieren kann. Das bedeutet für mich, ich kann es mir jederzeit anders überlegen. Nur für den Fall, dass ich panisch werde oder sonstige Störungen auftreten. Vielleicht war früher doch nicht alles besser.

Ganz besondere Teilnehmer

Für den Mann ohne Zukunft haben wir einen würdigen Nachfolger vom Jobcenter geliefert bekommen. 26 Jahre, keine Ausbildung, nicht dumm, aber vollkommen Verhaltensgestört. Ständig kommt er zu spät, liefert großartige Erklärungen und hat immer Angst Ärger mit dem Jobcenter zu bekommen. Er möchte Bühnenmaler werden. Oder Koch. Vielleicht auch Konditor, weil nur diese Jobs zu ihm passen. Eine Meinung, die ich einfach nicht teilen kann. Er bewegt sich langsam, trägt stets die Kapuze seiner Kapuzenjacke auf dem Kopf, wirkt abwesend und lebt vermutlich in Wahrheit auf einem anderen Planeten. Jede Bewerbung, die er schreibt, trägt er ordnungsgemäß ins Bewerbertagebuch ein. Doch damit nicht genug. Jeder Buchstabe muss mindestens einmal übermalt werden. Ob das der Künstler in ihm so will, oder er eine Störung hat, vermag ich nicht zu beurteilen, vermute aber eine Störung. Für seine privaten Unterlagen, so sagt er, braucht er all diese Adressen auch. Doch statt das Bewerbertagebuch zu kopieren, schreibt er es einfach ab. In einer fast unerträglichen Seelenruhe wird Buchstabe für Buchstabe erst geschrieben, dann übermalt. Die hohe Kunst des Schreibens präsentiert von einem zukünftigen Bühnenmaler. Wie schade, dass wir keine Buntstifte haben. Zum Toilettengang meldet er sich ordnungsgemäß ab, davon lässt er sich nicht abbringen. Befreit sieht er nach dem Stuhlgang leider nicht aus.
In einem Gespräch erfahre ich, dass in seiner Familie während seiner Jugend etwas passiert ist, was sicher für seinen Zustand verantwortlich ist. Wieso seine Betreuerin vom Jobcenter nicht erkannt hat, dass dieser junge Mann in seinem jetzigen Zustand so gar keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben wird, ist mir ein Rätsel. Mir reichten dafür wenige Minuten. Aber ich bin möglicherweise auch ein Pessimist, der alle immer zum Therapeuten schicken will anstatt selbst alle zu therapieren. Ich würde dem Mann wirklich helfen, wenn ich könnte, aber weder ist es mein Job, noch bin ich dazu ausgebildet. Fak ist lediglich, dass dieser Mann ernsthaft gestört ist und Hilfe braucht, die er hier nicht bekommt.

Und natürlich hat man uns nicht nur einen hoffnungslosen Fall spendiert. Wir haben gleich mehrere davon. Es gibt noch einen Türken, der am Nachmittag im Nebenraum beten geht, und sagt, dass im Koran steht, dass ein guter Mann sein Geld selbst verdient. Er hat in den letzten sechszehn Jahren genau zwei Monate gearbeitet. Ob er sich dennoch für einen guten Mann hält? Es scheint jedenfalls so. Er erwartet ein Einstiegsgehalt von etwa 2000 Euro. Sicher nicht zu viel verlangt für einen ungelernten, aber gläubigen Mann. Im Moment bekommt er leider nur etwa 1800 Euro mit Kindergeld und dem ganzen Kram. Dafür ist er einer der freundlichsten Teilnehmer, die man so haben kann. Hilft nur keinem weiter.

Ein anderer Mann aus der Türkei lebt seit 16 Jahren in Deutschland, versteht nur wenig und dann bevorzugt auch nur das, was er verstehen will. Für ihn kommt nur ein Job als Polsterer in Frage. Alles andere lehnt er rigoros ab. Beim Jobcenter ist bekannt, dass er sich allem entzieht. Am liebsten sitzt er in einem türkischen Café und lässt es sich gutgehen. Seine Frau wird gelegentlich als Übersetzerin eingesetzt. Er kann weder alleine nach Stellen suchen noch sonst irgendwas tun, was nötig wäre, um einen Job zu bekommen. Doch man muss auch ein wenig Verständnis für seine Lage aufbringen, denn warum soll er etwas ändern, wenn doch längst alles gut ist? Nur Idioten tun so etwas. Und vielleicht noch solche, die zu Idioten werden wollen.
Die Frage, ob er versteht, was man von ihm will, beantwortet er stets souverän mit einem verneinenden Kopfschütteln. Lediglich als ich ihm einmal mitteilte, dass ich ihn abmahnen muss, hatte ich seine volle Aufmerksamkeit. Ich wusste schon immer, wie ich Aufmerksamkeit bekomme, auch wenn es keinem hilft.
Was wir mit ihm hier sollen, weiß ich allerdings nicht. Bei den Deutschkursen, die man ihn öfter machen ließ, hat er nie mitgemacht, weil es ihn nun einmal nicht interessiert. Das ist nur konsequent, denn man macht eh zu oft bei Dingen mit, die einen nichtinteressieren. Und so können wir am Ende auch von diesem Teilnehmer etwas lernen. Das finde ich schön. Vielleicht sollte man den Mann einfach in Ruhe lassen. Bringt eh nichts und so spart man am Ende auch noch Geld. Damit gäbe es am Ende nur Gewinner. Eine schöne Vorstellung, wie ich finde.

Neu bei uns ist eine junge Türkin, die stets Kopftuch und einen langen Mantel trägt. Angeblich gelernte Islamtheologin. Aber Genaues weiß man nicht. Sie sagt, sie will eine Ausbildung machen. Das Jobcenter will, dass sie als Theologin arbeitet. Sie sagt, außer einer Ausbildung zur Arzthelferin kommt für sie nichts in Frage. Ihr Schulzeugnis ist mittelmäßig, aber in zwei immens wichtigen Fächern konnte sie eine gute Note ergattern. In den Fächern „Herkunftsprachlicher Unterricht – Türkisch“ und „Türkische Folklore“. Ich wusste nicht einmal, dass so etwas unterrichtet wird. Mir fehlt vollkommen die Fantasie, was wir hier mit ihr machen wollen. Ein Tänzchen könnte sicher nicht schaden, würde aber keinem von uns wirklich helfen.

Ich habe mit alldem keine Probleme, denn jeder soll machen und werden, was er kann und will. Was mich allerdings ärgert ist die Tatsache, dass wir hier eine Quote zu erfüllen haben, die mit solchen Menschen niemals zu erreichen ist. Und das ist dann am Ende ein Problem, welches ich zwar erklären kann, was aber kaum einer akzeptieren wird, weil nur Zahlen die Wahrheit sprechen und gute Gründe maximal als Ausreden taugen.

Erstes Zimmer gebucht

Mein erster Ausflug des Jahres ist gebucht. Im Mai besuche ich Bremerhaven. Hoffentlich war das eine kluge Wahl. Ich habe mich für drei Nächte entschieden, weil man es auch nicht übertreiben soll mit dem Reisen. Außerdem brauche ich nach so einer Reise sicher etwas Zeit mich in der Heimat wieder zurechtzufinden. Und da ich nur eine Woche Urlaub habe, wäre ein längerer Aufenthalt sicher unverantwortlich gewesen.
Nachdem das erledigt ist, will ich den zweiten Ausflug auch gleich buchen, doch irgendwie habe ich plötzlich Zweifel, denn zwei Ausflüge in nur einem Jahr sind schon eine gewagte Sache, wenn man einen an der Waffel hat. Außerdem muss ich schauen, ob Lübeck nicht doch zu weit weg ist und ich für den zweiten Ausflug ein näheres Reiseziel wählen muss. Schließlich ist alles, was einen gewissen Radius überschreitet, eine ziemliche Herausforderung für Menschen wie mich. Mal schauen, ob ich es morgen schaffe. Oder übermorgen. Oder überhaupt.

Ein fast normales Wochenende

Es ist Samstag, Petra und ich waren zusammen essen, Manni war zusammen mit jemand anderem essen, Petra und ich waren einkaufen und jetzt sitzen wir mit Manni bei Kanne in Lünen und reden und reden und um uns herum sitzen fast nur Rentner oder solche, die aussehen als wären sie welche. Und dann bekomme ich echte Zweifel, ob wir nicht mittlerweile näher an der Rentnerklasse sind als es nötig ist. Manni erzählt von künstlichen Knien, die er irgendwann brauchen wird, Petra von ihrer Leidensgeschichte und mir wird plötzlich klar, dass wir in diesem Moment vermutlich älter sind als alle um uns herum. Wir führen Gespräche bei denen ich mich früher immer abwenden musste, weil man davon höchstens Depressionen kriegt und die einen auch niemals weiterbringen. Das ist also aus mir geworden. War es das wirklich, geht das jetzt immer so weiter? Ununterbrochene Gespräche über irgendwelche Leiden? Weil mehr nicht bleibt? Ich frage die beiden, wie es sein kann, dass wir reden als wären wir bald tot und müssten demnächst beerdigt werden, wo wir doch im besten Alter sind. Vermutlich muss ich mir einreden, im besten Alter zu sein, um nicht direkt darum bitten zu müssen, dass man mich einschläfert. Ich meine, es ist ja nicht nur worüber wir reden, es ist ja auch so, dass dieser Ausflug zu den Rentnern hier, einer der Aktivitätshöhepunkte meiner Woche ist. Da kommt nichts mehr. Der Sarg kann gezimmert werden, ich komme bald zum Probeliegen. Was mich noch mehr erschreckt ist allerdings, dass ich kein Aufbäumen mehr verspüre. Während Manni vor Ideen für den Sommer sprudelt, habe ich nicht wirklich was vor. Aufstehen, arbeiten, essen, fernsehen, schlafen. Und wieder von vorn. Alles also exakt so, wie ich es nie wollte, aber eben auch so, wie ich immer schon war. Nur jetzt halt in alt mit weißen Haaren, einem Bauch und gesundheitlichen Kleinigkeiten, die mich spüren lassen, dass ich nicht mehr bin, was ich nie war. Ist doch toll. Nach dem aufregenden und aufschlussreichen Ausflug wird direkt der samstägliche Routinevorgang gestartet. Sportschau, zwei Filme, etwas Musik hören, einschlafen. Alles, was ein Mann meines Formats braucht.

Es folgt der Sonntag. Die Sonne scheint und Sonne bedeutet, dass man eine Ausrede weniger hat inaktiv zu sein. Doch so langsam wird auch das egal, denn ich muss nichts tun, wenn ich nichts tun will. Sonne hin oder her. Die Stimme, die immer wieder sagt, ich muss etwas unternehmen und so kann es nicht weitergehen, wird immer leiser und irgendwann wird sie verstummen, dann endlich kann ich meine Passivität akzeptieren ohne schlechtes Gewissen. Lange kann es nicht mehr dauern. So sitze ich tatsächlich seit 11.00 Uhr vor dem Fernseher und schaffe es erst nach 13.00 Uhr eine Dose mit Suppe zu öffnen, um wenigstens zu essen. Dann gucke ich einen Film mit Günther Pfitzmann und es ist mir egal, dass der Film typisch deutsch ist. Würde ich jetzt ein Feinrippunterhemd tragen und Reste meiner Suppe darauf verteilt haben, wäre das Bild perfekt. Ich sollte echt über Feinrippunterwäsche nachdenken. Weil Manni und Petra plötzlich einen Spaziergang machen wollen, muss ich meine Feinrippfantasien unterbrechen und mich anziehen. Der aktive Höhepunkt des Tages steht an. Während des Spaziergangs meckert Manni ständig über die schlechten Bodenverhältnisse und ärgert sich, dass seine Schuhe dreckig werden. Petra bekommt einen Ast ins Gesicht, woran ich Schuld haben soll, was ich gemein finde. Wir versuchen Gespräche über Krankheiten im Keim zu ersticken und merken, dass man uns nicht ernst nehmen kann. Nicht einmal wir können uns noch ernst nehmen. Dann ist der Spaziergang vorbei und ich sitze bis etwa 22.30 Uhr vor dem Fernseher. An Feinrippunterwäsche denke ich nicht mehr.

Weil mein Wochenende länger ist als für viele andere, habe ich einen weiteren Tag Zeit mich der Passivität hinzugeben. Immerhin koche ich am Montag etwas zu essen und gehe zum Friseur. Auf dem Weg stelle ich fest, dass das Wetter eigentlich zu schön ist, um zu Hause zu sein. Da Manni arbeitet, Petra einen Arzttermin hat und ich nicht weiß, was ich machen soll, gehe ich brav nach Hause, wo ich nichts weiter tue als nichts zu tun. Ich kann wirklich stolz auf mich sein. Nachdem Petra beim Arzt war, geht es ihr nicht gut, weshalb wir später nur einen kurzen Spaziergang machen können. Dann frage ich mich, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn ich meine Arbeitszeit verlängere, weil ich eh nichts mit meiner Freizeit anfangen kann. Da ich mir aber vorgenommen habe, niemals freiwillig länger als 30 Stunden in der Woche zu arbeiten, kann ich mich schon kurze Zeit später von dem Gedanken verabschieden, den Fernseher einschalten und mein langes Wochenende standesgemäß ausklingen lassen.

Unterhosen

Bei meiner letzten Unterhosenzählung im Juni 2016 befanden sich 47 Unterhosen in meinem Besitz. 47 Unterhosen zu haben klingt sehr vernünftig. In der letzten Woche bestellte ich mit acht neue Unterhosen und als ich eben nachzählte kam ich nur auf eine Anzahl von insgesamt 38 Unterhosen. Selbst mehrmaliges zählen änderte an der Anzahl nichts. Das bedeutet, dass ich in nicht einmal zwei Jahren 17 Unterhosen entsorgt oder verloren haben muss, ohne mir dafür Ersatzunterhosen zu bestellen. Das klingt wenig glaubhaft und für einen Mann mit meinen Verhaltensmustern absolut untypisch und unlogisch. Ich entsorge doch nicht in zwanzig Monaten 17 Unterhosen und kaufe dann lediglich acht neue. Ich glaube, irgendwas stimmt nicht mit mir. Kurz nach meiner letzten Zählung habe ich meinen aktuellen Job angetreten und ich vermute, dass es etwas damit zu tun haben muss. Scheinbar sind Unterhosen für mich als berufstätiges Lebewesen nicht mehr so wichtig. Möglicherweise habe ich in den letzten Monaten einfach mehr Wert auf andere Kleidungsstücke, die für andere Personen sichtbar sind, gelegt. Die Anzahl an Schuhen, Pullovern und Shirts ist seitdem jedenfalls gestiegen. Das ist alles sehr merkwürdig und die Zahl 38 gehört jetzt auch nicht zu den Zahlen, die irgendwie schön sind oder mir gar gefallen. Daher werde ich mir schnellstmöglich neue Unterhosen bestellen müssen. Am besten gleich neun auf einmal, dann wäre die alte Ordnung wiederhergestellt und ich müsste mir keine Gedanken mehr machen.

Gelesen: Weißer Zug nach Süden

Der weiße Zug nach Süden ist ohne mich abgereist, denn dieses Buch konnte mich so gar nicht begeistern. Nach nettem Anfang fangen die Dinnge an mich zu stören, denn in der Geschichte geht es unter anderem um einen Mann, der Geschichten schreibt. Seine Putzfrau liest diese und der Leser des Buches darf sie natürlich mitlesen. Dummerweise haben diese Geschichten, die am Ende auch immer länger werden, meinen Leserhythmus total gestört. Sie haben mich auch nicht interessiert und so habe ich die letzten auch nur noch überflogen. Die Auflösung des Ganzen konnte mich ebenso wenig begeistern. Nach langer Zeit mal wieder ein Buch von Thommie Bayer mit dem ich nichts anfangen kann. Schade, aber kein Grund nicht bald das nächste Buch von Herrn Bayer zu lesen. Es kann halt nicht immer passen.

Urlaubspläne

Nachdem geklärt ist, dass ich auch dieses Jahr vermutlich nicht arbeitslos werde, fände ich zwei Kurzurlaube durchaus sinnvoll. Anfang Mai und Anfang Juli habe ich Urlaub, da kann der alte Opel mich irgendwohin transportieren. Weil ich nicht wirklich eine Ahnung habe, wohin es gehen soll, tendiere ich nach kurzer Überlegung zu Bremerhaven. Das könnte zu mir passen. Den anderen Ort auszuwählen ist schwieriger. Es gibt viele Orte, die einen Besuch lohnen könnten. Cochem, Saarburg, Melsungen sind in der engeren Auswahl, weil finanzierbar. Lübeck, Kiel und Papenburg haben Außenseiterchancen. Hamburg ist eigentlich für dieses Jahr geplant gewesen, aber irgendwie scheint es mir zu teuer und ich weiß nicht, ob es mich wirklich reizt. Wichtig ist, dass es Parkplätze vor meinem Hotel bzw. der Pension gibt, Dusche und WC mit niemandem geteilt werden müssen, und ich mich wohlfühle. Plan ist es, dass ich bis Ende der Woche einfach irgendwas buche, damit ich die Urlaube nicht zu Hause verbringe, oder für die Aufenthalte mehr zahle als mir lieb ist. Was mich etwas stört ist die Tatsache, dass Doppelzimmer oft um einiges günstiger als Einzelzimmer sind. Vielleicht sollte ich einfach ein Doppelzimmer buchen, um Geld zu sparen. Vielleicht sollte ich mich aber erstmal für die Reiseziele entscheiden.

Vertragsunterschrift

Zur Vertragsunterschrift sind nur Maike und ich anwesend. Sie legt mir den Vertrag vor, den ich nicht lese. Stattdessen sage ich, dass ich den Vertrag nicht lesen muss, weil ich davon ausgehe, dass da das gleiche stehen wird, wie im ersten Arbeitsvertrag. Maike sagt, dass dort steht, dass der Vertrag unbefristet ist, das ausgehandelte Gehalt aufgeführt wird und ich eine Vier-Tage-Woche habe. Ich erwidere, dass das mit der Vier-Tage-Woche nicht im alten Vertrag stand, aber da ich eh eine Vier-Tage-Woche habe, schon okay ist. Ich schaue nicht, ob da vielleicht steht, an welchem Tag ich fei habe und erst recht nicht auf die Urlaubstage, die sich bei einer Vier-Tage-Woche dementsprechend ändern werden. Man kann mich also als naiv und dumm bezeichnen, aber ich glaube halt an mündliche Absprachen. Zumindest will ich es. Da aber alle Menschen lügen und betrügen und nur auf ihren Vorteil aus sind, kommen mir auf dem Rückweg Zweifel, ob es wirklich so klug war, ohne auch nur einen Blick auf den Vertrag zu werfen, meine Unterschrift darunter zu setzen. Sobald ich den von der Geschäftsführung unterschriebenen Vertrag demnächst ausgehändigt bekomme, was nach meiner Aussage nicht eilt, lese ich mir ihn durch. Dann wird sich zeigen, ob ich ein Vollidiot bin oder noch ein Hauch von Hoffnung besteht. Ich tendiere ja durchaus dazu ein Vollidiot zu sein. Es bleibt jedenfalls spannend.

Flurwoche

Offiziell werde ich immer leugnen, dass ich gewusst habe, ich wäre an der Reihe den Flur zu putzen. Obwohl der Putzplan direkt neben meiner Wohnungstür hängt, werde ich einfach sagen, dass ich mir so Pläne nicht ansehe, weil solche Pläne mich nur deprimieren. Schon alleine die Vorstellung, den Hausflur zu putzen, bereitet mir Unbehagen. Ich habe fast fünfzig Jahre derartigen Unsinn vermieden und nun so etwas. Dass meine Nachbarin zurück kommt und weiter für mich putzten kann, glaube ich nicht. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht einmal mehr, dass sie überhaupt zurückkehrt. Wenn ich nicht schnell Ersatz für sie finde, werde ich auf meine alten Tage echt noch zum Flurputzer. Das möchte ich nicht.