Die Puddingfrau

Zum ersten Mal hat sie uns im Sommer 2016 besucht, um sich über die Maßnahme von Alpha zu informieren. Sie wirkte jünger als sie war und es war ein lustiger Plausch. Sie nahm nie an der Maßnahme teil. Ein paar Monate später war sie wieder da. Dieses Mal wurde ihr unsere Maßnahme vorgestellt, und wieder war es sehr unterhaltsam und wir haben viel gelacht. Sie sollte dann bei uns teilnehmen, tauchte aber niemals auf. Nun, gut 16 Monate nach der ersten Begegnung, sitzt sie wieder vor mir. Sie sieht nicht mehr Jahre jünger aus, hat deutlich zugenommen und wirkt ziemlich reduziert. Die Agilität, die ein Teil von ihr war, ist nicht mehr vorhanden. Ihr früher fast schon spitzes Gesicht ist zu einer Art Puddinggesicht geworden und ich kann nicht einmal sicher sein, dass vor mir dieselbe Frau sitzt, die uns damals besuchte. Um Jahre gealtert sitzt sie da, hört was ich sage, reagiert langsam und völlig emotionslos. Sie wirkt wie ein Pudding, der auf äußere Anreize mit der gewohnten Trägheit eines Puddings reagiert. Weder meine Versuche mit albernen Witzchen die Stimmung aufzulockern, noch meine einfühlsame und verständnisvolle Art, bewirken wirkliche Reaktionen. Es scheint als reagiere sie auf alles durch eine für mich unsichtbare Nebelwand. Ich suche nach Leben in ihrem Gesicht, irgendwas von dem, was bei ihren ersten Besuchen noch da war, doch ich finde nichts. Ich sehe einen Pudding in Menschengestalt mit einem reduzierten Artikulationsumfang. Nie zuvor ist es passiert, dass ich mein Gegenüber so wenig erreichte. Es ist als hätte man sie unter Drogen gesetzt und jegliche Menschlichkeit ist unter all dem Pudding verschwunden. Für einen Moment bin ich wie gelähmt, weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Stelle dann Routinefragen, frage, ob sie irgendwelche Wünsche hat, ob sie einen bestimmten Coach haben will. Alles ist ihr recht, sie verspricht lediglich, dass sie dieses Mal auf jeden Fall teilnehmen wird. Ich weiß nicht, ob das gut für uns alle ist. Es erscheint mir absolut unmöglich auf irgendeine Art und Weise zu ihr durchzudringen. Die Frau hinter all dem Pudding wird von uns nicht zu finden sein. Wir sind keine Psychologen, nur Jobcoaches.

Ich bespreche den Fall mit ihrem Betreuer vom Jobcenter. Ihm geht es nicht unbedingt darum, dass sie einen Job bekommt, sondern, dass es ihr besser geht und unsere Maßnahme hält er dafür für geeignet. Ich bin dafür nicht ausgebildet, denke, dass sie andere Hilfe braucht, sage aber nichts, weil ich mich auch irren kann. Sollte sie zu uns kommen, wird es definitiv unsere größte Herausforderung. Wir können sie auf keinem Fall unserem dritten Mann anvertrauen. Das ist eigentlich alles, was ich entscheiden kann. Vielleicht haben wir alle Glück und sie muss nicht zu uns kommen. Alles hat seine Grenzen. Dies sind unsere.

Yankee Candle Lemon Lavender

Auch der nächste Duft gefällt mir. Langsam könnte der Eindruck entstehen, dass ich alle Düfte toll finde, was mir unwahrscheinlich erscheint. Lemon Lavender hat durchaus etwas frisches und ist mir auch anfangs zu intensiv, weshalb ich nach einer Stunde das Teelicht auspusten musste. Vielleicht ist es einfach nicht so sinnvoll, sehr nah neben dem Duft Platz zu nehmen. Da mir aber kein besserer Platz einfällt und meine Wohnung nicht wächst, wird es wohl bleiben, wie es ist. Auch diesen Duft kann ich durchaus immer wieder nutzen, um eine besondere Wohlfühlatmosphäre zu schaffen.

Nichts zu sagen

Ich verstehe Menschen nicht, die immer reden müssen, ohne etwas zu sagen zu haben. Woher kommt dieses Bedürfnis sich mitzuteilen, der Wunsch nach verbalem Austausch? Wem nützt er, wenn er nützt? Ist es nur des Redens Willen? Müssen Menschen wirklich kommunizieren? Also ich meine so rein privat, wenn es doch eigentlich nichts zu sagen gibt. Wem nützt es mehr, wenn einer der beiden Gesprächspartner im Grunde immer nur dasselbe von sich gibt? Dem, der redet, oder dem, der es sich anhört. Und stört dieses leere Gequatsche den, der es sich anhört, oder findet er es nicht so schlimm, wie ich es zumeist finde? Und warum nervt es mich so? Sind solche Gespräche denn tatsächlich mehr als Zeitüberbrückung oder gar Zeitverschwendung? Ist es fair jemanden mit seinem Nichts vollzutexten? Kann man das nicht einfach abstellen und diese unwichtigen Dinge totschweigen bis man sie vergessen hat? Was hindert Menschen am Schweigen? Manchmal macht es mich auch wütend und enttäuscht mich, wenn jemand redet, ohne dass ich wirklich erkenne, was dahinersteckt. Und wenn das passiert, dann bin ich meist derjenige der redet, ohne was zu sagen und sobald mir das bewusst wird, nehme ich mir immer wieder vor endlich weniger von diesem öden Dünnschiss von mir zu geben. Wieso kriege ich das nicht zu meiner vollsten Zufriedenheit hin, das unnötige Reden immer weiter zu reduzieren, bis nur noch Gehaltvolles aus mir strömt oder wenigstens Unterhaltsames? Spätestens bis zu meinem fünfzigsten Geburtstag will ich das hinkriegen. Das erscheint eine sinnvolle Aufgabe zu sein. Dumm nur, dass ich so vergesslich bin, diesen Plan sicher wieder und wieder vergesse, und immer und immer wieder rede, ohne etwas zu sagen. Eine wahrlich unerfreuliche Angewohnheit.

Facharztroutinen

Mindestens sechs Jahre hindern mich Knieschmerzen schon am Joggen. Diverse Ärzte habe ich konsultiert und nicht einer konnte auch nur ansatzweise helfen. Und eigentlich hatte ich mit dem Thema auch abgeschlossen, doch da ich nun seit über einem Jahr gar keinen Sport mehr mache, wollte ich einen letzten Versuch wagen, bevor ich mich endgültig in die Altersbewegungslosigkeit verabschiede.

Bevor ich überhaupt vom Arzt untersucht oder befragt werde, schickt man mich erstmal zum Röntgen, was mir merkwürdig vorkommt. Aber letztlich ist es auch egal, denn egal ob vor oder nach dem Gespräch, röntgen ist sowieso Pflicht. Das kenne ich nicht anders und es führte bisher immer nur zu der Aussage, dass man auf den Röntgenbildern nicht wirklich was erkennen kann. So auch heute. Ich erzähle dem Arzt von meinen Beschwerden, er guckt sich das Knie an, biegt etwas, drückt etwas und kann, wer hätte das gedacht, nichts feststellen. Also ordnet er eine MRT-Untersuchung an. Gab es irgendwann auch schon mal, wenn ich mich recht erinnere. Doch da ich mir vorgenommen habe ein letztes Mal alles mitzumachen, soll es halt so sein. Dazu schreibt er mir fünf Ultraschallbehandlungen auf. Ich habe zwar derzeit keine Beschwerden, weil ich nicht jogge, aber Ultraschall hatte ich noch nicht, da kann man das ja einfach mal mitnehmen. Immerhin sagt er nichts von möglichen Zuzahlungen. Weil es gerade so gut läuft, möchte er mir noch ein Tens-Gerät aufschreiben. Ich weise darauf hin, dass ich schon eins habe und das Thema ist durch. Ob und wie ich das nutze, wird nicht gefragt. Warum auch? Sollte beim MRT nichts festzustellen sein, werde ich an einen Kniespezialisten überwiesen. Damit verabschiedet sich der Arzt und die junge Frau, die alles mitnotiert hat, macht die Überweisung fertig und wünscht mir gute Besserung. Perfekte Routine vom ersten bis zum letzten Moment.
In der Therapieabteilung lasse ich mir die Termine für die Ultraschallbehandlung geben. Das bedeutet, ich fahre bald für Behandlungen, die zehn Minuten dauern, fünfmal nach Waltrop. Die letzte Behandlung ist im Januar. Wieso bin ich nur so skeptisch, dass es irgendwas nützen wird?

Der MRT Termin findet am 05.12. in Castrop-Rauxel statt. Danach wissen wir vielleicht mehr, oder weiterhin nichts. Ich sollte mir echt ein anderes Hobby zulegen, anstatt mich irgendwelchen Arztroutinen hinzugeben. Oder bin ich nur zu skeptisch und dieses Mal wird alles anders, auch wenn es nicht so scheint?

Sextraumtrilogie

Sexträume hatte ich mir für eine lange Zeit abgewöhnt, dann gab es vor einer Weile wieder eine Phase und als sie vorüber war, dachte ich eigentlich, dass Schluss damit ist. Schließlich bin ich keine 27 mehr. Doch in den letzten Tagen ging es wieder los. Abgesehen davon, dass ich nach einem Sextraum immer wieder wach werde, bringt das auch sonst keine Vorteile. Doch irgendwie hat sich da eine Sextraumwelle eingeschlichen. Eigentlich besteht der Traum aus drei Sequenzen, die wohl irgendwie zusammen gehören. Sie folgen nicht aufeinander und maximal zwei dieser Szenen finden in einer Nacht statt.

Teil 1: Ich liege mit einer Frau im Bett. Wir sind nackt, unsere Körper engumschlungen. Wir küssen und berühren uns. Es ist total erregend sie zu spüren, ich bin völlig entspannt und genieße diese Nähe. Doch dann will ich wissen mit wem ich da im Bett bin und öffne die Augen. Die Frau, die ich sehe, will ich nicht. Ich weiß, sie ist etwas schlichter und überhaupt nicht mein Typ. Viel zu schlicht, um erotisch zu sein. Ich mag ihr Gesicht nicht, obwohl sie nicht hässlich ist. Aber es strahlt eben nicht wirklich etwas aus. Ich versuche mich aus der Umarmung zu lösen, doch sie ignoriert mich völlig und bald gebe ich auf und genieße wieder die Berührungen, ihre Hände auf mir, ihre Wärme. Kurz bevor ich in sie eindringe wird mir wieder bewusst, dass ich sie nicht will. Ich sehe sie an und versuche sie von mir wegzustoßen. Sie reagiert so gar nicht und ignoriert alles, was ich unternehme. Für sie scheint alles nur ein Spiel zu sein und dann lasse ich los, schließe die Augen und spüre nur noch, was sich gut anfühlt. Ich habe keine Chance und gebe mich der Situation hin. Doch bevor es zum Höhepunkt kommt wache ich entweder auf oder befinde mich plötzlich an einem anderen Ort in einem anderen Traum.

Teil 2: Ein Restaurant, eine Lounge oder auch ein Bürokomplex. Wirklich weiß ich es nicht. Es sind jedenfalls immer mal andere Leute da, die sehen, wie ich mit einer Frau in einer Ecke sitze. Die Frau sitzt auf mir, wie küssen und berühren uns. Es ist erregend und macht mich total an. Doch auch hier kann ich mich nicht völlig drauf einlassen. Da sind zum einen die Leute, die uns immer wieder beobachten, wir sind übrigens nicht nackt, und zum anderen ist auch diese Frau mir zu schlicht und ich will sie einfach nicht. Doch immer, wenn ich mich entziehen will, fasst sie in meine Hose, steckt mir die Zunge ins Ohr, oder macht andere Dinge, die mich völlig den Verstand verlieren lassen. So kann ich nicht weg, fühle mich beobachtet und bin doch zu erregt, um endlich zu gehen. Ich bin schwach und habe selbst gegen eine Frau, die ich nicht will, keine Chance. Irgendwann genieße ich nur noch und werde wach bevor ich erlöst werde. Dann liege ich verwirrt im Bett mit einer unnötigen Erektion und frage mich, was das wohl soll.

Teil 3: Wieder befinden wir uns in Gesellschaft. Eine private Party scheint es zu sein. Ich sitze neben einer jungen, attraktiven Frau. Viele auf der Party hier finden sie toll, doch ich sitze neben ihr, was mich ein wenig stolz macht. Ich fühle mich zu ihr hingezogen, weiß aber, dass ich zu alt bin und keine Chance bei ihr habe. Also sitze ich nur da und genieße ihre Nähe. Etwas später liegt sie entspannt in meinem Arm, ich bin total erregt, bleibe aber ganz anständig und genieße nur ihren warmen Körper an meinem. Wir sind natürlich angezogen, weil alles andere zu absurd wäre. Ich schlafe ein. Als ich wach werde hat sie sich ausgezogen, ist völlig nackt, und wir befinden und unter einer große Decke. Jeder, der auch im Raum ist, kann sich seine Gedanken machen, doch sehen sollte niemand etwas. Ich betrachte die junge Frau. Warum tut sie das? Hier sind so viele andere Männer, warum liegt sie hier neben mir? Ich sehe, dass sie sich streichelt, was mich sehr erregt. Doch ich bin auch immer darauf bedacht, dass niemand etwas bemerkt, daher kann ich immer nur kurz genießen, was sich hier abspielt. Sie hat die Beine gespreizt, spielt mit ihren Fingern an sich rum, stöhnt sanft und ich bin völlig erregt und begeistert. Sie nimmt meine Hand, legt sie zwischen ihre Beine. Sie ist feucht, ich massiere sie, dringe mit einem Finger in sie ein, während sie mit einer Hand in meiner Hose ist. Ihr Stöhnen wird lauter. Das geht so nicht. Wir fallen auf. Ich versuche ihr klarzumachen, dass sie leiser sein muss. Da ich meine Hand weggezogen habe, befriedigt sie sich nun wieder selbst. Ich schaue zu und ihr Stöhnen wird lauter. Das geht nicht, also unterbreche ich sie, sage, dass wir woanders hin müssen, weil hier noch andere Leute sind. Enttäuscht und genervt sagt sie, dass ich sie nicht attraktiv finde, ihren Körper nicht mag und lässt mich zurück. Das ist nicht wahr, sie ist perfekt. Doch jetzt ist sie weg. Dann wache ich auf und frage mich erneut, was das soll.

Buchtipp: Das Café am Rande der Welt

Nachdem ich schon viel davon gehört hatte und mich die Geschichte durchaus interessiert, blieb mir keine andere Wahl als das Buch zu lesen. Das Café am Rande der Welt liest sich gut und zügig und regt zum Nachdenken an, wenn man nachdenken mag. Ich denke eh viel nach, also ist es genau das richtige Buch für mich. Ich mag die Gedanken in dem Buch und die Geschichte insgesamt. Die Figuren sind mir sympathisch und ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen.

Weitere Bücher gibt es hier.

Der Mann ohne Zukunft und zwei andere Sorgenkinder

Der Mann ohne Zukunft ist mittlerweile in der dritten Woche hier und starrt noch immer meist seine Bewerbungsunterlagen an, kontrolliert, ob auch alles stimmt und meldet sich brav ab, wenn er zur Toilette geht. Er stellt mir eine Frage, die ich ihm beantworte. Direkt danach stellt er sie erneut, so als hätten wir das Gespräch davor nie geführt. Das ist schon irgendwie gruselig, aber ich bleibe vollkommen ernst dabei und wiederhole einfach meine Antwort. Ihn macht es sichtlich glücklich, da wäre es unhöflich seine Aussetzer nicht zu ignorieren.
Als wir ihm eine neue E-Mail-Adresse einrichten, weil er nicht weiß, wie er auf sein schon vorhandenes E-Mail-Postfach zugreifen kann, kommt er ganz schön ins grübeln. Etwas lässt ihn nicht los, macht ihm gar zu schaffen. Und so kommt er wenig später zu mir, um mich zu fragen er, ob er nun Probleme bekommt mit T-Online, weil er ja dort seine ursprüngliche Mailadresse hat. Er ist wirklich besorgt und fragt daher mehrmals nach, ob es wirklich keine Probleme gibt. Nach einer Weile kann ich ihn scheinbar beruhigen.
Wichtig ist ihm auch zu wissen, was er tun soll, wenn er seine erste Bewerbung geschrieben hat und eingeladen wird. Was er dann sagen soll, welches Verhalten angebracht ist. Dann träumt er sich quasi in ein Vorstellungsgespräch und ist ganz aufgeregt und ich sehe ihn nur an, mit all seinen Hoffnungen und weiß doch, dass es hier keinen gibt, der weiter als er von einer Einladung zu einem solchen Gespräch entfernt ist, als er es ist. Und sollte er tatsächlich durch ein Wunder ein Gespräch irgendwo haben, fürchte ich, dass es ihn total zerstört. Er ist jedenfalls sichtlich aufgeregt und bräuchte meiner Meinung nach eher einen Betreuer als einen echten Job. Möglicherweise könnte er in einer Werkstatt für Menschen mit Einschränkungen arbeiten. Mehr geht definitiv nicht bei ihm. Die Frage ist nur, was ich hier mit ihm soll und wie ich ihn vor irgendwelchen Enttäuschungen, die es definitiv geben wird, schützen kann. Abschließend bedankt er sich für die Hilfe, die er von uns bekommt und ist in seiner kleinen Welt scheinbar glücklich und zufrieden. Das ist echt hart und für einen Moment sitze ich, nachdem er gegangen ist, einfach nur da. Ratlos, verständnislos und fassungslos, dass man ihm das hier antut.

Ein weiterer Teilnehmer, der neu bei mir ist, hat nicht nur ein Zahnproblem. Er riecht wie mehrere Aschenbecher und wenn ich mal mit ihm reden muss und sein Atem mich erreicht, muss ich mich sofort wegdrehen oder gehen, weil ich würgen muss. Außerdem hat er seine untere Zahnreihe, verloren, verliehen oder verschenkt, was der Optik nicht unbedingt förderlich ist. Im Gegensatz zu dem Mann ohne Zukunft ist er aber schon recht intelligent, was mich alles irgendwie verwirrt. Er ist auch voll nett, arbeitet meist selbständig und hat sogar zwei Ausbildungen abgeschlossen. Was dann aber schief gelaufen ist, kann ich nicht sagen. Auch hier bin ich ratlos, was genau ich mit ihm machen soll. Dank seiner guten Ausbildung und seiner beruflichen Erfahrungen, hätte er eigentlich Chancen, aber sein Gesamtzustand ist schon etwas besorgniserregend. Dennoch wird er, kurz nachdem wir unsere Bewerbungsbemühungen abgeschlossen haben, angerufen und zu einem Gespräch eingeladen. Das ist eine interessante Entwicklung und lässt zumindest für den Moment hoffen, dass er eine klitzekleine Chance hat. Hoffentlich riechen die nächste Woche nicht, was ich rieche.

Und dann gibt es noch einen weiteren Fall, den man uns anvertraut hat. Ganz frisch eingetroffen. Dieses Exemplar zählt mir zunächst alle seine Krankheiten auf. Dazu gehört unter anderem irgendeine Form von Hepatitis und irgendwer aus seiner Familie hat derzeit die „Maul und Klauen-Seuche“, wie er es nennt. Später nennt er die Krankheit dann Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Wirklich wohler fühle ich mich dadurch auch nicht, weil diese Krankheit hochansteckend ist. Und der Arsch hat mir zur Begrüßung auch noch seine Hand geben müssen. Bei mir juckt sofort alles und ich bin durchaus angewidert. Nachdem er all seine Krankheiten aufgezählt hat und auch feststeht, dass er laut ärztlicher Gutachten so gut wie keinen Job mehr ausführen kann, ist unsere Maßnahme um einen weiteren Mann ohne berufliche Zukunft erweitert. Kaum ist das menschliche Wrack gegangen, desinfiziere ich mich, seife mir Hände und Gesicht ein und hoffe, dass ich nicht verseucht wurde.

Ich kann echt viel ertragen, aber langsam wird es echt ekelig. Und noch bleiben vier Monate bis zum Ende dieser Maßnahme. Genug Zeit also uns weitere extreme Fälle zu schicken. Ich bin gespannt.

Filmkritiken: USS Indianapolis / Anleitung zum Unglücklichsein

Am 30. Juli 1945 wird die USS Indianapolis von einem japanischen U-Boot versenkt. Die Überlenden, die auf den Rettungsbooten treiben, werden immer schwächer und von Haien angegriffen. Erst nach Tagen werden sie gefunden und gerettet. Kapitän Charles Butler McVay (Nicolas Cage) muss sich später vor Gericht verantworten.
Der Film beruht auf wahren Begebenheiten und die Geschichte ist wirklich interessant. Dummerweise macht Regisseur Mario van Peebles nur nichts aus den Möglichkeiten und präsentiert einen Film mit billigen Effekten, schrecklichen Dialogen und großer Langeweile. Ein wenig Liebesgeschichte à la Pearl Harbor, etwas Der weiße Hai, dazu ein wenig vom Untergang der Titanic, fertig ist der belanglose Reinfall. Die billigen Effekte erinnern an Zeiten, die schon Jahre vorbei sind und auch ein wenig an die Augsburger Puppenkiste. Glücklicherweise sieht man die Fäden an den Schiffen und Flugzeugen nicht. Passend dazu wirken auch die Schauspieler mitunter so als wären sie gerade in der Augsburger Puppenkiste aktiv, oder hätten verlernt, wie man gut schauspielert. Insgesamt ist es wirklich schrecklich, was aus der durchaus interessanten Geschichte gemacht wurde.

Fazit: Da spielt man besser zwei Stunden mit Papierschiffen in einer Badewanne.

Tiffany (Johanna Wokalek) hat nicht nur ein Feinkostgeschäft, sie redet auch immer wieder mit ihrer toten Mutter (Iris Berben). Eine Angewohnheit, die sie selbst beim Versuch, mit dem durchaus merkwürdigen und keinesfalls erotischen Frank (Benjamin Sadler), Sex zu haben, nicht ablegt. So kommt natürlich keine Erotik auf. Gerne denkt sie an ihre Kindheit zurück und träumt von der großen Liebe. Ihr alter Klavierlehrer Hans (Richy Müller) zieht gegenüber des Ladens ein und springt später ins Wasser. Paul, ihr Vermieter, taucht immer wieder auf, sie versöhnt sich mit ihrem Vater und manchmal sieht man sie nackt von hinten, was dem Film sichtlich gut tut, auch wenn es nur sehr kurze Augenblicke sind. Dann gibt es noch einen Hund und einen Vogel, die den Film aber auch nicht retten können. Frank stirbt irgendwann, alte Männer singen ein Lied und Tiffany verliebt sich in den Fotografen Thomas (Itay Tiran).
Tiffany ist leider eine echte Nervensäge, gelegentlich sogar eine Kackbratze. Garniert wird der Filmsalat mit einem Sprecher, den man nicht sieht und der auch nichts dazu beiträgt, dass irgendwas besser wird. Spaß macht die Anleitung zum Unglücklichsein nicht, aber das würde auch nicht zum Titel passen und ist möglicherweise so gewollt.

Fazit: Ein Film, der beim Unglücklichsein helfen kann.

Weitere Filme gibt es hier.

Yankee Candle Midsummers Night

Unglaublich, aber auch der nächste Duft ist nach meinem Geschmack. Midsummers Night riecht meiner Nase nach ähnlich wie Kilimanjaro Stars. Vielleicht ein klein wenig weniger intensiv, aber wenn ich nicht gewusst hätte, dass es ein anderer Duft ist, hätte ich wohl angenommen, dass ich erneut Kilimanjaro Stars benutze. Somit ist auch der fünfte Duft ein Erfolg und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Romanverfilmungen

Mitunter finde ich es interessant, wenn ein Roman ein weiteres Mal verfilmt wird. Im Fall des Romans „The Beguiled (oder A painted Devil)“ von Thomas P. Cullinam, habe ich mir beide Verfilmungen direkt nacheinander angesehen. Das Buch kenne ich nicht.

Die Verführten von Sofia Coppola stammt aus dem Jahr 2017. In den Hauptrollen gibt es Colin Farrell, Nicole Kidman, Elle Fanning und Kirsten Dunst zu sehen. Optisch ist er der Verfilmung von 1971 natürlich etwas voraus. Aber das sollte auch so sein. Die Geschichte spielt im Jahr 1864 und erzählt vom verwundeten Soldaten John McBurney, der von den Frauen des Mädchenpensionats aufgenommen und gepflegt wird. Die Frauen sind sehr schnell von dem attraktiven Mann angetan und er hat natürlich auch Interesse an den Frauen. Dummerweise führt das zu Eifersüchteleien, Betrügereien und endet mies, weil John eben nicht nur Interesse an einer der Frauen hat. In der Verfilmung von Coppola bleibt leider alles angedeutet, der Zuschauer muss sich vieles denken und zusammenreimen. Warum John schließlich im Zimmer der einen Frau erwischt wird und somit das Chaos auslöst, wird komplett weggelassen. Er ist einfach da, den Rest kann man sich ja denken. Die Frauen wirken teilweise wie eine Masse und nicht wie unterschiedliche Personen. Mitunter wirkt das Vorgetragene etwas lahm und nimmt einen auch nicht richtig mit. Behutsam wird die Geschichte bis zum Ende vorgetragen, ohne wirklich zu überzeugen. Irgendwas fehlt immer und der Film kommt einem länger vor als er wirklich ist. „Die Verführung“ ist zwar nicht wirklich schlecht, aber irgendwie schon eine Enttäuschung. Da hätte man sicher mehr draus machen können.

Betrogen von Don Siegel mit Clint Eastwood und Geraldine Page ist deutlich abwechslungsreicher. Der Titel passt auch besser, weil fast alle betrügen und betrogen werden. Der Inzest, der bei „Die Verführten“ komplett ausgelassen wird, hilft bei der Beschreibung der Figuren und auch die Lügengeschichten, die den Soldaten, die auftauchen, erzählt werden, tun dem Film sichtlich gut. Ebenso die Rückblicke, wenn John aus seiner Vergangenheit erzählt. All das wirkt stimmig und liefert viele Erklärungen. Das Stereotype der aktuellen Verfilmung gibt es hier nicht. Der Spannungsbogen ist deutlich höher und der direkte Vergleich wertet die Verfilmung nochmal deutlich auf. Ich hatte eigentlich erwartet, dass die aktuelle Verfilmung, schon alleine durch die attraktiveren Darstellerinnen, mehr überzeugen kann. Doch außer der besseren Optik, geht der Film für mich im direkten Vergleich baden. Selbst in Sachen Erotik kann „Betrogen“ mehr überzeugen. Aber das ist sicher so gewollt, denn „Die Verführten“ ist vermutlich mit Absicht so angelegt, damit der Zuschauer sich alles denken muss, was am Ende zu dem tragischen Ausgang führt. Mich kann das leider nicht überzeugen. Ich will mir nicht alles denken und zusammenreimen müssen, sondern wichtige Details schon zu sehen bekommen, denn sonst macht das alles irgendwie keinen Sinn. Somit ist „Betrogen“ für mich definitiv die bessere Verfilmung.